Nachhaltige Monatshygiene – Wie du dich vom monatlichen Müll, Kosten & Ekel befreist

„Geiler Scheiß!“ – Klappe, die Fünfte.

Foto von SandraSandra produziert mit ihrer Monatshygiene keine Berge an Müll mehr: Keine Tampons, keine Binden, keine Klebestreifen der Bindenrückseite und -flügel, keine Plastikhülle, auch keinen Karton.

Sie spart jeden Monat bares Geld für diese Wunderprodukte unserer Zivilisation. Und sie hat sich von einigen Ekelaspekten befreit. Dich interessiert, welche Alternative sie für sich gefunden hat? Lies hier mehr!

Vielen Dank, Sandra, für deine Offenheit, dieses doch ein bisschen intimere Thema aufzurollen!

Worum geht’s?

Von den frühen Teenagerjahren bis hin zur Menopause begleitet sie uns, Monat für Monat, die Regelblutung. 
Erinnerst du dich an dein „erstes Mal“? Als Mama dir Binden und Tampons zugesteckt hat und du erstmal den Umgang mit Klebefolien und Rückholfädchen lernen musstest? 
So wie die allermeisten Frauen habe ich die mir angebotenen Produkte lange nicht hinterfragt. In der Drogerie standen verschiedene Marken zu verschiedenen Preisen zur Auswahl, das Prinzip war jedoch immer das Selbe: ein hart gepresstes Stück Watte, gerne mit undefinierbarem Gewebe beschichtet, für „die bessere Gleitfähigkeit“. Seltsam raschelnde, strahlend weise Binden die einen beim Tragen an Orten schwitzen ließen, die vorher nie Schweiß kannten. Und fangen wir gar nicht erst damit an, wie so eine benutzte Einlage riecht. 
Die dargebotenen Produkte haben ein Ziel: Menstruationsblut aufsaugen, sicher und unter möglichst wenig Kontakt mit dem eigenen Körper und – Gott bewahre – dem eigenen Blut.

Ich kann nicht behaupten mit den üblichen Produkten unzufrieden gewesen zu sein. Man kannte ja schließlich nichts anderes und alle benutzten es.
Schon bald entwickelte ich mich jedoch als Teenagerin zu einer ausgewachsenen Öko-Aktivistin und störte mich an den Bergen von Müll die ich da jeden Monat produzierte. All die Baumwolle (damals noch in der entzückenden Annahme die teuren Markenprodukte bestünden aus natürlichen Fasern) die wir da wegwerfen, wieviele Ressourcen da verschwendet werden.

So begab ich mich auf die Suche nach Alternativen und entdeckte bei meinen Recherchen bald die mir völlig unbekannten und rätselhaften Produkte „waschbare Stoffbinden“ und „Menstruationstassen“. 



Wollen wir mal ehrlich sein. Das erste Mal das eigene Blut aus einer Stoffbinde zu waschen ist ziemlich schräg und sogar ein bisschen eklig. Wie sollte es auch anders sein? Kontakt mit unserem eigenen Blut kennen wir kaum und dank hübschen blauen Flüssigkeiten in Tamponwerbungen und dem Gestank der Plastik-Wegwerfprodukte sind wir es gewohnt uns vor uns selbst zu ekeln, es dauert, sagen wir, 3 Mal Menstruationstasse ausleeren bis sich dieses schandhafte Bild von unserem eigenen Körper wieder geradegerückt hat.

Warum ist es für dich so großartig?

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase – der richtige Umgang mit Tasse und Stoffbinde will natürlich, wie auch damals bei Tampon und Co., gelernt sein – von nur einem Zyklus war ich bereits Feuer und Flamme für meine Entdeckungen.

Kein Müll, keine unangenehmen Gerüche mehr und ein völlig neues und fantastisches Körpergefühl!

Eine Menstruationstasse kann man um die 10-15 Jahre (da geben verschiedene Hersteller verschiedene Zeiten an) wiederverwenden. Zu Beginn und am Ende der Periode ausgekocht spart sie unglaubliche Mengen an Müll und überraschend viel Geld! Eine Tasse kostet zwischen 15-30€, Wegwerfprodukte schlagen durchschnittlich mit etwa 5€ pro Monat zu Buche, nach also spätestens 6 Monaten menstruierst du ein ganzes Jahrzehnt GRATIS! 
Die Tassen sind bei richtiger Anwendung absolut dicht aber gerade Nachts oder tagsüber als Back-Up empfehlen sich Stoffbinden.

Je nach Ausführung und Größe kosten sie zwischen 5-15€ und sind auch jahrelang nutzbar. Nach dem Benutzen mit kaltem Wasser ausspülen, ab in die 60 Grad Wäsche, fertig! Kein Rascheln, kein Geruch, sie sind atmungsaktiv, dicht und die verschiedenen bunten und in liebevoller Handarbeit hergestellten Modelle machen jeden Monat Freude!

Warum ist’s nachhaltig? Warum ist’s großartig für die Welt, für andere Menschen?

Wie schon erwähnt kann Frau mit dem Umstieg auf wiederverwendbare Menstruationsprodukte unglaubliche Mengen Müll und damit Ressourcen, graue Energie und virtuelles Wasser sparen. Viele Anbieter produzieren in Deutschland, Österreich und Europa, was die Transportwege kurz und die Arbeitsbedingungen fair macht. Einige Firmen bieten sogar zusätzliche soziale Benefits, spenden z.B. für jede gekaufte Tasse eine an bedürftige Mädchen in Entwicklungsländern, etc.

Na, bist auch du auf den Geschmack gekommen?  ☺

 


Fotos: Profilbild von Sandra. Titelbild “Strawberries” von Photo Cindy, CC public domain mark

4 Antworten auf „Nachhaltige Monatshygiene – Wie du dich vom monatlichen Müll, Kosten & Ekel befreist“

  1. hallo kerstin, danke für den sehr guten bericht. für mich kommt er leider zu spät. dafür habe ich, sowie mill. frauen jenseits der menopause, ein anderes schlimmes problem. inkontinenz. den müll, den ich tägl. verursache, ist immens. gibt es etwas. was ich statt der binden, welche auch noch sehr sehr teuer sind, nehmen kann. das problem ist der geruch. selbst mit einer superdichten binde, fühle ich mich unsicher. wenn du mir da vielleicht einen rat geben kannst. gglg elfi

    1. Hallo Elfi,

      ich kenne mich damit nicht aus Erfahrung aus, aber habe zwei Gedanken:

      1. Kann man vielleicht durch einen ärztlichen Eingriff Besserung erreichen? Dann könnten die laufenden Müllberge entfallen, obwohl es natürlich beim und nach dem Eingriff Einiges an Müll gibt. Aber ich bin keine Medizinerin. Hast du schon mit einer Ärztin gesprochen?

      2. Die Inkontinenz-Einlagen ähneln ja sehr den Baby-Wegwerfwindeln. Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, quasi wie beim Wickeln auf Stoffbinden in wasserdichter Hülle umzusteigen? Kommt aber vermutlich auch sehr auf die Menge an Flüssigkeit an, die aufgesaugt werden muss. Wie lange man zumindest bei Babys die Stoffwindeln in feuchtem Zustand am Babypopo dran lässt, hängt unter Anderem vom Material ab. Es gibt Baumwolle, Bambus, Kunstfaser und Kombinationen daraus. Ich habe gerade mal “inkontinenzeinlagen waschbar” im Internet gesucht, da gibt es schon den Einen oder Anderen interessanten Treffer.

      Halte uns gerne auf dem Laufenden, das ist spannend und möglicherweise auch für andere Leserinnen von Bedeutung!

      Viele Grüße,
      Kerstin

  2. Hallo Kerstin,
    um Müll zu vermeiden habe ich auch Menstruationstassen ausprobiert, 2 veschiedenen Modelle. Ich musste jedoch festestellen, daß das einfach nichts für mich ist. Tampons habe ich auch noch nie gerne benutzt.
    Ich möchte deshalb auf zwei weitere Alternative hinweisen:
    Stoffbinden und Periodenunterwäsche.
    Stoffbinden gibt es in allen möglichen Formen und Saugfähigkeiten, sind waschbar und halten echt lange (ich verwende welche von Kulmine). Mit Periodenunterwäsche habe ich auch gute Erfahrungen gemacht, diese benutzte ich gerne an leichteren Tagen (ich verwende die femtis-Periodenslips).

    Liebe Grüße,
    Maya

    1. Liebe Maya,

      vielen Dank für deine offene Ergänzung des Beitrags! Es ist immer hilfreich, sich gegenseitig mit eigenen Erfahrungen zu bereichern 🙂

      Viele Grüße,
      Kerstin

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