HelloFresh – Wie ist’s mit Plastik-Müll?

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Du überlegst, ob HelloFresh was für euch wäre, aber hast keine Lust auf Berge an Plastikmüll? Wie macht es der Food- bzw. Kochbox-Lieferservice mit Verpackungen und wie viel Müll fällt an? Hier gebe ich dir einen Einblick.

Verständlich, HelloFresh ist attraktiv:

  • viel frisches Gemüse
  • fertig zusammengestellte Gerichte
  • kein Laden-Hopping für die Zutaten, denn alles ist dabei*
  • neue Rezeptideen über das eigene Standard-Kochrepertoire hinaus
  • hübsch aufgemachte Schritt-für-Schritt-Anleitung zu jeder Mahlzeit

(* Salz, Pfeffer, Essig, Öl solltest du zuhause haben.)

Wir sind ein Haushalt mit 4 Personen – 2 Erwachsene, 1 Jugendliche, 1 Kind. Wir essen üblicherweise abends zusammen eine warme Mahlzeit, fast immer selbst gekocht. Dabei legen wir MEGA viel Wert auf Nachhaltigkeit. Annähernd 100% unserer Lebensmittel sind bio, viele auch Demeter oder Naturland.

Dienstags bekommen wir eine Biokiste geliefert von einem Demeter-Landwirt in ca. 6 Kilometer Entfernung.

Bevor wir uns für die Biokiste entschieden haben, waren wir Teil der SoLaWi (Was ist eine SoLaWi?), die hier ebenfalls über einen Demeter-Landwirtschaftsbetrieb läuft, und dort auch Gründungsmitglieder. Das ist eine wirklich geniale Sache! Ich erkläre es dir im verlinkten Video. Leider gab es nach unserem Umzug 2020 keinen SoLaWi-Zugang in der direkten Nähe, darum sind wir –zumindest vorübergehend– ausgestiegen.

Du siehst:

HelloFresh genügt unseren Ansprüchen bzgl. BIO leider nicht.

Schade ist, dass man auf der Webseite lange suchen muss, bis man einen Hinweis findet. In den FAQ steht:

Ist HelloFresh bio?

„Die Zutaten beziehen wir zu über 80% frisch und direkt von sorgfältig ausgewählten Erzeugern – dabei kommen einige Zutaten bereits aus biologischer Herstellung, jedoch nicht alle. Darüber hinaus achten unsere Einkäufer darauf, saisonal verfügbare und regionale Lebensmittel zu verwenden und auf unnötige Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker zu verzichten.“

HelloFresh FAQ, 30.07.2022

Beim Testen der HelloFresh-Kochbox ist mir auch bei den einzelnen Zutaten, die schriftliche Hinweise besitzen, kein bio begegnet.

Gehe also davon aus, dass du über HelloFresh KEINE Bio-Mahlzeiten erhältst! … auch wenn es leider im Internet auf einigen Webseiten anders kommuniziert wird.

Weiter unten findest du eine Alternative zu HelloFresh, wo du Bio-Kochboxen bekommst.

Auch Plastik und Müll ist für uns ein großes Thema. Wir sind keine Perfektionisten, denn Perfektionismus macht das Leben hart und schwer. Trotzdem ist es eine der wichtigen Säulen, auf die wir bauen. Einen Rundgang durch dein Zuhause habe ich im Kosmos-Verlag veröffentlicht, hier findest du mein Buch Zero Waste – ohne Stress.

Also, große Frage:

Wie viel Müll, vor allem Plastik, gibt’s bei HelloFresh?

HelloFresh schreibt sich auf die Fahnen, bei Verpackung besonders nachhaltig und umweltfreundlich zu sein.

Beim Auspacken der Ware fällt auf: Erst mal begegnet einem keinerlei Plastik.

  • Die äußerste Schicht ist ein brauner Karton. Laut HelloFresh-Webseite aus 100& Recycling.
  • Die Zutaten für eine Mahlzeit sind in jeweils eine braune Tüten aus sehr dickem Papier gepackt.

Das ist schonmal ganz gut für alle, die versuchen plastikfrei zu leben.

Plastikmüll bei einer HelloFresh-Mahlzeit

Beim Kochen selbst, also nach dem Öffnen der Mahlzeiten-Tüte, geht’s dann aber los. Unsere allererste HelloFresh-Kochrunde (für 4 Personen) brachte diesen Plastikmüll mit sich:

  • großer Plastikbeutel vom fertig zerkleinerten Salat
  • Plastiktütchen von frischem Schnittlauch und Petersilie (gemeinsam in einem Tütchen)
  • 2 Mini-Portionsfläschchen (aus Plastik) vom Kürbiskernöl
  • 1 Senf-Tütchen
  • 1 Plastikbeutel von geriebenem Gouda
  • 2 Plastikbeutel von sauerer Sahne
  • 2 kleine Tütchen Gewürzmischung
  • 2 Mini-„Schälchen“ (aus Plastik) von der Worcester-Sauce

Klar, es war zu erwarten, dass eine fix und fertig Kochbox mit einem bestimmten Anteil Plastikmüll daherkommt! Wäre es plastikfrei, würde HelloFresh selbstverständlich damit werben. Ich liste es im Detail aber trotzdem 1x für dich auf, dass du einen Eindruck bekommst.

Spezieller HelloFresh-Kühlsack mit Eisbeuteln / Kühlakkus

Material für 3 Mahlzeiten à 4 Personen hatten wir bestellt. Und ich muss sagen, ich hab mich suuuuper darauf gefreut HelloFresh auszuprobieren! Das Essen war auch wirklich mega lecker und hat uns nochmal Inspiration gegeben, die wir in unseren Alltag mitnehmen.

Ein Bestandteil der Lieferung, auf den ich schon im Vorhinein sehr gespannt war, war die Kühlung. HelloFresh wirbt damit, dass die Kochbox bei Lieferung auch problemlos einige Zeit vor der Tür „warten“ kann, wenn man grade nicht zuhause ist. Wie geht das?

Neben den drei großen Papiertüten mit Zutaten für jeweils eine Mahlzeit gab es im Karton einen weiteren Beutel aus grauen, textil wirkenden Fasern, relativ dickwandig. Darin befand sich das zu kühlende Material, also Käse und Schmand.

Den Kühleffekt selbst bewirkten 4 Kühlpacks: wasser(?)gefüllte Beutel aus Plastik, von denen 2 Stück sogar noch einen dicken Eisklumpen beinhalteten. Eisbeutel.

Das ganze Päckchen war damit trotz hoher Sommertemperatur innen gut kühl. Alle Lebensmittel kamen in einem guten Zustand bei uns an.

HelloFresh Verpackung entsorgen

Den Karton kannst du sicherlich noch sinnvoll nutzen, zum Beispiel direkt ein paar nicht mehr benötigte Dinge aus deinem Haushalt aussortieren und im Sozialkaufhaus spenden (So wirst du deinen Kram los: 13 Alternativen zur Mülltonne).

Die braunen Papiertüten eignen sich ideal als Sammler für Biomüll. Du kannst sie guten Gewissens mit in der Biotonne entsorgen und musst keine extra Tüten dafür kaufen.

Bei den Plastik-Sachen wird’s schon schwieriger.

Vielleicht hast du einen Hund und kannst das Eine oder Andere noch als Hundekotbeutel nutzen? (Hier gibt’s Plastikfrei-Tipps für dein Leben mit Hund).

Bei den kleinen Senfbeutel & Co. bleibt dir nicht viel übrig, als sie in den Müll zu schmeißen. Wenigstens in die richtige Tonne, oder wie bei uns in den gelben Sack.

Der große Kühlbeutel besteht aus 96% Papier und darf in die Papiertonne. HelloFresh nennt ihn Paper Pouch und ist, glaube ich, super stolz darauf 🙂

Oder: Du entscheidest dich gegen die Anschaffung einer Kühlbox fürs Auto und entwickelst deine eigene, handlichere Variante, mit Paper Pouch (eine oder mehrere) und den HelloFresh-Eisbeuteln.

Die Eisbeutel selbst enthalten Wasser – Im Gegensatz zu Kühlpacks, die man sonst so kennt. Du kannst sie wunderbar weiterverwenden oder, wenn es zu viele werden, aufschneiden, ausschütten und dann –leider– entsorgen.

Fazit zu unserer Erfahrung mit HelloFresh

Wenn „man das mal macht“, ist es vom Müllaufkommen her in Summe nicht DER Traum, hätte aber wesentlich schlimmer sein können, wie ich finde.

Als Dauerlösung mit z.B. wöchentlicher Lieferung ist es mir aber wirklich zu viel Plastik- und Papiermüll, der anfällt, und zwar für 3 Bereiche:

  1. KÜHLUNG – großer Kühlbeutel, kleine Eisbeutel
  2. WÜRZZUTATEN und besondere ÖLE
  3. EMPFINDLICHE LEBENSMITTEL – Salat, Kräuter, Milchprodukte

Schade Marmelade! Denn ehrlich gesagt würde ich es LIEBEN, für ca. 2-3 Tage pro Woche ein fix und fertiges Essen parat zu haben und nicht selbst Hirnschmalz ins Rezept-Aufstellen zu stecken.

Alternative zu HelloFresh? Mindestens Bio. Gerne vegan.

Noch nicht selbst ausprobiert, aber ich behalte es im Hinterkopf: Der Kochbox-Anbieter Brokkoli liefert Bio-Essen zum Selberkochen. Rein pflanzlich.

Kanntest du die schon?

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