Essig selbermachen – mit und ohne Essigmutter [einfache Anleitung für Zuhause]

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Essig selbst herzustellen, damit sind wir in der Regel nicht (mehr) vertraut. Dabei ist die Essig-Produktion etwas, das –wie andere Fermentationsprozesse- im tägliche Leben unserer Vorfahren einen festen Platz hatte. Nichts Aufregendes. Einfach normal.

Du willst da wieder hinkommen? Voll gut. Mit den richtigen Zutaten verwandelst du zum Beispiel Wein oder Most in aromatischen Essig. Seit einiger Zeit läuft das bei mir so nebenbei, und ich bin happy, wie einfach das geht. 

Du kannst Essig sowohl mit einer Essigmutter als auch ohne herstellen – beides führt zu einem natürlich vergorenen Produkt mit individuellem Geschmack.

Ich zeige dir, wie du mit einer vorhandenen oder selbstgebildeten Essigmutter arbeitest und worauf du achten musst, damit dein Essig mild und klar bleibt.

Auch ohne Essigmutter gelingt die Gärung, denn Essigbakterien befinden sich in der Luft. Wie das funktioniert, erklären praxisnahe Anleitungen wie in Essig natürlich vergoren: Einlegen, Ausziehen, Säuern und Kochen* von Karin Buchart.

Und wenn man die Grundlagen verstanden hat, kann man verschiedene Früchte, Kräuter oder Gewürze einsetzen, um dem eigenen Essig ganz besondere Aromen zu verleihen.

Wichtig: Hier handelt es sich um einen lebenden Prozess, für den ich dir natürlich keine Garantie geben kann. Ich teile, was ich erlebt, erfahren und gelernt habe. Und wie ich es selbst handhabe mit der Essigherstellung. All das kann ich dir weitergeben, ohne freilich die Verantwortung für deine eigenen Versuche übernehmen zu können.

Mein größtes Problem bei der Essigherstellung

Zur Idee, Essig selber zu machen, kam ich, als nach meiner Geburtstagsfeier eine Menge selbstangesetzter Glühwein übrig war. Zu schade zum Wegkippen. Unwahrscheinlich, dass alles in den nächsten Wochen getrunken werden würde.

Von einem Freund hatte ich ein Buch von Sandor Ellix Katz* empfohlen bekommen, einem der wahrscheinlich erfahrensten Zeitgenossen in den unendlichen Varianten an Fermentation, die die Menschen schon immer und auch heute noch weltweit nutzen und betreiben.

So war klar:

  • Vorhandene Ressourcen nutzen.
  • Glühwein nicht wegkippen.
  • Erstes Essig-Experiment meines Lebens starten.

Ohne große Recherche goss ich Glühwein in sehr große Gläser und gab jeweils aus unserem Küchen-Vorrat Bio-Apfelessig in Demeter-Qualität hinzu, von dem ich wusste, dass er nicht abgekocht war, also noch lebendes „Material“ enthielt.

Ein weiteres Glas setzte ich an, in das ich frisch gepressten Quittensaft füllte, der ebenfalls von meiner Geburtstagsfeier übrig war (ein Geschenk, von dem wir einen Teil getrunken hatten, aber ein Rest übrig war). Fertigen Bio-Apfelessig dazu, voilà.

Auf alle Gläser kam ein luftdurchlässiges Tuch, gespannt mit Gummiringchen, damit Sauerstoff, aber keine Obstfliegen etc. in die Gläser gelangen konnten.

Großartig! Ich freute mich sehr und war gespannt.

Nach einigen Tagen gab’s ein Problem: Ich fing an mir Sorgen zu machen. Das eine Glas mit Quittensaft plus Apfelessig zeigte weiße Schlieren.

War das Schimmel?!

Ich fing an mich tiefer zu informieren. Und lernte: Essig entsteht, indem Essigsäurebakterien Alkohol aufnehmen und umwandeln.

ALKOHOL, klar!

Im Trubel des Alltags und in der freudigen Aufregung beim Experiment-Start hatte ich nicht weiter darüber nachgedacht, dass im Glas mit dem Quittensaft ja gar keine Nahrung für Essigsäurebakterien zur Verfügung stand. Es fehlte Alkohol.

Trotzdem war ich super unsicher: Schimmelte die Quittenflüssigkeit? Musste ich sie wegkippen? Was war da los? Was waren das für weiße Schlieren?

Erst jetzt recherchierte ich nochmal bewusster und tiefer. So erarbeitete ich mir nicht nur eine Lösung für meine unklare Situation, sondern auch sooo viel mehr Sicherheit.

Denn diese wilden Kulturen hier, diese Pilze, Hefen, Bakterien – All das fühlt sich oft ja bedrohlich an für uns heutzutage. OBWOHL wir in der Menschheitsgeschichte so sehr „ein Gefühl“ für den Umgang mit „wilden Kulturen“ aufgebaut hatten und eigentlich gelernt hatten, diese als Alltagsbegleiter*innen bei uns „wohnen“ zu haben.

Sauerteig-Kulturen, Essigmütter, Kombucha, Sauerkraut-Fässer etc.

Diese Kulturen muss man aushalten können. Das ist nix für schwache Nerven, wenn man Fermentation nie als „normal“ im Alltag kennengelernt hat.

Okay, Challenge accepted.

Ich war gewillt, mit Essig einen entspannteren, unaufgeregten Umgang zu finden. Genau wie ich es mit Sauerteig für mich selbst gelernt und etabliert habe. (Da freue ich mich, dass es für unsere Kids so selbstverständlich ist!)

Ich wünsche dir, dass du einen ebenso positiv-entspannten Umgang mit Fermenten und dieser Art von Mitbewohnenden in deinem alltäglichen Leben findest – Denn der Mehrwert ist großartig und vielfältig. Er reicht von einfacher Freude über ein gutes Ergebnis, über gesundheitsfördernde Aspekte wie Förderung der Verdauung bis hin zu Stärkung von Selbstwirksamkeitsgefühl und Förderung regelmäßiger Strukturen im Alltag.

Dass ich schließlich lernte, dass die weißen Schlieren im Quittenglas kein Schimmel, sondern Kahmhefe waren, war ein tolles Learning für mich.

Und jetzt lass uns kurz zusammenfassen:

Wichtigste Erkenntnisse im Umgang mit selbstgemachtem Essig

  • Essig lässt sich mit oder ohne Essigmutter natürlich herstellen.
  • Die Gärung ist super einfach und läuft nebenbei.
  • Zutatenwahl, Fermentationsumstände und Lagerung bestimmen Geschmack, Qualität und Haltbarkeit.

Kurze Anleitung zur Essig-Herstellung

Gemeinsam mit ChatGPT hab ich hier ne Übersicht für dich erstellt, die möglichst kurz zusammenfasst, wie du Essig mit Essigmutter selbst herstellst. Bzw. wie ich das inzwischen handhabe.

1. Gefäß

  • Glas, sauber
  • weite Öffnung (Sauerstoff!)
  • mit Tuch + Gummi abdecken, kein Deckel

2. Ansatz

  • 1 Teil Alkohol + 3–4 Teile Wasser
    (z. B. Apfelwein, Weißwein, Cider)
  • Alkoholgehalt ideal: 5–7 %
    → nie über 10 %, sonst stirbt die Mutter

3. Essigmutter

  • vorsichtig einlegen (am Stück)
  • sie darf schwimmen oder sinken – beides ok

4. Standort

  • warm & dunkel: 20–28 °C
  • keine Sonne, kein Kühlschrank
  • Ruhe – nicht schütteln

5. Geduld

  • nach 2–4 Wochen Geruch säuerlich und stechend wie Nagellack/Lösungsmittel (= Umwandlungsprodukte im „unfertigen“ Prozess)
  • nach 4–8 Wochen Geruch nicht mehr nach Lösungsmittel, nur sauer, dann fertig

6. Abfüllen

  • Essigmutter rausnehmen (für nächsten Ansatz)
  • Essig abseihen durch feines Sieb
  • luftdicht verschließen

Wichtig

  • keine Metalle am/im Essig
  • Wenn es faulig/muffig riecht → weg
  • Kahmhefe (weißlich, dünn) ≠ Schimmel (flauschig, „bunt“)

Essig selbermachen: Grundlagen und Voraussetzungen

Ich achte beim Herstellen von Essig (wie bei allen Arbeiten in der Küche und mit Fermenten) auf saubere Gefäße und geeignete Zutaten. Auch die richtige Temperatur ist wichtig, bewegt sich in der Küche aber ohnehin im meist idealen Bereich.

Entscheidend sind der Alkoholgehalt der Flüssigkeit und die Aktivität der Essigsäurebakterien, die den Gärprozess steuern.

Was ist Essig und wie entsteht er?

Essig entsteht durch mikrobielle Umwandlung von Alkohol zu Essigsäure. Dabei oxidieren Essigsäurebakterien, meist aus der Gattung Acetobacter, den Alkohol. Der Vorgang läuft aerob ab, das heißt, Sauerstoff ist nötig.

Ich habe gelernt, dass der Alkoholgehalt ideal bei etwa 5–10 % liegt. Ist er zu niedrig, bilden sich Fremdbakterien; ist er zu hoch, sterben die Essigsäurebakterien. Meist nutze ich Wein als Basis, da wir mit Kelter neben uns und Freunden im Bio-Weinbau sozusagen an der Quelle sitzen. Gerne möchte ich bei Gelegenheit auch mal mit Most, Apfelwein oder Fruchtsäften als Basis experimentieren, kann dir hier aber noch nichts zu berichten.

Die Reifung dauert abhängig von Temperatur und Belüftung mehrere Wochen. Natürliche Fermentation führt in der Regel zur Bildung einer „Essigmutter“, einer gallertartigen Schicht lebender Bakterien. Diese kann bei zukünftigen Essigansätzen die Gärung deutlich beschleunigen, wie z.B. in Bucharts Werk über natürlich vergorenen Essig* beschrieben wird.

Benötigte Zutaten und Utensilien

Um Essig selber zu machen, verwende ich nur wenige Dinge, achte bei diesen aber auf Qualität. Ich brauche:

Zutat/UtensilZweck
alkoholhaltige Basis (z. B. Bio-Wein, Bio-Apfelwein)Ausgangsstoff für Essigsäurebildung
Essigmutter oder unbehandelter EssigStartkultur der Bakterien
Glasgefäß mit weiter ÖffnungLuftzufuhr ermöglichen
Stoff, am liebsten Mulltuch schützt vor Staub + Fliegchen, lässt Luft durch
feines Sieb oder Stoffzum Abseihen am Ende

Ich halte die Umgebung sauber und vermeide Metall, da Essigsäure darauf wohl reagieren kann.

Die Luftzufuhr ist entscheidend! Daher decke ich das Gefäß nur mit einem Mulltuch-Stück ab, es kommt kein Deckel drauf. Manche lassen ihren Essig über Monate reifen – So weit fortgeschritten bin ich nicht.

Die Rolle von Essigsäurebakterien und Acetobacter

Essigsäurebakterien bilden das Herz des Prozesses. Genauer: Essigsäurebakterien ist ein Sammelbegriff, bei der Essigherstellung arbeiten wir mit der Gattung Acetobacter, die Alkohol zu Essigsäure oxidiert. Ohne sie entsteht kein echter Essig.

Diese Bakterien leben an der Grenzfläche zwischen Flüssigkeit und Luft. Deshalb benötigen wir ausreichend Sauerstoffzufuhr. Bei guter Belüftung vermehren sie sich schnell und bilden eine sichtbare Haut auf der Oberfläche – die Essigmutter.

Je nach Art des Stammes können Temperatur, Alkoholkonzentration und Geschwindigkeit der Säurebildung variieren. In der technischen Beschreibung der submersen Essigbildung wird gezeigt, dass frei schwebende Essigsäurebakterien bei gleichmäßiger Belüftung besonders effizient arbeiten. Zwar sind solche Verfahren eher industriell, doch das Prinzip bleibt auch im Haushalt gleich: Bakterien wandeln Ethanol in organische Säure um – und erzeugen so den typischen Geschmack von Essig.

Essigmutter: Bildung, Nutzung und Pflege

Wie gesagt:

Die Essigmutter ist für mich das Herzstück jedes selbst gemachten Essigs.

Sie besteht aus lebenden Essigsäurebakterien, die Alkohol in Essigsäure umwandeln. Damit sie gut arbeitet, braucht sie Wärme (aber keine besonders große), Sauerstoff und einen natürlichen Alkoholansatz wie Wein oder Apfelsaft.

Klar, die richtige Pflege und Handhabung entscheidet über die Qualität des fertigen Essigs. Aber: Du bist ein Mensch. Und Menschen haben in ihrer langen Geschichte immer mit Fermenten gearbeitet. Es liegt dir also im Blut. Hab keine Angst!

Essigmutter selbst züchten

Um eine Essigmutter selbst zu züchten, nutze ich am liebsten Bio-Apfelessig, der nicht haltbar gemacht wurde. Zum Beispiel in Demeter-Qualität, denn da ist das Lebendige Herzenssache und ein echtes Anliegen. Der Essig enthält die natürlichen Mikroorganismen, die den Startprozess überhaupt erst möglich machen. Ich mische, wenn ich ohne Essigmutter arbeite und eine züchten möchte, Bio-Apfelessig mit Wein im Verhältnis 1:1 in einem sauberen Glasgefäß.

Das Gefäß decke ich mit einem atmungsaktiven Tuch ab, damit die Essigsäurebakterien Sauerstoff bekommen, aber keine Verunreinigungen hineingelangen. Nach einigen Wochen bildet sich die geleeartige Schicht an der Oberfläche, auf die wir warten: die neue Essigmutter. Bei Zimmertemperatur wächst sie zügig.

Ich prüfe gelegentlich den Geruch. Also nicht täglich, sondern vielleicht alle 10-14 Tage mal. Es sollte säuerlich riechen, auch fruchtig, typischerweise auch nach Lösemittel. Nicht faulig.

Wenn der Essig klar ist und angenehm sauer schmeckt, kann ich ihn abgießen und die Mutter für einen neuen Ansatz verwenden.

Weiterführend: Detaillierte Hinweise zur Säurewirkung und Naturpflege finden sich auch im Buch Apfelessig neu entdeckt* von Annette Sabersky.

Essigmutter kaufen

Wenn du keine Geduld hast und dich unsicher fühlst, aber dich ins Experiment wagen willst, kannst du eine fertige Essigmutter kaufen. Diese ist meist aus Wein- oder Apfelessig gezüchtet und sofort einsatzbereit.

Erfahrung damit hab ich allerdings keine, sorry, denn es ist einfach zu easy, die Essigmutter selbst anzusetzen.

Essigmutter aus vorherigem Ansatz gewinnen

Die Mutter entnehme ich in der Regel aus einem früheren Essigansatz. Andere trennen wohl vorsichtig von einer Essigmutter aus laufender Essigproduktion ein Stück ab und fügen es einem neuen Ansatz hinzu.

In meinen Essigherstellungsgläsern finden sich meist mehrere Essigmuttern übereinander, denn bei leichter Bewegung des Glases sinkt die Mutter oft ab und eine neue bildet sich an der Oberfläche. Die oberste schöpfe ich manchmal ab, um sie anderweitig zu nutzen.

So vermehre ich meine Kultur dauerhaft.

Eine alte, gesunde Essigmutter kann über viele Jahre aktiv bleiben, solange sie regelmäßig frisches Substrat bekommt.

Vielleicht hast du schonmal Kombucha gesehen, und zwar während des laufenden Prozesses. Ziemlich ähnlich sieht auch eine Essigmutter raus.

Und zur Sicherheit nochmal die Info: Ich verwende nur saubere Gläser, keine Gefäße aus Metall, da Metall wohl die Bakterien schädigen kann. Zum Abseihen nutze ich ein sehr feines Sieb aus -ausnahmsweise- Plastik, das ich aus dem Haushalt meiner Eltern übernehmen durfte. Hätte ich das nicht, würde ich vermutlich mit einem Abseihtuch / Mulltuch aus Bio-Baumwolle arbeiten.

Essigmutter aufbewahren und wiederverwenden

Bei Pausen in der Produktion bewahre ich meine Essigmutter in einem kleinen Glas mit etwas Essig und Wein auf. Das Glas fülle ich nur 1/3 bis 1/2 auf, damit weiterhin wenigstens ein bisschen Sauerstoff zur Verfügung steht. Deckel drauf, ausnahmsweise. In einem wärmeren Bereich des Kühlschranks traue ich mich dann, die Essigmutter zu parken.

Andere zwischenlagern ihre Essigmutter wohl auch an einem kühleren, dunklen Ort außerhalb des Kühlschranks. Das habe ich noch nicht ausprobiert, würde es aber durchaus tun. Dann allerdings mit Mulltuch drauf statt Deckel, und mehr Proviant, also mehr Flüssigkeit, aus Essig, Wein und Wasser in gleichen Teilen gemischt. Du merkst: Das entspricht eigentlich einer Essigproduktion.

Wichtigste Erkenntnis: Essigmütter brauchen eigentlich kein Zwischenparken. Sie machen sowieso langsam und kontinuierlich ihre Arbeit. Nutze das Zwischenparken doch einfach als neue Etappe der Essigproduktion, dann musst du dir übers „richtige Parken“ keine Gedanken machen.

Gute Pflege verlängert nicht nur die Lebensdauer der Essigmutter, sondern sie hat den Effekt, dass du im Endeffekt unendlich lange deine Essigkultur am Start hast. Verrückt, oder?

Ich achte darauf, dass sie nicht austrocknet, und halte die Oberfläche sauber, indem ich das Gefäß mit einem Mulltuch abgedeckt halte. Manchmal bewege ich das Glas ganz leicht, sodass die Oberfläche etwas überspült wird.

Mit dieser einfachen Routine kann ich voraussichtlich über Jahre hinweg hochwertigen Bio-Weinessig oder andere Essigarten herstellen, ohne zusätzliche Zusätze oder Konservierungsmittel.

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