Nicole von Biotopica Farm verrät uns ihr Rezept für fruchtbaren Boden

Nicole führt als Selbstversorgerin für sich, ihre Familie und die zur Farm gehörenden Tiere einen Permakultur-Hof. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilt sie auf ihrem lesenswerten Blog Biotopica Farm.

Darüber, wie man den eigenen Boden fruchtbar macht und hält, weiß sie genau Bescheid. Es ist kein Wissen um kurzfristige Erfolge wie in der konventionellen Landwirtschaft und teilweise auch in durchschnittsdeutschen Gärten. Ihr geht es darum, das gute Leben im Boden langfristig zu fördern.

Lest selbst, lernt und lasst euch inspirieren!
Liebe Nicole, Danke für das Interview!

Wie beschreibst du deine Mission, die du mit deinem Blog verfolgst?

Für mich ist es wichtig den Menschen Mut zu geben in die Selbstversorgung zu gehen. Man braucht nicht viel Geld, um einen Bauernhof aufzubauen. Man braucht nur viel Geld, um einen Bauernhof innerhalb weniger Monate aufzubauen.

Wir haben als arme Studenten angefangen und sind alles langsam angegangen. Wir haben unsere Ställe aus recycelten Materialien gebaut, wir haben Saatgut gesammelt und Ableger von Pflanzen gemacht. Wir wurden nur kreativer wenn uns die Mittel gefehlt haben. Man braucht noch nicht einmal ein Grundstück zu kaufen, um einen Selbstversorger-Hof zu erschaffen, auch wir mieten günstig unseren Hof und das reicht uns.

Die meisten Menschen unterschätzen, wie viel Geld man sparen kann, wenn man seine Lebensmittel selber produziert und mit den richtigen Techniken braucht es auch nicht viel Zeit oder einen großen Arbeitsaufwand. Als Mutter von zwei Kleinkindern kann ich nicht viel im Garten schaffen, deshalb versuche ich Lösungen zu finden, die es mir erlauben mit wenig Arbeitsaufwand und Zeit ein Leben auf dem Land zu ermöglichen.

Zeit, Geld und Arbeit im Garten zu sparen sind die Hauptthemen auf meinem Blog, vermischt mit einem guten Schuss Motivation, persönlicher Erfahrung und der Liebe zur Natürlichkeit.

Was macht dich, deinen Garten und deinen Blog aus?

Ich denke, eine Besonderheit ist wohl, dass meine Tiere mit mir zusammenarbeiten und unsere gesamte Farm in einen Ort der Fülle verwandeln. Bei uns hat jedes Tier seine Aufgabe.

Die Hühner dämmen die Verbreitung von Schnecken, Zecken und anderen Insekten ein, während sie die Weide von unseren Ziegen und Schafen belüften. Die Gänse halten unseren Rasen kurz und sind gute Wächter. Die Wachteln sind ideal um das Gewächshaus von übermäßigen Insektenbefall zu schützen, denn sie essen keine Nachtschattengewächse, die dort wachsen. Unsere Hühner, Gänse und unser Hund bewegen sich frei auf unseren Hof.

Unser Hund schützt die Tiere vor Füchse, Raubvögel und Mader, aber auch Wölfe im umliegenden Wald schreckt er ab. Die Ziegen und Schafe kommen bei uns zum Einsatz, wenn Flächen vollkommen von der Natur überwuchert wurden. Sie fressen den Übertrieb ab, damit neue Vegetation wieder Platz gegeben wird. Diese tierischen Arbeiten verbinden wir nebenbei noch mit der Aufzucht von seltenen Nutztierrassen. Leider fehlt uns noch ein Schweine-Pärchen, das den Boden umgräbt, aber alles zu seiner Zeit.

Unsere Tiere haben ihre Aufgaben und ich denke, dass eine Aufgabe zu haben sehr erfüllend für ein Lebewesen ist. Dass der Mist von unseren Tieren der ideale Dünger für die Beete ist, brauche ich wohl kaum noch zu erwähnen.

Bei uns greift alles ineinander und ergibt einen Sinn, das ist das Besondere unseres Bauernhofes, welches ich gerne vielen Menschen nahelegen möchte.

Was ist dein Geheimrezept für fruchtbaren Boden?

Mein Geheimrezept besteht aus mehreren Zutaten und ihrem Zusammenspiel im Boden. Ich liste euch diese Komponenten einfachheitshalber mal auf, damit man den Überblick bewahrt. Ein fruchtbarer Boden entsteht durch mehr Geben als Nehmen. Gib dem Boden mehr, als dass du ihm entnimmst, aber bitte nur rein natürliche Materialien.

Kompost

Reichlich Grünmaterialien, wie Küchenabfälle, Rasenschnitt, Pflanzenmaterial, Totholz und Laub wird zu Kompost zersetzt und findet seinen Platz auf unsere Beete. Für das Wenden des Kompostes, damit dieser gut belüftet wird, sind unsere Hühner zuständig.

Mist

Auf einem Bauernhof fällt reichlich Mist an. Unsere Tiere sind der Schlüssel zu gesunden Pflanzen. Ohne sie wäre eine Selbstversorgung mit Obst und Gemüse nicht möglich.

Organismen

Ich bemühe mich den Boden feucht, aber nicht nass zu halten um ein günstiges Milieu für Wurzelwachstum und Regenwürmer zu erschaffen. Mit einer konstanten Decke von Mulchmaterialien, wie Heu, Stroh, Rasenschnitt oder Pflanzenabfälle schütze ich den Boden vor Wasserverlust und erspare uns das ständige Gießen im Sommer.

Pilze

Lassen sich unmittelbar nach sehr feuchten 18-21 Grad warmen Tagen blicken. Das Myzel ist ein Informationsbeschleuniger für Pflanzen und Bäume untereinander und somit auch an ihrem Wachstum beteiligt. Ein gesundes Ökosystem benötigt Pilze.

Mikroorganismen

Wir lockern den Boden nur minimal damit nicht zu viele Mikroorganismen in der Erde von Sonnenlicht, Wind- und Wettereinflüssen zersetzt werden. Pflanzen brauchen die Vielfalt in ihrer Lebensumgebung, denn jede Pflanze ist unterschiedlich und nimmt sich das aus dem Boden, was sie benötigt.
Dieses Jahr werden wir auch EM’s, sogenannte Effektive Mikroorganismen für die Bodenverbesserung verwenden. Zusammen mit Beigaben von Brennnesseljauche und Wurmkompost setzen wir auf natürlichen und selber herzustellenden Düngemittel. Da wir auf eine Farm gezogen sind, die vorher landwirtschaftlich genutzt wurde, bringen wir so viele gute Organismen wie nur möglich in den ausgelaugten Boden, damit dieser zu einem Schlaraffenland für unsere Pflanzen werden kann.

Und ganz konkret: Welche drei Aspekte im Bezug auf den Umgang mit dem Boden sind für dich die wichtigsten?

1. Gehe mit dem Boden um, als ob er ein eigenständiger Organismus wäre der fühlt und erlebt.

Der Erdboden ist die Haut der Erde. Wenn du ihn alljährlich mit aggressiven Gerätschaften bearbeitest, wird er seine Fruchtbarkeit verlieren und austrocknen. Wir bearbeiten den Boden nur minimal oder graben ihn gar nicht um. Charles Dowding, ein fabelhafter englischer Gemüsegärtner, erzielt mit der No-Dig, Nicht- Umgrabe-Methode, außergewöhnliche Ergebnisse und diese Methode verwenden wir auch auf unserer Farm. Das Gemüse wucherte nur so, obwohl man sich das Umgraben erspart hat. Auch bei der Bodenbearbeitung ist weniger oft mehr.

2. Gib ihm nur das, was ihm gut tut

Für mich sind das ausschließlich natürliche Stoffe, die ihren Ursprung auch wieder in natürliche Stoffe haben. Zum Beispiel zählt der Dung einer Kuh, die mit genmanipulierten Futtermittel gefüttert wurde nicht dazu, denn die Giftstoffe, die die Kuh ausscheidet gehen direkt in die Erde und verunreinigen diese. Wir achten genau darauf, dass unsere Tiere nur selbst angebautes Futter oder biozertifizierte Futtermittel erhalten. Alle Kreisläufe sind verbunden, das sollte man sich immer vor Augen haben.

3. Arbeite für den Boden, nicht gegen ihn.

Du wirst ihm niemals das zurückgeben können, was er dir schenkt und in Zukunft an Nahrung schenken wird. Damit die Nährstoffe nicht völlig von den Pflanzen absorbiert werden, gebe ich massenhaft Grünmaterial, Kompost oder abgelagerten Mist zur Unterstützung dazu. Ein Boden sollte niemals kahl und unbedeckt sein, dadurch wird er für die Wettereinflüsse zu anfällig und trocknet aus. Ich versuche immer mehr zu geben, als dass ich nehme. Verdorrte Pflanzen bringe ich in den Boden wieder ein oder ersetze abgeerntete Pflanzen mit anderen Grünmaterialien. Orientiere dich an einen unberührten Wald, dort fegt niemand das Laub weg, sondern es wird auf natürliche Weise zersetzt.

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