Nähen: 5 Wege, wie dein geliebtes DIY-Hobby nachhaltiger wird [und warum es bereits nachhaltig ist]

Du bist Selbermacher_in und im DIY-Fieber? Du nähst Kleidung, Equipment, Wohntextilien? Verkaufst vielleicht sogar bei DaWanda oder Etsy? Total toll!

Mit dem Nähen erreichst du bereits sehr viel: Dein Slavery Footprint schrumpft. Denn du lässt keine Näherinnen in elender Arbeitssituation in Bangladesh oder anderswo für dich schuften.

Wie kann‘s noch nachhaltiger werden, das Nähen?
Fünf Punkte aus meiner Erfahrung.

Kaufe nur GOTS-zertifizierte Stoffe

GOTS steht für Global Organic Textile Standard. Mehr zu diesem Thema und genauere Infos zu Öko-Stoff-Zertifizierungen findest du im Artikel Wie du dich gegen die elenden Zustände in der Textilien-Branche wehrst.

Für deine Passion, das Nähen, findest du Stoffe online zum Beispiel bei Meterwerk oder Siebenblau. Beide sind toll, da sie konsequent auf Öko achten.

Meterwerk ist mir aktuell am sympathischsten. Es gibt einen Laden in Augsburg. Der Shop führt auch die großartigen Schnittmuster von minikrea aus Dänemark. Baby- und Kinderkleidung zum Verlieben!

Siebenblau war vor vielen Jahren der erste Anbieter mit Bio-Stoffen, den ich entdeckt habe. Es gibt eine breite Palette an Waren, auch hübsche Spitzenbänder, erscheint mir aber etwas teurer. Es gibt einen Laden in Berlin (Prenzlauer Berg natürlich, gentrification case?). Siebenblau selbst ist GOTS-zertifiziert.

Auch bei Lillestoff habe ich schon langlebigen, strapazierfähigen, schönen Öko-Stoff gekauft. Ein Teil des Sortiments ist nicht GOTS-zertifiziert, angeblich „trotzdem aber nachhaltig produziert“. Das ist ziemlich nichtssagend und führt dazu, dass ich Lillestoff nur eingeschränkt weiterempfehlen möchte. Grund: Es ist verlockend, gleich noch von diesem oder jenem hübschen, aber leider nicht GOTS-zertifizierten Stoff mitzubestellen, wenn man ohnehin schon bestellt.

Nach Herzenslust stöbern und vor allem direkt anfassen kann ich Öko-Stoffe inzwischen hier in Stuttgart bei Stoff-Ideen in der Sophienstraße. Ein ziemlich großer Stoffladen, ganz klassisch mit -leider- konventionell produzierter Ware. Mittendrin, wie eine Insel für mich, ein Regaltisch mit einer tollen Auswahl an unterschiedlichen Stoffen von C. Pauli, neben Jersey und Standard-Webware auch Bündchenstoffe und Frottee.

Verwende keine Stoffe mit Elasthan und anderen Kunstfasern auf Erdöl-Basis

Ausgediente Textilien gebe ich am liebsten in den Kompost im Garten. Der beste Müll ist der, aus dem die Regenwürmer und Mikroorganismen frische, gute Erde machen, finde ich. Baumwollstoffe und Schurwollprodukte sind für diese Kreislaufwirtschaft prädestiniert.

Vorausgesetzt, es ist keine Kunstfaser auf Mineralölbasis enthalten. Wenn du die auf den Kompost gibst, produzierst du dir deine eigene Mikroplastik-verseuchte Erde. Muss nicht sein.

Mehr dazu, welche Textilfasern ich in meinen Kleiderschrank lasse und warum erfährst du hier.

Verwende Baumwollgarn statt des Polyester-Standardfadens

Plastikfrei beim Nähgarn? Geht! Das Garn Scanfil bio ist aus 100% Bio-Baumwolle, GOTS-zertifiziert und -als zusätzliches Schmankerl- auf eine Spule aus Holz statt Plastik gewickelt. Leider ist die Homepage des niederländischen Herstellers Forbitex super alt, Infos zum Garn findet man in deutschen Händler-Webshops.

Scanfil bio ist etwas weniger reißfest als Polyester-Nähgarn. Wer mit der Overlock näht, sollte keinen Unterschied merken. Ich bekomme mit normaler Nähmaschine und Zwillingsnadel oder Zick-Zack-Stich eine dehnbare Naht auch mit diesem Garn sehr gut hin.

Vorteilhaft ist bei Scanfil bio außerdem, dass du alle Reste und irgendwann auch das Kleidungsstück bedenkenlos auf den Kompost geben kannst. Bei Polyestergarn hättest du dir so Plastik in die wertvolle Gartenerde geholt.

Wähle deine Werkzeuge mit Bedacht

Überlege gut, ob und welche Nähmaschine du dir zulegst. Muss es unbedingt eine eigene, neue Overlock sein? In vielen Haushalten stehen Nähmaschinen und Overlocks im Dornröschenschlaf im Schrank. Hör dich um, bestimmt findest du Freunde oder Freundesfreunde, die dir ihre Maschine für eine Weile leihen. So kannst du testen, was dir taugt, und vermeidest Fehlkäufe.

Welche Werkzeuge nutzt du wirklich gerne? Welche nerven dich? Finde es heraus, BEVOR du kaufst!

Früher war alles besser, also: Re-Use

Zu den Werkzeugen zählen auch Nadeln, Stoffschere, Maßband, Lineale etc. All das gibt‘s heute für relativ wenig Geld zu kaufen. Leider ist vieles davon so kurzlebig wie der Preis klein ist. Das meiste Neue steckt erst mal in einer Plastik-Umverpackung zum Wegwerfen. Und wer stellt diese ganzen Sachen überhaupt her? Unter welchen Arbeitsbedingungen?

Darum: Hat nicht die Oma noch eine Best-Quality-Stoffschere aus der guten, alten Zeit, die sie nicht mehr braucht? Oder findet sich gar ein Stoff-Schätzchen auf Tante Helgas Dachboden?

Re-use-n, Wiederverwenden ist angesagt. Und macht gerade beim Nähen furchtbar Sinn, denn früher war die Qualität der Dinge tatsächlich oft besser als heute.

Ich bin sicher: Dein Werkzeug ist bereits ganz in deiner Nähe. Du musst es nur aufspüren. Viel Erfolg dabei!

So wird dein Kleiderschrank nachhaltig

Es wird Zeit: Mach deinen Kleiderschrank nachhaltig. Entscheide dich jetzt für eine Garderobe, die du liebst und die okay ist für die (Um)Welt.

Du gewinnst dadurch Zufriedenheit und ein gutes Gewissen, spürst ein Glücksgefühl beim täglichen Ankleiden, und verbesserst nebenbei deine Ökobilanz.

Jedoch, sei gewarnt, das funktioniert nicht über Nacht. Los geht’s in vier Schritten:

  1. Ausmisten
  2. Besinnen
  3. Garderobe ergänzen
  4. Garderobe klar halten

Und warum verbessert das Ganze nun meine Ökobilanz?

Viel Spaß beim Weiterentwickeln deines Kleiderschranks!

Ausmisten

Gib Ressourcen frei. Kleidung, Schuhe und Accessoires, die du nicht oder nicht gern benutzt, könnten anderswo ein sinnvolleres Dasein finden. Ich meine:

  1. Kleidung ist viel zu schade, als dass sie ungenutzt in Schränken oder an Garderoben im Dornröschenschlaf versteckt sein sollte.
  2. Unsere Wohnräume sind viel zu schade, als dass wir sie mit Dingen blockieren sollten, die wir entweder nicht mögen oder einfach nicht nutzen.

Am besten hilft ein Befreiungsschlag à la Kondo* : Alle Kleidungsstücke zusammentragen (ALLE!) und einzeln in die Hand nehmen. Stück für Stück. Dabei wirst du spüren, was los ist mit jedem Einzelteil. Das Eine bleibt, das Andere möchte anderswo eine neue Nutzung finden, das Nächste wird vielleicht entsorgt.

Bei mir sah das so aus – und auf dem Foto ist noch längst nicht alles zu sehen…

Mir half beim Aussortieren vor allem der Gedanke, dass ich auf dem Weg bin zu einer Garderobe, die mich glücklich macht  🙂

  • Weg mit allem, was negativ assoziiert ist.
  • Weg mit allem, was dir maximal ein Schulterzucken entlockt – Es sei denn, es ist die letzte noch übrige lange Hose.

Sonderfall: Kleidungsstücke, die du nicht trägst, an denen aber wunderschöne Erinnerungen hängen. Und die deshalb einfach (noch) nicht weg können. Gibt’s die bei dir auch? Im Kleiderschrank haben diese Teile -finde ich- nichts zu suchen. Ich habe meine daher in eine separate, kleine Erinnerungskiste gepackt.

Ideen, wie du deine aussortierten Teile los wirst, ohne damit den Restmüll zu belasten, findest du in meinem Beitrag So wirst du deinen Kram los: 13 Alternativen zur Mülltonne.

Besinnen

Durchsortiert? Super, herzlichen Glückwunsch!!

Das Wiedereinräumen deines Schranks fällt dir jetzt sicher leicht. Genieße die Klarheit in vollen Zügen – yes.

Das ist wichtig, um die Klarheit auch in Zukunft aufrecht erhalten zu können. Beim nächsten Durchstöbern des Secondhand-Stores, des öko Versand-Katalogs oder des OnlineShops mit öko-fairer Kleidung sollte in deinem Gehirn von ganz allein ein PopUp-Fenster erscheinen mit deiner frisch überarbeiteten, sich leicht anfühlenden Kleidungsauswahl.

Vielleicht nutzt du die Gelegenheit und schaust dir etwas genauer an, was du nun noch besitzt.

  • Welche Farben sind da?
  • Ist die Auswahl eher monochrom, bunt, gemustert?
  • Welche Stoffarten siehst und fühlst du?
  • Welcher Style ist zu erkennen?

Und ganz wichtig: Fehlt etwas? Muss die Auswahl vervollständigt werden? Möchtest du dich in eine bestimmte Richtung entwickeln (abgesehen vom Aspekt “öko & fair”)?

Vielleicht bringt dir die Beschäftigung mit der momentan ziemlich gehypten Capsule Wardrobe für deine zukünftige Garderobe noch einige tolle, neue Gedanken. Empfehlen kann ich dafür un-fancy.com, von hier stammt auch folgendes Zitat:

What is a capsule? […] It’s a mini wardrobe made up of really versatile pieces that you LOVE to wear.

Ehrlich gesagt, ist meiner Erfahrung nach mit dem Aussortieren schon das Allermeiste geschafft.

Garderobe ergänzen

Nach dem Ausmisten und Besinnen kommt er ganz bestimmt irgendwann wieder, der Punkt, an dem du dir neue Kleidungsstücke ins Haus holen möchtest. Ich schreibe nicht einfach “kaufen möchtest”, denn das begrenzt deine Möglichkeiten auf ein nicht-okayes Maß.

NICHT NEU

Gibt es Kleidung, die anderswo Schränke verstopft, aber für dich perfekt wäre? Über SecondHand-Läden, Tausch-Veranstaltungen mit Freunden oder öffentlich, über Kleiderkreisel, entsprechende Facebook-Gruppen oder oder oder hast du gute Chancen fündig zu werden. Und gibst als Bonus weniger Geld aus als bei einem Neu-Kauf.

Gehe den Weg rückwärts: Wie bist du deine nicht mehr benötigten Kleidungsstücke losgeworden? Hast du vielleicht Familie oder Freunde beschenkt? Über eBay-Kleinanzeigen oder über einen SecondHand-Laden in deiner Stadt verkauft? Finde weitere Ideen im Artikel So wirst du deinen Kram los.

Veranstalte deine eigene Tauschparty mit Freunden mit ähnlicher Konfektionsgröße. Vorteil: Viele deiner Freunde bewegen sich in einem ähnlichen “Milieu” wie du selbst, sodass auch die Art der Kleidung nicht allzuweit auseinanderliegt. Hippie, Business, SuperChic – Jedem das Seine.

Sei kreativ! Da draußen schlummern Unmengen an ungenutzter Kleidung. Vielen Leuten geht es ähnlich wie dir. Man muss nur irgendwie zusammenfinden. “Vorhandene Potenziale nutzen” – Eine Weisheit, die mir in der Permakultur vor vielen Jahren erstmals begegnete.

NEU

Achte beim Einkauf neuer Kleidung auf anerkannte Zertifizierung. Mir ist das GOTS-Siegel am liebsten. Baumwolle sollte im Etikett mit kbA (kontrolliert biologischer Anbau) und Schurwolle mit kbT (kontrolliert biologische Tierhaltung) gekennzeichnet sein.

Viele Kleidungsstücke sind ganz oder teilweise synthetisch. Auch in der Kleidungsbranche spielt Plastik eine große Rolle! Und oft merkt man’s erst beim Blick auf das Etikett.

Das Problem:

  • Einerseits verlieren die Kleidungsstücke bei jedem Waschgang feinste Fasern, die mit dem Abwasser in die Welt gelangen und sich fröhlich überall hin verteilen.
  • Andererseits müssen die Kleidungsstücke irgendwann entsorgt werden. Was geschieht dann mit dem Plastik?

Wie toll wäre es, ausrangierte Kleidung guten Gewissens einfach auf den Kompost werfen zu können?

Ganz besonders nervig finde ich Mischfasern. Die gute, alte Stricksocke von Oma zum Beispiel: mit Liebe gefertigt aus Sockenwolle. Ja, Wolle. Nur leider verbirgt sich dahinter meist eine Mischung aus Schafswolle und einer Synthetikfaser auf Erdölbasis, wie Polyester oder Polyamid. Was geschieht damit, wenn die Socken irgendwann durch sind?

Reine Ansagen sind mir da lieber: Omas Socken aus reiner Schafswolle zum Beispiel – natürlich kbT. Und jetzt zurück zum Thema – Wie du deinen Kleiderschrank nachhaltig machst.

Bezugsquellen und Hersteller von Kleidung, die ich aus eigener Erfahrung kenne und empfehlen kann, trage ich laufend in meinen Empfehlungen + Ressourcen zusammen.

Online findet man inzwischen sehr viel Öko-Ware.

Wem die Online-Bestellerei auf die Nerven geht und lieber direkt anfasst und anprobiert, was man später am Leib trägt, findet in der eigenen oder nächstgrößeren Stadt möglicherweise entsprechende Läden.

Neben den Läden mit Nur-Öko-Sortiment gibt es auch viele Läden, deren Sortiment zumindest teilweise aus ökozertifizierter Ware besteht. Diese findet man, indem man online nach Herstellern von Öko-Kleidung sucht, die einem gefällt, und dort telefonisch oder per Mail anfragt, wo in der Nähe des eigenen Wohnorts deren Kleidung zu kaufen ist.

Abschließend kompakt zusammengefasst:

  • Etikett prüfen: Steht da kbA oder kbT und das GOTS-Zeichen?
  • Ist das Kleidungsstück langlebig?
  • Vermeide synthetische Gewebe auf Erdölbasis.
  • Vermeide Mischgewebe mit Synthetikanteil.
  • Mach dich auf die Suche nach Anbietern, die Klamotten DEINES Styles “in öko” anbieten.

Weitere Hinweise findest du in meinem Artikel Wie du dich gegen die elenden Zustände in der Textilien-Branche wehrst und in Empfehlungen + Ressourcen.

Garderobe klar halten

Es ist einfacher, wenige Dinge gut zu pflegen, als viele gleichzeitig.

Blick in den Kleiderschrank
Bei mir sieht es derweil so aus: Im Schrank eine Reihe wie auf dem Foto, schwarze Socken lose, eine Box mit Strumpfhosen, Leggins, warmen Socken, separat Unterwäsche. Auf Kleiderbügeln an einer frei hängenden Stange außerdem Jacken, einige Oberteile und aktuell genutzte, aber noch nicht waschreife Kleidungsstücke.

Der Besitz von nur wenigen Dingen verhindert, dass man den Überblick verliert. Es verhindert außerdem, dass sich beim Einen Ressourcen anstauen, die beim Anderen besser oder überhaupt genutzt werden könnten.

Bleib im Fluss: Lass los, was du nicht brauchst.
Für einen klaren Blick auf das wirklich Wichtige.

Marie Kondo: Magic Cleanding. Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändertMir war und ist Marie Kondos Buch* eine sehr große Hilfe. Ganz besonders die wiederkehrende Frage: Macht mich das glücklich? Wenn nicht, kann’s weg. Wie radikal man das am Ende durchzieht, ist vermutlich eine Frage der Persönlichkeit und Lebenssituation. Ich bin gespannt auf deine Erfahrung!

Und warum verbessert das Ganze nun meine Ökobilanz?

  • Du hast schlafende Ressourcen wieder in Umlauf gebracht, indem du dich von nicht mehr genutzten oder ungeliebten Kleidungsstücken getrennt hast.
  • Du kurbelst mit dem Neukauf von ökozertifizierten Kleidungsstücken eine Art der Landwirtschaft an, die zu vertreten ist: pestizidfrei, tierfreundlicher, sozialer etc.
  • Du kaufst gezielter ein und vermeidest damit unnötige Warenproduktion, indem du an der Stellschraube Nachfrage/Angebot drehst.

Wie gehst du mit dem Thema nachhaltiger Kleiderschrank um? Was sind deine Erfahrungen? Kommentiere gerne deine Tipps!

Sonnige Grüße,
eure Kerstin

 

Entscheide dich jetzt für eine Garderobe, die du liebst und die okay ist für die (Um)Welt. LANA - Laboratorium für Nachhaltigkeit
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Mach deinen Kleiderschrank nachhaltig!

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* Dies ist ein Affiliate Link für einen meiner Meinung nach empfehlenswerten Shop oder Artikel. Ich schreibe meine Texte unabhängig und frei aufgrund meiner persönlichen Erfahrung. Nur an wirklich passenden Stellen setze ich einen solchen Link. Dabei achte ich sehr darauf, dass Produkt- und Unternehmensqualität meinen Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht wird. Für dich hat ein Klick keine Auswirkungen. Für mich springt evtl. eine kleine Entlohnung für meine Arbeit raus, eine goldene Nase verdiene ich mir nicht. Kennst du buch7.de, den Buchhandel mit der sozialen Note? Das ist DIE Alternative zu Amazon. Ganz nebenbei unterstützt du mit deinen Einkäufen soziale und ökologische Projekte.

So wirst du deinen Kram los: 13 Alternativen zur Mülltonne

Dinge zu verschenken vor dem Haus

Der Minimalismus greift um sich – die neue Leichtigkeit. Hat’s dich auch erwischt? Wer ausmistet, gibt schlummernde Ressourcen frei. Ein ultra wichtiger Schritt auf dem Weg in ein nachhaltiges Leben.

Seit über einem Jahr arbeite ich an der Idee, unseren Haushalt auf Lieblingsdinge und wirklich Notwendiges zu reduzieren.

Zwar bin ich nicht zur Hardcore-Minimalistin geworden und habe mich auch nicht von 90 Prozent meiner Besitztümer getrennt. Aber:

Wie frei und licht unsere Wohnung und das Gartenhaus sein können, verblüfft mich immer wieder aufs Neue.

Sich von Besitztümern zu befreien heißt, sie zu entsorgen, sich zu ent-sorgen, sich der Sorge um sie zu entledigen. Gleich nach dem Ausmisten stellt sich jedoch eine neue Frage:

Wohin mit dem ganzen Zeug?

Kram loszuwerden ist nachhaltig, weil du Ressourcen freigibst. Wohin damit? 13 Wege.
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Wegschmeissen vs. weitergeben

Wegschmeißen ist einem ja oft zu schade, auch wenn Ausmist-Guru Marie Kondo in ihrem Bestseller Magic Cleaning* dafür plädiert.

Gut so! Denn Vieles kann -von anderen Menschen, in anderen Haushalten- weiter genutzt werden. Das bedeutet mehr Nachhaltigkeit sowohl im eigenen Leben als auch im Leben des Weiternutzers.

Die Nachfrage nach neu produzierten Gegenständen sinkt, wir sparen uns die dafür notwendige Energie und Ressourcen.

Es fällt kein Müll an und es muss keine Energie dafür aufgebracht werden.

Wie bringe ich nun meine Sachen an den Mann/ an die Frau? Hilfreich sind folgende Fragen vorab:

  • Will ich verschenken oder verkaufen?
  • Welchen Aufwand möchte ich betreiben?
  • Möchte ich bzw. ist es mir möglich, die Dinge irgendwo hin zu bringen?
  • Innerhalb welcher Zeit möchte ich den Kram loswerden? Setze ich mir eine Frist?

Mein großer Favorit ist das Vor’s-Haus-Stellen mit einem Schildchen “zu verschenken” dabei.

Welche unterschiedlichen Möglichkeiten ich getestet oder entdeckt habe, findest du nachfolgend:


Dinge verschenken

“zu verschenken” vor’s Haus

Das ist wohl die einfachste Lösung. Hier in der Stadt funktioniert das wunderbar. Wir erleichtern uns gerne auf diese Art, weil’s so schnell geht. Sachen vor dem Haus bereitstellen, “zu verschenken”-Zettelchen dazu, fertig.

Wichtig: Keinen Ramsch-Laden draus entstehen lassen, Übriges (inkl. Zettel) nach einem Tag wegräumen.

Dinge zu verschenken vor dem Haus
Ein paar Dinge zu verschenken vor dem Haus. Bis auf den Kalender hinten links und zwei Kleinigkeiten wurde alles von Passanten mitgenommen. Quasi keine Arbeit, fast alles in neuen Händen: Mission erfüllt.

Ein gewisser Passantenstrom ist natürlich Voraussetzung, damit diese Variante funktioniert. In der Stadt ist das normalerweise kein Problem.

“Free your Stuff”-Gruppen online

Über Facebook-Gruppen wie “Free your stuff Stuttgart oder “Fairteiler Stuttgart” geht’s auch super easy, alles Erdenkliche loszuwerden (sogar eine angebrochene Packung Stevia-Süßungszusatz hat jemand bei mir abgeholt).

Foto machen, in der Gruppe posten, auf Abholung warten, fertig.

Tipp: Nicht immer wieder Einzelnes einstellen, sondern auf einen Schlag Vieles. Abholzeiten bündeln! Sonst bist du ständig am Texten und Abwarten, wann wer zum Abholen kommt, das kann schnell nerven.

Fairkauf

Secondhand-Kaufhäuser gibt es in größeren Städten meist mehrere. Es gibt unterschiedliche Bezeichnungen, in Stuttgart-Feuerbach gibt’s zum Beispiel den Fairkauf. Man findet diese “Kaufhäuser” über die Betreiber, häufig Caritas oder Diakonie.

Man spendet die Ware ans Kaufhaus, dort wird alles gesichtet, ggf. aufbereitet, und für wenig Geld weiterverkauft.

Es handelt sich häufig um Sozialunternehmen, bei denen Menschen angestellt werden, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine oder kaum Chancen haben.

Vorteil 1: Es wird alles Mögliche angenommen, man kann also auch unsortierte Kartons mit noch brauchbaren Sachen abgeben.

Größere Mengen an Sachen kann man häufig sogar abholen lassen.

Achtung: Sachen abgeben kann man während der Öffnungszeiten. Der Fairkauf in Stuttgart hat allerdings SAMSTAGS geschlossen. Sachen einfach abstellen sollte man nicht.

Einrichtungen für Obdachlose

Spenden kann man auch an Einrichtungen für Obdachlose. Die Wärmestube der eva in Stuttgart-Mitte ist ein Beispiel, auch unter “Suppenküchen” wird man online fündig.

Tipp: Einfach mal anrufen, was benötigt wird.

Einrichtungen und Freundeskreise für Flüchtlinge

Wie beim Punkt zuvor: Am besten online Anlaufstelle finden und nachfragen, was aktuell gebraucht wird. Meist gibt’s gerade von der einen Sache genug (vielleicht Sommerkleidung), dafür fehlen von einer anderen Sache sehr viele (vielleicht warme Schuhe).

Als Beispiel für Stuttgart hier der Link zum Freundeskreis Flüchtlinge Stuttgart-West. Gibt’s auch in vielen anderen Städten und Stadtteilen.


Dinge verkaufen

Eine super Sache wäre das, wenn man für die aussortierten Dinge nicht nur Leichtigkeit und Freiheit dazugewinnen, sondern auch Geld verdienen könnte.

Mit vielen Gegenständen funktioniert das auch.

Sei aber gewarnt: Oft ist es ganz schön aufwändig, Sachen zu verkaufen! Das Anbieten von Ware (ver)braucht Energie und Zeit – vom Einstellen möglichst guter Bilder im Internet bis zum Füße-in-den-Bauch-Stehen auf echten Flohmärkten.

Überlege dir gut, ob du darauf Lust hast oder deine Zeit nicht mit anderen Dingen füllst. Vielleicht entdeckst du jedoch eine neue Lieblingsbeschäftigung, wer weiß. Beispielsweise Flohmärkte als Events haben durchaus ihren Reiz!

Wöchentliche Flohmärkte

Immer wieder anvisiert, niemals im Großen umgesetzt: die Idee, an einem einzigen Tag alles Aussortierte auf einen Flohmarkt zu bringen und möglichst viel davon zu verscheppern.

In Stuttgart gibt es wöchentlich den Markt am Karlsplatz. Man erhält morgens vom Marktwart einen Platz zugeteilt. Online findet man als Interessierte/r ein entsprechendes Formular. Bezahlt wird per Laufmeter Stand.

Flohmarkt-Events:
Frühjahr/ Herbst

Eine Freundin macht regelmäßig sehr gute Erfahrungen beim Frühjahrs- bzw. Herbstmarkt – will heißen: Sie bekommt große Mengen an Aussortiertem in relativ kurzer Zeit verkauft.

Als Verkäufer muss man im Vorhinein Tickets buchen. Der Andrang ist wohl recht groß, Tickets gibt es schon mit 2,5 Monaten Vorlauf. Laut meiner Bekannten ist die Kauf-Freude der Besucher super.

Vorteil: Ich entscheide mich frühzeitig zur Teilnahme, buche das Verkäufer-Ticket für meinen Stand, und dann ist der Termin einfach fix. Es gibt kein “Ach, diese Woche ist doch irgendwie ungeschickt, gehen wir einfach nächste oder übernächste Woche.”

Flohmarkt-Events:
für Kinder- & Familiensachen

Kindergärten, Schulen, Vereine etc. veranstalten immer mal wieder Flohmärkte speziell für Kinder- und Familiensachen.

Angebot beim Kinderflohmarkt
Angebot beim Flohmarkt der Schule: Auch von der Decke aus verkauft sich’s gut!

Ein bisschen Glück braucht’s sicherlich, aber auch ein Sachen-Verkauf per Decke kann den Besitz erleichtern.

Wie bei allen Begegnungen mit Menschen ist auch hier hilfreich: Blickkontakt und freundliche Miene  🙂

Flohmarkt online:
Facebook

Auf Facebook gibt’s ja Gruppen für alles Mögliche. Suche dir möglichst große Gruppen für Allgemeines, beispielsweise “Flohmarkt Stuttgart”.

Achte darauf, dass die Gruppen aktiv sind – Du erkennst das am Datum der letzten Beiträge.

Empfehlen kann ich themenspezifische Gruppen, denn hier sind die Personen zu finden, die deinen Kram zu schätzen wissen. Hierzu gehören beispielsweise die kleineren Nischengruppen “Öko-Kleidung Flohmarkt für Damen” oder “Stoffwindelflohmarkt D/Ö/CH”.

eBay Kleinanzeigen

Ein Allrounder der Online-Flohmarkt-Plattformen. Von der Regentonne über Stoffwindeln bis zur Flotten Lotte habe ich hier schon Diverses erstanden.

Verkäufe funktionieren mal besser, mal schlechter. Am besten einfach ausprobieren, der Aufwand ist nicht sehr groß.

Als Smartphone-App verfügbar, so klappt das Erstellen von Anzeigen mit Fotos super leicht.

Pluspunkt: Bei Käufen wurde ich oft im näheren Umkreis fündig, sodass ich Dinge direkt abholen konnte. Bei Verkäufen war das auch schon der Fall, allerdings eher bei größeren Dingen wie einem Fahrradanhänger zum Kindertransport.

kleiderkreisel.de

Mit Smartphone machbar, da du per Handy geknipste Fotos aussortierter Kleidungsstücke über die App direkt in einer Anzeige hochladen kannst.

Ansprechende Fotos sind wichtig!

Für Kleidung sind hier erfahrungsgemäß viele Konsumentinnen unterwegs. Die Plattform ist sehr nutzerfreundlich: Man kann nach Größen, Farben etc. filtern.

Inzwischen nervig für mich und darum deaktiviert, eine Zeit lang jedoch gerne von mir genutzt: die Tausch-Möglichkeit.

mamikreisel.de

Partner-Plattform zu Kleiderkreisel.

Empfehlenswert ist es, auf gute Fotos zu achten. Der Standard der Produktpräsentationen scheint mir höher als bei eBay-Kleinanzeigen. Gleichzeitig sind die angesetzten Preise etwas höher, ist mir aufgefallen.

momox.de

Beim Abstapeln von Büchern, CDs, DVDs ist Momox vermutlich die schnellste Verkaufsvariante. Gleichzeitig vermutlich auch die am wenigsten ertragreiche. Für viele Medien bekommt man lediglich Centbeträge.

Vorteil: In kurzer Zeit befreist du dich von Büchern stapelweise dank Smartphone-App. Damit scannst du den Barcode deiner Bücher und bekommst direkt angezeigt, welchen Preis dir Momox dafür zahlt.

Du packst alles in einen oder mehrere Kartons und schickst sie versandkostenfrei an Momox.

Nachteil ohne Smartphone: Das Eintippen der ISBN wäre mir zu zeitfressend, wenn ich an die wenigen Cent pro Buch denke. Dann lieber zu verschenken vor’s Haus.

Momox ist ein Recommercer im großen Stil – Es kauft Bücher und Anderes auf und verkauft dann weiter.

Es ist ebenfalls möglich, Kleidung zu verkaufen. Mir ist der Aufwand dafür jedoch zu groß.


Marie Kondo: Magic Cleanding. Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändertEine wirklich wertvolle Hilfe auf dem Weg in ein ballastfreieres Leben ist mir das Buch Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert*. Gerne empfehle ich es daher weiter.

Wie wirst du deinen Kram los?
Welcher Weg ist dein Favorit?
Würdest du etwas ergänzen?

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Sonnige Grüße,
Kerstin

___
* Dies ist ein Affiliate Link für einen meiner Meinung nach empfehlenswerten Shop oder Artikel. Ich schreibe meine Texte unabhängig und frei aufgrund meiner persönlichen Erfahrung. Nur an wirklich passenden Stellen setze ich einen solchen Link. Dabei achte ich sehr darauf, dass Produkt- und Unternehmensqualität meinen Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht wird. Für dich hat ein Klick keine Auswirkungen. Für mich springt evtl. eine kleine Entlohnung für meine Arbeit raus, eine goldene Nase verdiene ich mir nicht. Kennst du buch7.de, den Buchhandel mit der sozialen Note? Das ist DIE Alternative zu Amazon. Ganz nebenbei unterstützt du mit deinen Einkäufen soziale und ökologische Projekte.

Nachhaltige Fußbekleidung im Sommer

Mit FlipFlops von Ethletic draußen unterwegs. Bequeme Schuhe für den Sommer. Empfehlenswert!

Barfuß ist’s im Sommer am schönsten – über weiches Moos, durch warmen Sand, im kühlen Wasser. Außerdem ist das Barfußgehen gesund.

Im Alltag in der Stadt, auf Tour oder unterwegs im Viertel habe ich aber gerne etwas an den Füßen. So hippie bin ich nicht, dass ich den kompletten Tag barfuß unterwegs sein möchte, obwohl das natürlich super nachhaltig wäre: Denn keine Produkte müssten hergestellt werden.

Ich wechsle zwischen folgenden Varianten, wobei mir der Nachhaltigkeitsgedanke am Herzen liegt:

Barfuß gehen

Gesund für Füße und Körper, angenehm auf entsprechendem Untergrund, kostenlos, Anrechnung auf meinen ökologischen Rucksack gleich null.

Ethletic Flip

“Fair. Vegan. Nachhaltig” lautet der Werbeslogan von Ethletic. Verwendet wird Fairtrade-Baumwolle. Die Verpackung und Lieferung ist plastikfrei.

Zum Schuh: Mein FlipFlop (siehe Foto) ist durch die Baumwolloberflächen und den breiten Zehensteg super angenehm zu tragen. Kein Hitzestau am Fuß. Sohle und alle Gummiteile bestehen aus Naturkautschuk mit FSC-Zertifizierung. Da in diesem Jahr gekauft, kann ich zur Lebensdauer noch nichts sagen. Anschaffungspreis 29.90€ – Für einen so angenehmen Schuh mit entsprechenden Pluspunkten würde ich das jederzeit wieder ausgeben.

Joe Nimble FreeToes

Angeschafft Mitte 2016 für 39€. Ich war auf der Suche nach einem Barfußschuh für den Sommer, der den Fuß von unten schützt, aber luftig ist. Dieser hier besteht schlicht aus einer dünnen, flexiblen Sohle, die durch ein Gummiband am Fuß gehalten wird.

Das Tragegefühl ist angenehm luftig. Im Vergleich zum FlipFlop “floppt” nichts, der Schuh sitzt sicher am Fuß.

Leider handelt es sich um einen Plastikschuh, dadurch kommt der Fuß unten ins Schwitzen. Ebenfalls aus Kunststoff ist der Verpackungsbeutel. Nach sechs Wochen war einer der Gummis durchgescheuert. Als Reaktion auf meine Reklamation bekam ich Ersatz, der bis heute hält.

Die Oberfläche ist super leicht zu reinigen. Ich bürste sie gelegentlich mit einer Nagelbürste und etwas Seife ab.

Fazit: Ich trage den Schuh zwar, würde ihn mir jedoch nicht erneut kaufen.

Leguano Classic

Ebenfalls 2016 ins Repertoire aufgenommen habe ich den Leguano Classic schwarz für stolze 79€. Ein Barfußschuh, den ich vor allem im Frühjahr und Herbst, aber auch im Sommer bei entsprechendem Wetter gerne trage.

Das Gehen ist eine Wucht! Da der Schuh am Fuß wie eine Socke sicher sitzt, kann sich meine Wahrnehmung auf die Empfindungen von unten konzentrieren. Es ist großartig, die Weichheit des Waldbodens, die Härte und Struktur von Gestein etc. zu fühlen. Die Gedanken werden immer wieder unterbrochen von der Wahrnehmung an der Fußsohle, das Denken wird geerdet. Das tut mir und meiner Gesundheit nachhaltig gut.

Leider ist auch dieser Schuh ein Kunststoffschuh. Nach Ende seiner Lebensdauer wird er in keinem Kreislauf aufgenommen werden können, sondern ist einfach Restmüll. Ökologisch gesehen also ein NoGo.

Wer sich für geschlossene Barfußschuhe aus Naturmaterialien interessiert, ist vermutlich mit Wildlingen gut beraten.

Klassische Sandale

Ein “normales” Pärchen Sandalen findet sich außerdem in meiner Sommerschuh-Auswahl. Klassisch mit Lederriemchen, ein älteres Sandalette-Modell aus dem Jahr 2015 vom Öko-Bekleidungsversand Hessnatur*, damals zum Preis von 89,90€. Chromfreie Gerbung, europäische Fertigung.

Fünf Varianten für eine Jahreszeit – ganz schön viel

Aber ja, ich lege viele Kilometer zurück und bin in unterschiedlichsten Bereichen unterwegs. Wir leben mitten in der Stadt, gehen häufig auf Asphalt und Stein. Wir nutzen öffentliche Verkehrsmittel. Wir durchstreifen Rasenflächen, Wiesen und den nahen Wald mit unserem Hund, begehen unterschiedlichste Oberflächen von Kiesschotter bis zum humusreichen Waldboden. Wir arbeiten und faulenzen in unserem wilden Garten etwas außerhalb der City.

Für all das ist es gut, die Wahl zu haben zwischen unterschiedlicher Fußbekleidung.

Mein Favorit ist eindeutig der Ethletic Flip

Denn er ist super angenehm zu tragen, gleichzeitig legen die Hersteller auf diverse, mir wichtigen Punkte bezüglich Nachhaltigkeit großen Wert. Bonus, aber nicht ausschlaggebend: Der Preis ist super, verglichen mit den anderen Pärchen, die ich gerade nutze.

(Wie) kleidest du deine Füße im Sommer?
Hast du heiße und nachhaltige Tipps?

Ich freue mich auf deine Ideen!

Hintergründe und Tipps zu Kleidung und Textilien findest du im Artikel Wie du dich gegen die elenden Zustände in der Textilien-Branche wehrst und in den Empfehlungen.

Sonnige Grüße,
Kerstin

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* Dies ist ein Affiliate Link für einen meiner Meinung nach empfehlenswerten Shop oder Artikel. Ich schreibe meine Texte unabhängig und frei aufgrund meiner persönlichen Erfahrung. Nur an wirklich passenden Stellen setze ich einen solchen Link. Dabei achte ich sehr darauf, dass Produkt- und Unternehmensqualität meinen Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht wird. Für dich hat ein Klick keine Auswirkungen. Für mich springt evtl. eine kleine Entlohnung für meine Arbeit raus, eine goldene Nase verdiene ich mir nicht.

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Wie du sparsam Wäsche wäschst

weiße Handtücher

Wie schaffen wir es, nachhaltig und sparsam unsere Textilien sauber zu halten?

Aus dem Motto “Reduce, reuse (re-use), recycle” leite ich für mich die ersten beiden Punkte ab, die sich inzwischen bewährt haben und mir in Fleisch und Blut übergegangen sind:

REDUCE – Lieblingskleidung statt vollgestopfter Kleiderschrank

Im Frühjahr 2016 hat es mich gepackt: Der Inhalt meines Kleiderschranks nervte mich so sehr, dass ich alle Bekleidung auf einen Berg stapelte und durchsortierte. Jedes Teil nahm ich in die Hand, fühlte kurz hin und wusste dann, ob das Stück bleiben durfte oder meinen Schrank verlassen sollte. Ziel: Die Kleidung, die ich besitze, trage ich gern, den Kleiderschrank öffne ich gern, Altlasten sind weg. Es hat funktioniert, juppi!, und hatte einen unerwarteten Nebeneffekt: Der Wäschekorb füllt sich langsamer!

Vermutlich liegt es daran, dass es kaum mehr Kleidungsstücke gibt, die ich nur halb-gerne trage. Diese sind früher recht schnell im Wäschekorb gelandet, auch wenn sie eigentlich nochmal hätten getragen werden können. Ein Jahr ist das Ausmisten her und ich merke, dass es immer wieder Kleidungsstücke gibt, die weg dürfen. Hier am Ball zu bleiben ist einfach, wenn ich es nicht zu lange vor mir herschiebe.

REDUCE, REUSE – Wäscheberg reduzieren

Möglichst klein soll der Wäscheberg bleiben. Ich bin bemüht, den Wäschedurchlauf “tragen – waschen – trocknen” auf ein Minimum zu reduzieren. Dabei hilft mir – neben dem großen Aussortieren im letzten Jahr – insbesondere das abendliche Aufhängen der getragenen Teile auf Kleiderbügel. Seit ich mir das angewöhnt habe, kann ich viele Kleidungsstücke wesentlich häufiger tragen als früher. Könnte ich die Kleidung zum Auslüften nachts sogar nach draußen hängen, wäre der Effekt vermutlich noch größer. Probier’s aus, es funktioniert super!

Waschmittel öko

Das Waschen selbst: Wir verwenden – war ja klar! – Waschmittel von Öko-Herstellern. Beliebt sind hier Baukastensysteme, um die einzelnen Bestandteile je nach Situation und Bedarf dosieren zu können.

  • Erst mal gibt es das Waschpulver selbst, je nach Verschmutzungsgrad der Wäsche kann man mehr oder weniger verwenden. Es ist KEIN Vollwaschmittel. Beispiel: “Klar Color-Waschmittel EcoSensitiv”
  • Das Waschpulver funktioniert am besten bei weichem Wasser. Um möglichst wenig Waschmittel verwenden zu müssen, gibt man also einen Wasserenthärter dazu. Beispiel: “Klar Enthärter EcoSensitive”
    Im Vorhinein sucht man sich 1x raus, welche Wasserhärte zuhause aus der Leitung kommt. Unser Stadtteil wird mit Bodenseewasser versorgt und hat eine Gesamthärte von 8,9°dH. Das ist weder hart, noch weich. Es macht also Sinn, etwas Enthärter zuzugeben.
  • Bei weißer Wäsche kommt ein bleichender Baustein dazu. Mit diesem kann man auch sehr verschmutzte Wäsche vorbehandeln, beispielsweise über Nacht einweichen. Beispiel: “Klar Fleckensalz EcoSensitive”
  • Sonstige Regeln: Möglichst keine nur halb vollen Waschmaschinen starten. Gewaschen wird bei uns vor allem am Freitag und Samstag, so kann sich über die Werktage genug ansammeln, um die Maschine voll zu bekommen. Und – großer Vorteil – wir müssen nicht werktags auch noch ständig ans Waschen denken.
    Die Maschine nicht vollstopfen; Oben sollte noch etwas Luft sein, damit die Wäsche durch mechanische Reinigung – also Bewegung und gegenseitiges Berühren der Teile – sauber wird und nicht eingepresst in der Trommel liegt.

Gelegentlich waschen wir mit Kastanien, vielleicht auch spannend für dich? Das ist natürlich eine sehr sparsame und nachhaltige Art zu waschen. Kastanien liegen im Herbst nur ein paar Schritte von unserer Haustür entfernt zu Hauf herum. Das enthaltene Saponin macht man sich zunutze, indem man fünf bis zehn Kastanien viertelt, in ein Glas gibt und mit Wasser auffüllt. Nach einigen Stunden ist das Wasser milchig geworden und man gießt es in das Waschmittelfach der Waschmaschine. Die eingeweichten Kastanien gebe ich in einem grobmaschigen Beutelchen mit in die Trommel (nicht bei Weißwäsche). Die Wäsche wird erstaunlich sauber. Einfach mal ausprobieren!

Wie du dich gegen die elenden Zustände in der Textilien-Branche wehrst

Inklusive Vor-Ort-Tipps Stuttgart!

In diesem Produkt-Beitrag geht’s um Textilien aller Art, die wir in Alltag und Haushalt benutzen. Da wären zum Beispiel: Klamotten, Handtücher, Bettwäsche, …

Allen gleich sind die leider gängigen, elenden Produktionsbedingungen, aber auch die Auswirkungen auf unseren Körper durch noch in den Textilien befindliche Chemikalien, teilweise Schwermetalle.

Einen Einstieg ins Problem gibt die ARD-Doku “Der H&M-Check” aus dem Jahr 2012, der in der ARD-Mediathek und im ARD-Kanal auf youtube zu sehen ist.

Was nun tun? Welche Lösungen finden wir?

1)   Wenn Neuanschaffungen nötig sind

Auf Zertifizierungen durch unabhängige Institute achten.

Diese erkennt ihr anhand eines Logos. Leider gibt’s davon eine große Anzahl, die als Augenwischerei eingestuft werden kann, also Vorsicht.

Verlassen können wir uns auf die beiden SEHR EMPFEHLENSWERTEN Zertifizierungen Global Organic Textile Standard (GOTS) und Naturtextil Best, laut “Textil-Fibel 4” von Greenpeace. Die Textil-Fibel enthält weitere Empfehlungen, ich habe hier nur die beiden am besten bewerteten Zertifizierungen genannt.

Einkaufen bei Geschäften oder Versandhandeln, die ausschließlich zertifizierte Öko-Ware führen.

Toll ist, dass durch die steigende Nachfrage das Angebot an Anbietern gewachsen und die Preise für Öko-Klamotten & Co. gesunken sind. Seit einiger Zeit machen wir gute
Erfahrungen mit Armed Angels*, Greenality* (Onlinehandel & Laden in Stuttgart), Maas Natur oder auch mit den kleineren Produktpaletten von GreenpeaceMagazin-Warenhaus und BUNDladen.

Weitere Möglichkeiten sind Glore* (Onlinehandel & Laden in Stuttgart) oder Hessnatur*.

Wirf einen Blick in meine Empfehlungsliste. Sicher findest du einen für deinen Geschmack passenden Anbieter. Viel Freude beim Stöbern!

Einkaufen in Second-Hand-Boutiquen.

In Stuttgart beispielsweise bei Obscür nahe der Königstraße.

Ausschau halten nach Kleidertauschbörsen.

Eigene, nicht mehr benötigte Klamotten mitbringen, abgeben, und im Gegenzug aus dem Sortiment Kleidungsstücke auswählen und mitnehmen.

Auch in Stuttgart gibt es seit Jahren immer wieder solche Events, beispielsweise in der VHS am Rotebühlplatz/Stadtmitte oder veranstaltet durch Greenpeace Stuttgart. Einfach dort mal einen Blick in die Termine werfen.

2)   Altes nicht wegwerfen, sondern upgraden

Textilien einfach nachfärben.

Ausgebleichte, abgenutzte oder verwaschene Hosen, Jacken etc. lassen sich leicht mit einer Packung (Nach)Färbemittel aus Drogeriemarkt oder Bastelladen wieder schick machen. Diese Packungen sind nicht sehr teuer, damit aber nicht zu viel überschüssige Farbe zum Einsatz kommt und später im Abfluss landet, lohnt es sich, MEHRERE Kleidungsstücke, vielleicht auch Kissenbezüge oder ähnliches, mitzufärben.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Angaben auf der Packung übermäßig gut gemeint sind: Man kann gerne mehr Klamotten in den Färbevorgang geben als auf der Packung angegeben. Eine dankbare Sache sind beispielsweise halb oder zu Dreiviertel volle Waschmaschinenladungen mit schwarzen Klamotten.

Unser Sessel hat so drei Farbstufen mitgemacht: Erst war er beige; die ersten Flecken und Abnutzungserscheinungen waren so hartnäckig, dass wir sie hellgrün überdeckt haben; später wurde ein Petrol-Grün-Blau daraus.

Ausbesserungen selbst erledigen oder machen lassen.

Kleine Macken und Löcher lassen sich innerhalb weniger Minuten mit Nadel und Faden reparieren. Vielleicht macht das die Oma, Mama oder jemand anderes aus Bekannten- und Verwandtenkreis auch gerne?

Noch Brauchbare, aber ungenutzte Kleidung weitergeben.

Für Hosen, die nicht mehr passen, Pullis, die nicht mehr gefallen, oder anderes, das einfach schon ewig ungenutzt im Schrank liegt, finden sich sicherlich neue Besitzer.

Kleidertauschbörsen haben den Vorteil, dass man selbst wieder ein oder mehrere neue Kleidungsstücke finden kann. Über Second-Hand-Boutiquen und Flohmärkte kannst du deine Klamotten gegen Kleingeld tauschen. Das funktioniert gelegentlich auch über facebook-Gruppen wie Flohmarkt Stuttgart.

Ganz entspannt funktionieren auch Verschenk-Gruppen wie Free your Stuff Stuttgart, hier holen die Interessenten die Ware einfach bei dir zuhause ab, du hast also keinen großen Aufwand damit.

Oder du schenkst das aussortierte Gut einfach einer Einrichtung, die dafür Verwendung hat, in Stuttgart beispielsweise der Fairkauf von Caritas. Auch die Kleiderkammern der Flüchtlingsunterkünfte benötigen immer wieder Nachschub. Hier werden allerdings oft spezielle Sachen gesucht, man kann meist nicht einfach tütenweise Material abgeben.

3)   Selbermachen

Dass selbstgenähte Kleidung, Wohnungsausstattung etc. nicht pauschal besser ist als Gekauftes, versteht sich von selbst. Aber man spart dadurch einerseits das Verschiffen von Stoffen zu den Orten, wo genäht wird. Andererseits muss für selbst Genähtes keine Näherin ihre Gesundheit für uns aufs Spiel setzen. Darum: Daumen hoch für Selbermacher_innen!

Stoffe aus “guten” Quellen kaufen.

Von Kirsten Brodde, die sich professionell mit Textilien, öko&fair, auseinandersetzt, bekam ich eine tolle Empfehlung: der Stoffladen Siebenblau in Berlin mit umfangreichem Online-Shop. Stoffproben bekommt man auf Wunsch im Vorhinein zugeschickt, das ersetzt das “Anfassen”, das bei Online-Bestellung ja nicht möglich.

Seit einiger Zeit bestelle ich mindestens genau so gerne bei Meterwerk.

Auch Lillestoff führt zertifizierte, hübsche Stoffe. Allerdings muss man genau hingucken, denn es ist ein Mischsortiment mit konventioneller Ware.

In Stuttgart bietet der Stoffladen Stoff-Ideen eine Auswahl an zertifizierten Textilien an, und zwar vom Hersteller C. Pauli.

Mehr hierzu findest du in meinen Empfehlungen.

4)   Weiterführende Infos liefert die Textil-Fibel

Wer mehr erfahren möchte, ist mit der bereits erwähnten Textil-Fibel von GreenpeaceMagazin gut beraten. Sie informiert in sechs Kapiteln prägnant über das, was man als Konsument einfach wissen muss:

  • “Moral und Mode” mit Ökobilanz, Wer verdient an einer Jeans? etc.
  • “Chemie im Stoff” von der Vorbehandlung bis zur Konservierung z.B. mit Formaldehyd
  • “Lexikon” über Natur- und Chemiefasern, Stoffe und Gewebe
  • “Pflege”
  • “Kaufen” mit den Themen Greenwashing, diverse Öko-Zertifizierungen für Textilien, Allergien, Tipps fürs Einkaufen
  • “Service”-Teil mit unglaublich vielen Bezugsadressen für Ökomode und weiterführende Informationsquellen.
Ich freue mich auf weitere Tipps, Hinweise und Ergänzungen von euch!

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Foto: “Baumwolle” von Alex Behrens, CC BY-NC-ND 2.0

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