Nähen: 5 Wege, wie dein geliebtes DIY-Hobby nachhaltiger wird [und warum es bereits nachhaltig ist]

Du bist Selbermacher_in und im DIY-Fieber? Du nähst Kleidung, Equipment, Wohntextilien? Verkaufst vielleicht sogar bei DaWanda oder Etsy? Total toll!

Mit dem Nähen erreichst du bereits sehr viel: Dein Slavery Footprint schrumpft. Denn du lässt keine Näherinnen in elender Arbeitssituation in Bangladesh oder anderswo für dich schuften.

Wie kann‘s noch nachhaltiger werden, das Nähen?
Fünf Punkte aus meiner Erfahrung.

Kaufe nur GOTS-zertifizierte Stoffe

GOTS steht für Global Organic Textile Standard. Mehr zu diesem Thema und genauere Infos zu Öko-Stoff-Zertifizierungen findest du im Artikel Wie du dich gegen die elenden Zustände in der Textilien-Branche wehrst.

Für deine Passion, das Nähen, findest du Stoffe online zum Beispiel bei Meterwerk oder Siebenblau. Beide sind toll, da sie konsequent auf Öko achten.

Meterwerk ist mir aktuell am sympathischsten. Es gibt einen Laden in Augsburg. Der Shop führt auch die großartigen Schnittmuster von minikrea aus Dänemark. Baby- und Kinderkleidung zum Verlieben!

Siebenblau war vor vielen Jahren der erste Anbieter mit Bio-Stoffen, den ich entdeckt habe. Es gibt eine breite Palette an Waren, auch hübsche Spitzenbänder, erscheint mir aber etwas teurer. Es gibt einen Laden in Berlin (Prenzlauer Berg natürlich, gentrification case?). Siebenblau selbst ist GOTS-zertifiziert.

Auch bei Lillestoff habe ich schon langlebigen, strapazierfähigen, schönen Öko-Stoff gekauft. Ein Teil des Sortiments ist nicht GOTS-zertifiziert, angeblich „trotzdem aber nachhaltig produziert“. Das ist ziemlich nichtssagend und führt dazu, dass ich Lillestoff nur eingeschränkt weiterempfehlen möchte. Grund: Es ist verlockend, gleich noch von diesem oder jenem hübschen, aber leider nicht GOTS-zertifizierten Stoff mitzubestellen, wenn man ohnehin schon bestellt.

Nach Herzenslust stöbern und vor allem direkt anfassen kann ich Öko-Stoffe inzwischen hier in Stuttgart bei Stoff-Ideen in der Sophienstraße. Ein ziemlich großer Stoffladen, ganz klassisch mit -leider- konventionell produzierter Ware. Mittendrin, wie eine Insel für mich, ein Regaltisch mit einer tollen Auswahl an unterschiedlichen Stoffen von C. Pauli, neben Jersey und Standard-Webware auch Bündchenstoffe und Frottee.

Verwende keine Stoffe mit Elasthan und anderen Kunstfasern auf Erdöl-Basis

Ausgediente Textilien gebe ich am liebsten in den Kompost im Garten. Der beste Müll ist der, aus dem die Regenwürmer und Mikroorganismen frische, gute Erde machen, finde ich. Baumwollstoffe und Schurwollprodukte sind für diese Kreislaufwirtschaft prädestiniert.

Vorausgesetzt, es ist keine Kunstfaser auf Mineralölbasis enthalten. Wenn du die auf den Kompost gibst, produzierst du dir deine eigene Mikroplastik-verseuchte Erde. Muss nicht sein.

Mehr dazu, welche Textilfasern ich in meinen Kleiderschrank lasse und warum erfährst du hier.

Verwende Baumwollgarn statt des Polyester-Standardfadens

Plastikfrei beim Nähgarn? Geht! Das Garn Scanfil bio ist aus 100% Bio-Baumwolle, GOTS-zertifiziert und -als zusätzliches Schmankerl- auf eine Spule aus Holz statt Plastik gewickelt. Leider ist die Homepage des niederländischen Herstellers Forbitex super alt, Infos zum Garn findet man in deutschen Händler-Webshops.

Scanfil bio ist etwas weniger reißfest als Polyester-Nähgarn. Wer mit der Overlock näht, sollte keinen Unterschied merken. Ich bekomme mit normaler Nähmaschine und Zwillingsnadel oder Zick-Zack-Stich eine dehnbare Naht auch mit diesem Garn sehr gut hin.

Vorteilhaft ist bei Scanfil bio außerdem, dass du alle Reste und irgendwann auch das Kleidungsstück bedenkenlos auf den Kompost geben kannst. Bei Polyestergarn hättest du dir so Plastik in die wertvolle Gartenerde geholt.

Wähle deine Werkzeuge mit Bedacht

Überlege gut, ob und welche Nähmaschine du dir zulegst. Muss es unbedingt eine eigene, neue Overlock sein? In vielen Haushalten stehen Nähmaschinen und Overlocks im Dornröschenschlaf im Schrank. Hör dich um, bestimmt findest du Freunde oder Freundesfreunde, die dir ihre Maschine für eine Weile leihen. So kannst du testen, was dir taugt, und vermeidest Fehlkäufe.

Welche Werkzeuge nutzt du wirklich gerne? Welche nerven dich? Finde es heraus, BEVOR du kaufst!

Früher war alles besser, also: Re-Use

Zu den Werkzeugen zählen auch Nadeln, Stoffschere, Maßband, Lineale etc. All das gibt‘s heute für relativ wenig Geld zu kaufen. Leider ist vieles davon so kurzlebig wie der Preis klein ist. Das meiste Neue steckt erst mal in einer Plastik-Umverpackung zum Wegwerfen. Und wer stellt diese ganzen Sachen überhaupt her? Unter welchen Arbeitsbedingungen?

Darum: Hat nicht die Oma noch eine Best-Quality-Stoffschere aus der guten, alten Zeit, die sie nicht mehr braucht? Oder findet sich gar ein Stoff-Schätzchen auf Tante Helgas Dachboden?

Re-use-n, Wiederverwenden ist angesagt. Und macht gerade beim Nähen furchtbar Sinn, denn früher war die Qualität der Dinge tatsächlich oft besser als heute.

Ich bin sicher: Dein Werkzeug ist bereits ganz in deiner Nähe. Du musst es nur aufspüren. Viel Erfolg dabei!

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