06/04/2020

Altbau ökologisch sanieren: Wandgestaltung innen mit Kalk, Lehm oder Silikat?

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06/04/2020

Altbau ökologisch sanieren: Wandgestaltung innen mit Kalk, Lehm oder Silikat?

Du steckst in der Altbau-Sanierung und denkst über die Wandgestaltung nach. Ökologisch soll es sein, du willst nachhaltig wohnen und gesund leben.

Genau vor dieser Frage stehen wir gerade. Was machen wir mit den Wänden und Decken? Wollen wir in den Innenräumen Lehm, Kalk oder etwas ganz Anderes?

Altbau-Sanierung innen: Das ist unser Anspruch

Wir sanieren unser Fachwerkhaus – etappenweise und nach Bedarf, also ohne totale Kernsanierung des gesamten Gebäudes. Im Moment entfernen wir Teppiche und Tapeten in einer Wohnung, legen alte Dielen frei, finden unter den Tapeten Gipskarton-Platten oder Putz und verschaffen uns einen Überblick.

Unsere Ziele:

  • Der neue Wandbelag soll gesund und ökologisch sein.
  • Er soll Luftfeuchte mit ausgleichen können und Schimmel keinen Nährboden bieten.
  • Auf erdölbasierte Materialien wollen wir verzichten.
  • Wir möchten Putz und Farbe selber aufbringen – Daher macht ein Produkt Sinn, das einfach in der Handhabung ist.

Alternative zu Tapete – Lehm, Kalk, Silikat?

In Frage kommen für uns vor allem Lehm oder Kalk als Streichputz und Farbe, evtl. auch eine Silikatfarbe.

Aufs Tapezieren und auf Tapete überhaupt haben wir keine Lust. Bei Raufasertapete stellen sich uns die Nackenhaare, und sowieso passt Tapete nicht zu einem stolzen Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert.

Die Richtung, in die es gehen soll, ergibt sich also schon von allein, wie du siehst.

Streichputz, was ist das?

Putze im Innenraum dienen dazu, grobe und unschöne Wände und Decken auszugleichen und eine ebenmäßige, ansehnliche Oberfläche zu schaffen.

Streichputze werden –wie der Name schon sagt– mit Streich- oder Rollwerkzeugen aufgebracht. Der Quast ist dafür ein typisches Werkzeug.

Streichputze sind in verschiedener Körnung erhältlich, sprich, die enthaltenen Teilchen sind größer oder kleiner, je nach gewünschtem Effekt und Einsatzzweck.

Wer Tapete nicht mag, findet in Streichputz eine großartige Alternative. Er kann, je nach gewähltem System, ohne weitere Oberflächenbehandlung belassen werden – Oder man streicht ihn zum Abschluss mit einer geeigneten Farbe.

Einsatzbereiche, Stärken und Schwächen von Lehm, Kalk, Silikat

Zuerst überlegst du dir, was die Rahmenbedingungen sind:

  • Um welche Räume geht’s?
  • Aus welchem Material sind die Oberflächen der rohen Wand? Woraus besteht die Wand selbst? Sind Rückstände von Kleber oder Mörtel vorhanden? Gibt es Risse, Löcher, Unebenheiten?
  • Wie soll’s später aussehen? Gibt es bestimmte Farbwünsche? Wie rauh oder glatt soll die Oberfläche am Ende sein?
  • Willst du selbst Hand anlegen oder lieber eine Fachfirma beauftragen?

Jedes Material hat bestimmte Eigenschaften. Jetzt geht es darum, herauszufinden, was für deine Rahmenbedingungen am besten passt.

Unterschätze außerdem nicht dein Bauchgefühl: Die „perfekte“ Lösung, rein rational gedacht, solltest du nicht allzu lange suchen, wie ich finde.

Wir haben’s uns leicht gemacht und den ganzen Standard-Kram einfach gestrichen. So bleibt übrig, was gesund und nachhaltig ist, um es seeehr einfach zusammenzufassen.

Ob wir uns nun für Lehm- oder Kalkputz entscheiden, macht keinen großen Unterschied mehr, denn nachhaltig und gesund sind beide.

Lies dir die nächsten Kapitel durch und verlier dich nicht in Recherche, wenn du unentschlossen bist. Lass ruhig dein Bauchgefühl entscheiden – Denn du wirst ja in Zukunft täglich auf die neuen Wände schauen, sie berühren und mit ihnen leben.

Was kann dir besseres passieren, als eine Wandoberfläche gewählt zu haben, die dich einfach GLÜCKLICH macht?

Wandgestaltung mit Lehmputz & Lehmfarbe

Lehm wirkt feuchteregulierend und kann Schadstoffe und Gerüche binden.

Durch seine hohe Masse ist Lehm der ideale Partner, wenn du dir über eine Gebäudehüllen-Temperierung oder eine Wandheizung Gedanken machst. Warum? Lehm speichert Wärme sehr gut und gibt diese als Strahlungswärme in den Raum ab. Strahlungswärme ist ein ganz wichtiger Faktor der Behaglichkeit zuhause.

Auch in Sachen Schallschutz und Brandschutz ist Lehm ein wunderbarer Partner.

Aber Achtung: Hinsichtlich Wärme, Schall- und Brandschutz gilt bei Lehm natürlich: Viel hilft viel. Eine dünne Deckschicht Lehmfarbe verhindert selbstverständlich keinen Brand, speichert kaum Wärme und bietet keinen nennenswerten Schallschutz. Ob dir Lehm hinsichtlich dieser Aspekte Vorteile bringt, hängt von der Dicke der eingebrachten Lehmschicht ab und von der Art und Weise, wie du den Lehm mit den anderen Bauteilen und der Haustechnik kombinierst.

Wer Lehmputz und Lehmfarbe selbst aufbringt, muss unter Anderem auf folgende Punkte achten:

  • Entscheide dich für ein System und beachte die Anweisungen des jeweiligen Herstellers oder Fachhändlers. Naturbaustoff-Händler sind hier die richtigen Ansprechpartner.
  • Arbeite dich schichtweise und behutsam vor und lass den Lehm nicht in zu dicker Schichtstärke zu schnell trocknen, sonst können Risse entstehen.
  • Vermeide auch eine sehr langsame Trocknungsdauer, denn dadurch hast du viel Feuchtigkeit im Gebäude, die dir an verschiedenen Bauteilen Schäden anrichten kann.
  • Sorge dafür, dass der Lehm nicht dauerhaft Feuchtigkeit oder Nässe ausgesetzt ist. Große Mengen Spritzwasser z.B. aus der Dusche oder kontinuierlich aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich machen dem Lehm zu schaffen.

Kann Lehm schimmeln?

Schimmelpilzbildung ist möglich – vor allem dann, wenn organische Beimischungen im Lehmputz sind, wie Strohfaser.

Wandgestaltung mit Kalkputz & Kalkfarbe

Besonders im Zusammenhang mit dem Thema Schimmelsanierung findet man die Empfehlung, Kalkputz zu verwenden. Warum?

Kalk ist hoch alkalisch/basisch, das „gefällt“ Schimmelpilzen, Pilzen und auch Algen nicht.

Wie Lehmputz wirkt auch Kalkputz feuchteregulierend, wärmespeichernd und schadstoffbindend. Auch beim Schallschutz und Brandschutz punktet der Kalk.

Gegen Spritzwasser und Feuchte ist Kalkputz wenig empfindlich.

Wandgestaltung mit Silikatfarbe (aber ohne Silikatputz)

Silikatputz ist in Innenräumen und gerade in unserem denkmalgeschützten Fachwerkhaus keine gute Idee:

  • Einmal eingebracht, lässt er sich von mineralischen Untergründen nicht wieder entfernen, denn er verbindet sich mit ihm in einem chemischen Prozess. Dieser Vorgang wird „Verkieselung“ genannt.
  • Auf nicht-mineralischen Untergründen haftet Silikatputz nicht gut.
  • Silikatputz ist stark alkalisch, sodass man sich als Selbermacher*in mindestens mit Haut- und Augenschutz ausrüsten muss. Nach der Trocknung besteht diese Gefahr nicht mehr.
  • Kunststoffzusätze bis zu 5% sind typisch für Silikatputze. Aus ökologischer Sicht macht das also keinen Sinn – Wir wollen doch keinen Sondermüll verbauen und dafür auch noch Geld ausgeben.

Silikatfarben machen schon mehr Sinn, sind aber auch nicht das Gelbe vom Ei:

  • Silikatfarbe kommt normalerweise in 2 Komponenten, die einige Stunden vor der Verarbeitung angesetzt werden müssen. Das verkompliziert die Anwendung.
  • Gebrauchsfertig vorbereitete Silikatfarbe gibt es auch zu kaufen, allerdings enthält diese bis zu 5% Dispersion, ein Kunstharz, also erdölbasiert. Wer auf erdölbasierte Materialien verzichten will, muss sich also gegen diese Variante entscheiden.
  • Auch die Silikatfarbe ist alkalisch, sodass entsprechende Schutzkleidung wichtig ist.
  • Wer die Silikatfarbe abtönen will, darf nicht jede beliebige Abtönfarbe zugeben: Vor allem der hohe pH-Wert kann die Farbpigmente angreifen und chemisch verändern.
  • Silikatfarbe verbindet sich beim Aushärten chemisch mit dem mineralischen Untergrund und ist später nicht so einfach zu entfernen.
  • Bei nicht-mineralischen Untergründen, beispielsweise bei Gipskartonplatten, muss eine Grundierung her, damit die Silikatfarbe auch wirklich hält.

Warum kein Gipsputz in Innenräumen?

Gipsputz nimmt zwar wunderbar Feuchtigkeit auf, gibt sie jedoch wesentlich schwerer wieder ab, verglichen mit Lehm oder Kalk. So ist das Risiko zur Schimmelbildung erhöht – Darauf verzichte ich lieber!

Hingewiesen wird außerdem auf mögliche Verunreinigungen bei REA-Gips. Das ist ein Gips, der nicht in der „Natur“ abgebaut wird, sondern bei der nassen Rauchgasentschwefelung in Großfeuerungsanlagen entsteht. Zwar hat er die gipstypischen Eigenschaften, kann aber auch mit z. B. Schwermetallen belastet sein.

Warum kein Wärmedämmputz?

Plastik und andere erdölbasierte Produkte wollen wir nicht möglichst nicht nutzen.

Zwar werden gerade für die Altbau-Sanierung und speziell für die Sanierung von historischem Fachwerk –wie in unserem Fall– Wärmedämmputze empfohlen. Diesen werden aber kleine Teilchen zugesetzt, z.B. Polystyrol-Kügelchen, die für die Dämmwirkung sorgen.

Wer wie wir bestrebt ist, auf Plastik zu verzichten und Müll, speziell Kunststoffmüll und Verbundstoffe zu reduzieren, sollte also die Finger von Wärmedämmputz lassen.

Es sei denn, man schaut weiter in die Vergangenheit, da gibt’s allerhand Spannendes zu entdecken, z.B. den klassischen Wärmedämmputz aus Lehm und Stroh. Aber davon vielleicht ein ander Mal mehr!

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Kerstin

​Ich bin Kerstin, NachhaltigkeitsCoach & Architektin. Ich helfe dir, auf dem Weg in ein nachhaltigeres Leben Hürden schnell und leicht zu überwinden und die richtigen Stellschrauben zu finden. Privatpersonen, Solopreneure und kleine Unternehmen unterstütze ich dabei, weniger Müll zu pro​duzieren, weniger Plastik zu verwenden und den ökologischen Rucksack zu erleichtern.

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