Raumakustik verbessern im Büro

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Konzentriert arbeiten, Besprechungen und Calls halten, telefonieren – Das geht am besten in akustisch „funktionierenden“ Räumen. Wie du im Büro die Raumakustik verbessern kannst, liest du hier.

Schlechte Akustik im Büro, wie lässt sich das ändern? Raumakustik messen oder berechnen lassen, wie geht das? Reicht eine Akustikdecke allein aus? Welche Absorber eignen sich für Büro-Räume? Und gibt es auch nachhaltige Varianten? Kann man Akustik-Absorber selber bauen? Und wenn wir schon dabei sind: Was ist mit der Raumakustik in Wohnräumen?

Wahnsinnig viele Fragen!

DANKE an Sarah Kosmann von Kosmann Ingenieure für die umfangreichen und informativen Antworten! Sarah entwickelt aktuell mit ihrer Geschäftspartnerin Karolina Jagiello eine App zur Planung von guter Raumakustik. Klick dich rüber, könnte spannend für dich sein.

In meinem Büro ist die Akustik schlecht. Wie kann ich das ändern?

Wenn du das Gefühl hast, dass die Akustik „schlecht“ ist, bedeutet das meist eine zu lange Nachhallzeit im Raum, unvorteilhafte Oberflächen im Raum die zum Flatterecho führen oder die Sprachverständlichkeit ist entweder zu hoch oder zu niedrig.

Um Raumakustik zu verbessern, musst du erst einmal herausfinden, welcher dieser Gründe zutrifft, also den Ist-Zustand analysieren. Gibt es zu viele schallharte oder sogar reflektierende Oberflächen? In welchen Frequenzen absorbiert dein Raum besser oder schlechter? Gibt es sonstige individuelle Probleme, wie z.B. eine Störung durch andere Menschen oder Geräte die in deinem Büro vorhanden sind.

Den Ist-Zustand kann man entweder messen oder berechnen lassen. Beide Verfahren geben dir als Ergebnis eine Nachhallzeit in den hörbaren Frequenzen aus.

Okay, verstehe, zuerst soll ich die Raumakustik messen oder berechnen lassen. Wie geht das?

Es gibt einige Nachhallzeit-Apps in den jeweiligen App-Stores, aber diese sind nicht zu empfehlen. Eine gute Messung erfolgt nach einer Norm, also mit sehr speziellen Anforderungen an das Messgerät, den Messaufbau und -ablauf. Das können Apps (stand heute) nicht leisten. Wenn du eine Messung durchführen lassen möchtest, kannst du dich an örtliche Bauphysik-Büros wenden.

Um den Ist-Zustand deiner Raumakustik zu berechnen, benötigst du entsprechende Software. Ganz rudimentäre Berechnungstools findest du online kostenlos. Dort gibst du deinen Raum an, nach welcher Norm die Nachhallzeit berechnet werden soll und aus welchen Materialien deine Oberflächen im Raum bestehen.

Mit dieser Basisvariante kannst du dann in die Optimierung starten: die Oberflächen deines Raumes werden durch raumakustisch wirksame Materialien ersetzt. In der Realität würde z.B. eine abgehängte Decke eingezogen oder Absorber an den Wänden aufgehängt.

Soweit die Theorie, leider ist es mitunter recht kompliziert die passenden Materialien zu finden. Das liegt an mehreren Gründen:

  • Jede/r Hersteller*in hat die Daten nur auf der eigenen Homepage, zusammensuchen ist mühsam,
  • Produktdaten z B. der Schallabsorptionsgrad, werden nicht immer korrekt zur Verfügung gestellt,
  • Werbewirksame Auszeichnungen spiegeln nicht die tatsächliche Qualität des Produktes wieder und
  • es ist schwer abzuschätzen, welche Produkte die raumakustisch passenden für den Raum sind.

Man kann also durchaus Raumakustik selber planen, es ist aber recht aufwendig und erfordert eigenes Fachwissen.

App für Raumakustik-Planung

Alternativ gibt es unseren Raumakustikplaner kasaira: kasaira unterstützt dich intelligent bei den wichtigen Schritten, schlägt dir z.B. passende Produkte vor und zeigt dir, worauf man bei der Platzierung von Absorbern achten muss.

Die Platzierung? Reicht eine Akustikdecke nicht aus?

Rechnerisch kann eine Akustikdecke die Nachhallzeit ausreichend senken. Es gibt aber einige Situationen, in denen besondere Schalleffekte, wie ein Flatterecho oder störender Direktschall auftreten können. Darauf muss bei der Planung natürlich auch eingegangen werden, sonst ersetzt man das eine Problem mit einem neuen.

Ganz allgemein kann man auf jeden Fall darauf hinweisen, dass absorbierende Materialien auch immer an den Wänden eingesetzt werden sollten.

Welche Absorber sind denn für ein Büro zu empfehlen? Gibt es auch nachhaltige?

Die Anforderungen an ein Büro sind schon recht hoch, was verständlich ist, denn in einem Büro möchte man konzentriert und gut arbeiten können (Hierbei ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich um ein Mehrpersonenbüro, Einzelbüro oder Zweipersonenbüro handelt. Ein Mehrpersonenbüro erfordert sehr spezielle Maßnahmen, für die unbedingt ein*e Fachplaner*in hinzugezogen werden muss, denn hier ist die Nachhallzeit als Bewertungskriterium nicht ausreichend. Einzel- und Zweierbüros können mit der Nachhallzeit bewertet werden).

Die hohen Anforderungen bedeuten aber auch, dass an die Absorber selber hohe Anforderungen gestellt werden. In der Regel braucht es viel Flächenanteil, optimalerweise an der Decke. Hier muss es aber keine klassische Rasterdecke sein, sondern es könnten Deckensegel eingesetzt werden, in die auch Leuchten integriert sein können.

Zusätzlich sollten auch die Wände mit absorbierenden Materialien belegt werden. Hier gibt es viele Alternativen, wie bedruckte Leinwände, farbige geometrische Elemente, Holzelemente etc. Möglich sind auch Möbel mit akustisch wirksamen Oberflächen.

Früher waren Absorber hauptsächlich aus Mineralwolle oder porösen Schäumen. Mittlerweile gibt es auch viele Produkte aus nachhaltigen und nachwachsenden Materialien wie Schafwolle oder Holz. Auch lassen einige Hersteller*innen ihre Produkte mit gängigen Siegeln zertifizieren.

Kann man einen Absorber selber bauen?

Ja, denn technisch sind diese nicht sehr aufwendig. Wovon ihr aber die Finger lassen solltet: Eierkartons! Dies sind keine Absorber, sondern Diffusor, streuen den Schall also nur und dämpfen nicht.

Generell kann man sagen, je mehr Oberfläche vorhanden ist, desto stärker wird der Schall gedämpft. Und je dicker das Material bzw. Größer der Abstand zu Wand, desto mehr erfolgt die Dämpfung auch im tieffrequenten Bereich.

Es empfehlen sich also vor allem faserige und poröse Materialien, die eben die Oberfläche auf Mikroebene enorm erhöhen. Diese können mit offenporigen Stoffen (z.B. Leinen, aber auch Baumwolle) bespannt oder mit einer offenen Holzfront (also Löcher, Schlitze, Abstand, etc.) verkleidet werden.

Hier sieht man so ein Beispiel, wie man einen Raumtrenner selber bauen kann.

Natürlich kann man Absorber selber bauen und diese wirken auch, jedoch kann man nicht vorhersehen in welchen Frequenzen sie wirken. Daher ist eine professionelle Planung für eine optimale Raumakustik nicht zu ersetzen. In diesem Fall muss mit professionellen Produkten und vor allem einer soliden Planung gearbeitet werden.

Muss auch in einem Wohnraum die Raumakustik optimiert werden? Wenn ja, wie?

An einen Wohnraum werden rechtlich keine Anforderungen gestellt, da der Mensch sich innerhalb der eigenen Nutzung nicht selber stören kann. In der Realität stört man sich aber schon ab und zu an einer schlechten Akustik, wenn z.B. nicht mehrere Menschen zusammen an einem Tisch sitzen und sich unterhalten können, oder der Fernseher überall laut zu hören ist, nur nicht auf dem Sofa.

Hier gelten ähnliche Grundsätze, also die Nachhallzeit muss insgesamt verringert werden. Zudem können hier bei offenen Grundrissen Schallwege schlecht liegen. So kann eben der Ton vom Fernseher so ungünstig reflektiert werden, dass man diesen zuerst an der Spüle im Küchenbereich hört. Hier gilt es geometrisch zu prüfen, welche Wege der Schall nimmt und diese mit Absorbern zu unterbrechen.

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