Gepflegte Haare ohne Shampoo

“Geiler Scheiß!” – Klappe, die Zweite.

Sabine benutzt für ihre Haare kein Shampoo und gehört damit der wachsenden Gruppe der NoPoo’ler an. Ihren Einstieg fand sie mit Haarseife – Damals hatte sie sich entschieden, eine plastikfreie Alternative zu Shampoo zu finden. Rückblickend eine der besten Entscheidungen in ihrem Leben, wie sie findet. Sabine bloggt unter sustainmania zum Thema “nachhaltig und plastikfrei(er) leben”.

Lassen wir uns inspirieren und zum Ausprobieren anregen!

Worum geht’s?

Wie die absolute Mehrheit der Deutschen und definitiv alle, die ich kenne, habe ich meine Haare von Kindesbeinen an mit Shampoo gewaschen. Irgendwie werden wir von Anfang an so indoktriniert: Sogar für Säuglinge und Kleinkinder hält der Markt eine unüberschaubare Vielzahl an Shampoos bereit. (Ich habe zwei Kleinkinder. Ganz im Ernst: Bei den Kleinen reicht doch meistens ein bisschen Wasser und eine Haarbürste, bisher hatten wir erst einmal einen haarigen Supergau, der „härtere“ Mittel erforderlich machte.)

Aber: Meine Eltern haben das so vorgemacht, ab dem Teenie-Alter versprach mir die Shampoo-Werbung vollmundig „gesund aussehendes Haar, das glänzt“ – Ja, auch mein Friseur, der es aus meiner damaligen Sicht wissen muss, stellte mir eine wallende Mähne in Aussicht, wenn ich mit diesem und jenem (meistens äußerst preisintensiven) Shampoo waschen würde. Niemals nie bin ich auf die Idee gekommen, dies alles in Frage zu stellen. In unseren Köpfen sind Shampoo, Pflegespülung und Haarkur die einzigen Mittel, die unser geliebtes Haupthaar schön, geschmeidig, glänzend, voluminös und praktischerweise auch sauber bekommen.

Bleibt das Ergebnis aus, ist nicht das Wundermittel schuld, sondern wir suchen den Fehler bei uns: Über zwei Jahrzehnte lang habe ich mich durch so ziemlich alle Shampoos auf dem Markt probiert, immer auf der Suche nach dem Wundermittel, das mein Haar langsamer nachfetten lässt und ihm endlich den ganzen Tag lang Volumen und Glanz verleiht. Und weil alles nix gebracht hat, war wohl mein Haar einfach nicht dafür geschaffen, voller Stolz lang und offen getragen zu werden. Zu fein, zu wenig: Die Gene sind schuld. Da kann man nix machen…

Außer nach Alternativen zu suchen: Seit drei Jahren wasche ich meine Haare mit Haarseife und spüle sie anschließend mit verdünntem Apfelessig (saure Rinse). Shampoo hat mein Kopf seitdem nur wenige Male zu Gesicht bekommen. Auch von herkömmlichen Pflegespülungen und Haarkuren bin ich komplett weg. Stattdessen verwende ich verschiedene Öle und Aloe Vera, um meine Haare zu pflegen.

Warum ist das für dich so großartig?

Meine Haare haben sich mit NoPoo so positiv verändert, ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll. Auch wenn es arg schwülstig klingt, war der Verzicht auf Shampoo und konventionelle Haarpflegeprodukte eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Mehr Haare habe ich zwar nicht auf dem Kopf und dicker geworden sind sie auch nicht. Aber: Sie sind kräftiger und haben deutlich mehr Struktur. Sie haben ein wundervolles Volumen und einen gesunden Glanz. Statt eines maximal schulterlangen Bobs, den ich dann trotzdem mit Spangen und Haargummis gebändigt habe, weil meine Haare bereits nach zwei Stunden strähnig wurden und alles Volumen verloren haben, reichen mir meine Haare inzwischen bis auf den oberen Rücken. Ich trage sie problemlos zwei, manchmal auch drei Tage nach dem Waschen noch offen und wasche nur noch alle fünf bis sechs Tage. Und auch mit Spliss und Haarbruch habe ich keine Probleme mehr. Meine Friseurin sieht mich nur noch alle halbe Jahr zum Spliss-Schnitt und da fallen dann maximal zwei Zentimeter.

Warum ist’s nachhaltig? Warum ist’s großartig für die Welt, für andere Menschen?

Zu Haarseife gewechselt bin ich nicht, weil ich mir davon schöneres Haar erhofft habe, sondern weil ich Plastikmüll vermeiden wollte. Meine Haarseifen beziehe ich von kleinen Seifenmanufakturen und die meisten verschicken ihre Produkte plastikfrei.

Anders als Shampoos, die neben verschiedensten Tensiden auch noch weitere, teilweise kritische Inhaltsstoffe enthalten (codecheck.de und TOXFOX helfen da weiter), bestehen handgesiedete Seifen vorwiegend aus pflanzlichen Ölen, die im Herstellungsprozess verseift werden. Es gelangt also deutlich weniger Mist auf meine Haut und auch ins Abwasser.

Und du? Wie hältst du dein Haupt rein und die Haare schön? Was hältst du von NoPoo-Alternativen wie “water only”, Waschen mit Roggenmehl etc.?

Wir freuen uns und sind gespannt auf deinen Kommentar!


Foto: Profilbild von Sabine, Titelbild “hair” von Samuel Globus, CC BY-NC-ND 2.0

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Wie du dich gegen die elenden Zustände in der Textilien-Branche wehrst

Inklusive Vor-Ort-Tipps Stuttgart!

In diesem Produkt-Beitrag geht’s um Textilien aller Art, die wir in Alltag und Haushalt benutzen. Da wären zum Beispiel: Klamotten, Handtücher, Bettwäsche, …

Allen gleich sind die leider gängigen, elenden Produktionsbedingungen, aber auch die Auswirkungen auf unseren Körper durch noch in den Textilien befindliche Chemikalien, teilweise Schwermetalle.

Einen Einstieg ins Problem gibt die ARD-Doku “Der H&M-Check” aus dem Jahr 2012, der in der ARD-Mediathek und im ARD-Kanal auf youtube zu sehen ist.

Was nun tun? Welche Lösungen finden wir?

1)   Wenn Neuanschaffungen nötig sind

Auf Zertifizierungen durch unabhängige Institute achten.

Diese erkennt ihr anhand eines Logos. Leider gibt’s davon eine große Anzahl, die als Augenwischerei eingestuft werden kann, also Vorsicht.

Verlassen können wir uns auf die beiden SEHR EMPFEHLENSWERTEN Zertifizierungen Global Organic Textile Standard (GOTS) und Naturtextil Best, laut “Textil-Fibel 4” von Greenpeace. Die Textil-Fibel enthält weitere Empfehlungen, ich habe hier nur die beiden am besten bewerteten Zertifizierungen genannt.

Einkaufen bei Geschäften oder Versandhandeln, die ausschließlich zertifizierte Öko-Ware führen.

Toll ist, dass durch die steigende Nachfrage das Angebot an Anbietern gewachsen und die Preise für Öko-Klamotten & Co. gesunken sind. Seit einiger Zeit machen wir gute
Erfahrungen mit Armed Angels*, Greenality* (Onlinehandel & Laden in Stuttgart), Maas Natur oder auch mit den kleineren Produktpaletten von GreenpeaceMagazin-Warenhaus und BUNDladen.

Weitere Möglichkeiten sind Glore* (Onlinehandel & Laden in Stuttgart) oder Hessnatur*.

Wirf einen Blick in meine Empfehlungsliste. Sicher findest du einen für deinen Geschmack passenden Anbieter. Viel Freude beim Stöbern!

Einkaufen in Second-Hand-Boutiquen.

In Stuttgart beispielsweise bei Obscür nahe der Königstraße.

Ausschau halten nach Kleidertauschbörsen.

Eigene, nicht mehr benötigte Klamotten mitbringen, abgeben, und im Gegenzug aus dem Sortiment Kleidungsstücke auswählen und mitnehmen.

Auch in Stuttgart gibt es seit Jahren immer wieder solche Events, beispielsweise in der VHS am Rotebühlplatz/Stadtmitte oder veranstaltet durch Greenpeace Stuttgart. Einfach dort mal einen Blick in die Termine werfen.

2)   Altes nicht wegwerfen, sondern upgraden

Textilien einfach nachfärben.

Ausgebleichte, abgenutzte oder verwaschene Hosen, Jacken etc. lassen sich leicht mit einer Packung (Nach)Färbemittel aus Drogeriemarkt oder Bastelladen wieder schick machen. Diese Packungen sind nicht sehr teuer, damit aber nicht zu viel überschüssige Farbe zum Einsatz kommt und später im Abfluss landet, lohnt es sich, MEHRERE Kleidungsstücke, vielleicht auch Kissenbezüge oder ähnliches, mitzufärben.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Angaben auf der Packung übermäßig gut gemeint sind: Man kann gerne mehr Klamotten in den Färbevorgang geben als auf der Packung angegeben. Eine dankbare Sache sind beispielsweise halb oder zu Dreiviertel volle Waschmaschinenladungen mit schwarzen Klamotten.

Unser Sessel hat so drei Farbstufen mitgemacht: Erst war er beige; die ersten Flecken und Abnutzungserscheinungen waren so hartnäckig, dass wir sie hellgrün überdeckt haben; später wurde ein Petrol-Grün-Blau daraus.

Ausbesserungen selbst erledigen oder machen lassen.

Kleine Macken und Löcher lassen sich innerhalb weniger Minuten mit Nadel und Faden reparieren. Vielleicht macht das die Oma, Mama oder jemand anderes aus Bekannten- und Verwandtenkreis auch gerne?

Noch Brauchbare, aber ungenutzte Kleidung weitergeben.

Für Hosen, die nicht mehr passen, Pullis, die nicht mehr gefallen, oder anderes, das einfach schon ewig ungenutzt im Schrank liegt, finden sich sicherlich neue Besitzer.

Kleidertauschbörsen haben den Vorteil, dass man selbst wieder ein oder mehrere neue Kleidungsstücke finden kann. Über Second-Hand-Boutiquen und Flohmärkte kannst du deine Klamotten gegen Kleingeld tauschen. Das funktioniert gelegentlich auch über facebook-Gruppen wie Flohmarkt Stuttgart.

Ganz entspannt funktionieren auch Verschenk-Gruppen wie Free your Stuff Stuttgart, hier holen die Interessenten die Ware einfach bei dir zuhause ab, du hast also keinen großen Aufwand damit.

Oder du schenkst das aussortierte Gut einfach einer Einrichtung, die dafür Verwendung hat, in Stuttgart beispielsweise der Fairkauf von Caritas. Auch die Kleiderkammern der Flüchtlingsunterkünfte benötigen immer wieder Nachschub. Hier werden allerdings oft spezielle Sachen gesucht, man kann meist nicht einfach tütenweise Material abgeben.

3)   Selbermachen

Dass selbstgenähte Kleidung, Wohnungsausstattung etc. nicht pauschal besser ist als Gekauftes, versteht sich von selbst. Aber man spart dadurch einerseits das Verschiffen von Stoffen zu den Orten, wo genäht wird. Andererseits muss für selbst Genähtes keine Näherin ihre Gesundheit für uns aufs Spiel setzen. Darum: Daumen hoch für Selbermacher_innen!

Stoffe aus “guten” Quellen kaufen.

Von Kirsten Brodde, die sich professionell mit Textilien, öko&fair, auseinandersetzt, bekam ich eine tolle Empfehlung: der Stoffladen Siebenblau in Berlin mit umfangreichem Online-Shop. Stoffproben bekommt man auf Wunsch im Vorhinein zugeschickt, das ersetzt das “Anfassen”, das bei Online-Bestellung ja nicht möglich.

Seit einiger Zeit bestelle ich mindestens genau so gerne bei Meterwerk.

Auch Lillestoff führt zertifizierte, hübsche Stoffe. Allerdings muss man genau hingucken, denn es ist ein Mischsortiment mit konventioneller Ware.

In Stuttgart bietet der Stoffladen Stoff-Ideen eine Auswahl an zertifizierten Textilien an, und zwar vom Hersteller C. Pauli.

Mehr hierzu findest du in meinen Empfehlungen.

4)   Weiterführende Infos liefert die Textil-Fibel

Wer mehr erfahren möchte, ist mit der bereits erwähnten Textil-Fibel von GreenpeaceMagazin gut beraten. Sie informiert in sechs Kapiteln prägnant über das, was man als Konsument einfach wissen muss:

  • “Moral und Mode” mit Ökobilanz, Wer verdient an einer Jeans? etc.
  • “Chemie im Stoff” von der Vorbehandlung bis zur Konservierung z.B. mit Formaldehyd
  • “Lexikon” über Natur- und Chemiefasern, Stoffe und Gewebe
  • “Pflege”
  • “Kaufen” mit den Themen Greenwashing, diverse Öko-Zertifizierungen für Textilien, Allergien, Tipps fürs Einkaufen
  • “Service”-Teil mit unglaublich vielen Bezugsadressen für Ökomode und weiterführende Informationsquellen.
Ich freue mich auf weitere Tipps, Hinweise und Ergänzungen von euch!

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Foto: “Baumwolle” von Alex Behrens, CC BY-NC-ND 2.0

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* Dies ist ein Affiliate Link für einen meiner Meinung nach empfehlenswerten Shop oder Artikel. Ich schreibe meine Texte unabhängig und frei aufgrund meiner persönlichen Erfahrung. Nur an wirklich passenden Stellen setze ich einen solchen Link. Dabei achte ich sehr darauf, dass Produkt- und Unternehmensqualität meinen Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht wird. Für dich hat ein Klick keine Auswirkungen. Für mich springt evtl. eine kleine Entlohnung für meine Arbeit raus, eine goldene Nase verdiene ich mir nicht.

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Urlaubs-Aprikosen: Wie man eine Obst-Schwemme bewältigt

Unser doch recht spontaner Provence-Trip ist vorüber. Neben Erinnerungen an eine schöne, entspannte, sonnige Zeit dort bleiben uns:

Zwei Holzkisten leckerer, selbst geernteter Bio-Aprikosen  🙂

Die Challenge besteht darin, die Früchte aufzuessen oder zu verarbeiten, bevor sie schlecht werden und wir sie auf den Kompost geben müssen. Zwar würden sie auch dort einen Zweck erfüllen – immerhin wird irgendwann Erde daraus -, aber besser gefällt mir natürlich das Konsumieren!

Zum Aufessen sind es zu viele, daher ging’s gestern ans Verarbeiten. Entstanden sind mehrere Gläser Aprikosen-Mus, ein Glas getrocknete Früchte, eine Schale roher Aprikosen im Kühlschrank zum Naschen, einige Gläser Brombeer-Aprikosen-Smoothie und bei Pia ein Aprikosen-Streusel-Kuchen.

Getrocknete Aprikosen

Von den frischen Aprikosen sowohl die Steine als auch die nicht so guten Stellen entfernen.

Die Fruchthälften in eine Schale tauchen, in der 1/2 Liter warmes Wasser und drei Esslöffel Zitronensaft vermischt wurden. Durch die Säure bleibt den Früchten ihre typische Farbe besser erhalten, sie werden nicht so schnell braun.

Lose auf Backblechen oder -gittern verteilen. Ich hatte drei Bleche gleichzeitig im Ofen. Bei 100 Grad oder weniger verbringen die Früchte nun einige Stunden im Backofen. Ganz schön energieintensiv! Zwischendurch habe ich die Ofentür kurz geöffnet, um die feuchte Luft entweichen zu lassen.

 

Aprikosen-Mus

Aprikosen entsteinen und schlechte Stellen entfernen, bis zwei Kilogramm zusammengekommen sind. Mit etwas Wasser in einem Topf aufkochen, Deckel drauf, bei niedriger Temperatur 15 Minuten dünsten.

In einem zweiten Topf etwas kaltes(!) Wasser mit 60 Gramm Konfitura verrühren, bis keine Klumpen mehr sichtbar sind. Zucker zugeben. Menge? Ich habe 350 Gramm Zucker verwendet, das Mus ist uns nun zum Einfach-So-Essen allerdings etwas zu süß. Beim nächsten Mal würde ich auf 200 bis 250 Gramm reduzieren.

Die gedünsteten Aprikosen inklusive Flüssigkeit durch eine Flotte Lotte drehen, als Auffangbehälter direkt den Topf mit dem Wasser-Konfitura-Zucker-Gemisch verwenden.

Unter Rühren aufkochen, einige Minuten bei schwacher Hitze köcheln lassen, möglichst heiß abfüllen und die Gläser schnell verschließen.

Nach dem Abkühlen können bei den Weck-Gläsern die Clips entfernt werden, da die Deckel durch den im Glas entstandenen Unterdruck festgehalten werden. Sollte ein Deckel lose sein, ist das Glas nicht für’s Vorratsregal geeignet, sondern zum Direkt-Verzehr 😉

Twist-Off-Gläser stellt man nach dem Heiß-Einfüllen für ein paar Minuten auf den Kopf. Dann wieder umdrehen und abkühlen lassen. Dabei sollte sich der Deckel nach unten Einziehen. Tut er das nicht, sondern bleibt eine Wölbung nach außen stehen, darf das entsprechende Glas ebenfalls nicht in den Vorrat, sondern kann direkt verspeist werden.

 

Aprikosen-Kuchen

Verrät uns Pia das Rezept für ihren leckeren Streusel-Apikosen-Kuchen?

 

Aprikosen-Brombeer-Smoothie

Im eigenen Garten gibt’s gerade Brombeeren zu ernten. Was steht euch an Früchten zur Verfügung? Auch auf Spaziergängen kann man allerhand finden und ernten, an frei wachsenden Hecken zum Beispiel, Frei-Ernte-Möglichkeiten in deiner Nähe findest du unter mundraub.org.

Wir geben Brombeeren, Aprikosen und Wasser in ein Gefäß, pürieren ein Mal kräftig durch, und fertig ist das leckere Getränk. Gesund ist es außerdem, denn dem Körper werden die enthaltenen Nährstoffe bereits in stark zerkleinerter Form angeboten. Die Verdauung und Aufnahme funktioniert so ziemlich leicht. Vor allem Wenig-Kauer dürften von dieser Zubereitungsvariante profitieren 😉

 

… und der Nasch-Rest

Roh schmecken die Früchte natürlich super lecker, daher wurden nicht alle verarbeitet. Bon’app!

Öko Möbel – Einrichtung mit Bedacht auswählen

Schon mal einen Tisch von innen gesehen?

Ich jedenfalls war – trotz einschlägigem Studium – überrascht, als mir kürzlich unterwegs eins dieser seit einigen Jahren weit verbreiteten Beistell-Tischchen begegnete. Sicher kennst du sie von Freunden oder Verwandten oder besitzt selbst eins.

Dieses eine jedenfalls stand auf dem Gehweg, im Regen, ein etwas trauriger Anblick, offensichtlich war es des Hauses verwiesen.

Typisch für unsere Zeit?

Unsere Haushaltsausstattung ist an Schnelllebigkeit unübertroffen, historisch betrachtet. Wir besitzen eine große Anzahl an Dingen, gleichzeitig ist der Durchlauf enorm. Ihren weltweiten Erfolg – immerhin 28,7 Mrd. Euro Umsatz und 147.000 Mitarbeiter im Jahr 2014 – hat sich der Gründer DER schwedischen Möbelhauskette Mitte des letzten Jahrhunderts vielleicht erträumt, sicherlich nicht erwartet. Wir karren Möbel (und Anderes) wagenweise aus den Einkaufshäusern, und das nicht etwa nur bei größeren Umzügen, sondern alle paar Monate. Verrückt, nicht?

Aus welchen Beweggründen auch immer wir unseren Möbelbestand verändern: Was raus aus der Bude wandert, muss ja irgendwo hin. Gut, wenn es vorerst neue Nutzer unserer nicht mehr gebrauchten Möbel gibt. Was aber kommt dann?

Nachhaltig ist, Dinge möglichst lange bei möglichst gleich bleibender Qualität in Nutzung zu haben. So wird wenig Material und Energie zur Neuherstellung benötigt. Gleichzeitig entsteht kein Abfall, der mangels Recyclingfähigkeit auf einer Deponie landet – oder im Meer, oder in einer Verbrennungsanlage, oder wo auch immer. Damit erst gar kein Abfall entstehen und ein Gegenstand als nachhaltig bezeichnet werden kann, ist die Materialwahl von großer Bedeutung. Reines Holz lässt sich verbrennen. Metall weiterverarbeiten. Ein Kunststoff, “veredelt” z.B. mit Holz zu einem Holzverbundstoff, landet üblicherweise im Restmüll.

1. möglichst lange in Nutzung: Fehlanzeige.

Zurück zu unserem Beistell-Tisch: Im Bestfall hat es ein paar Jährchen auf dem Buckel. Schätzungsweise genügen meine beiden Hände, um die Lebensdauer dieses Möbels in Jahren zu zählen. Möglicherweise genügen auch drei Finger. Ist das nun “lange”?

2. Möglichst gleich bleibende Qualität: nope!

Wie das Tischchen gegen Ende der Nutzungsdauer aussah, ist schwer zu sagen. Das Qualitätsniveau kann jedenfalls dann gehalten werden, wenn der Gegenstand reparier-/ sanierbar ist. Abgedellte Kanten bei Holzfurnier lassen sich kaum wieder herstellen. Eine verkratzte Furnier-Oberfläche muss ersetzt werden, denn Abschleifen wie bei einer massiven Holzoberfläche zerstört die Optik und – im Falle dieses Tischchens – eventuell sogar die Stabilität, da die Deckplatte sehr dünn ist. Reparieren/ Sanieren wird definitiv schwierig.

3. Wahl des Materials

Woraus besteht unser Tischchen? Den größten Anteil haben Holz-Verbundstoffe, in diesem Fall Spanplatten. Sie enthalten neben Holz ein Klebemittel, auch andere Stoffe können enthalten sein. Spanplatten dürfen nicht in Öfen verfeuert werden, sondern müssen “klassisch entsorgt” werden, landen also auf dem Müll. Allein das Tischplatten-Innere aus Karton kann recycelt werden. Eine klägliche Ausbeute an weiter verwendbarem Material, wie ich finde.

Was meint ihr dazu?
Welche Möbel brauchen wir wirklich?
Welche nutzen wir gern?

Mir ist in den letzten Jahren bewusst geworden, dass ich am liebsten “echte” Oberflächen anfasse, also beispielsweise massives Holz, ob rauh oder glatt, aber auch Keramik, Glas, Metall. Bei Möbeln distanziert sich mein Gefühl immer mehr von Verbundstoffen mit Kunststoff. Sie fühlen sich für mich nicht gut an, sind so unauthentisch, nicht kalt und nicht warm, daher verzichte ich gerne auf derlei Möbel.

Welche Möbel nutzt ihr?
Wie fühlen sich eure Lieblingsmöbelstücke an?
Mit welchen Materialien umgebt ihr euch gerne und fühlt euch wohl?

Ich bin gespannt und freue mich auf eure Antworten!

Eure Kerstin

 

öko Möbel – Wie du dein Interior auswählst
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