Nähen: 5 Wege, wie dein geliebtes DIY-Hobby nachhaltiger wird [und warum es bereits nachhaltig ist]

Du bist Selbermacher_in und im DIY-Fieber? Du nähst Kleidung, Equipment, Wohntextilien? Verkaufst vielleicht sogar bei DaWanda oder Etsy? Total toll!

Mit dem Nähen erreichst du bereits sehr viel: Dein Slavery Footprint schrumpft. Denn du lässt keine Näherinnen in elender Arbeitssituation in Bangladesh oder anderswo für dich schuften.

Wie kann‘s noch nachhaltiger werden, das Nähen?
Fünf Punkte aus meiner Erfahrung.

Kaufe nur GOTS-zertifizierte Stoffe

GOTS steht für Global Organic Textile Standard. Mehr zu diesem Thema und genauere Infos zu Öko-Stoff-Zertifizierungen findest du im Artikel Wie du dich gegen die elenden Zustände in der Textilien-Branche wehrst.

Für deine Passion, das Nähen, findest du Stoffe online zum Beispiel bei Meterwerk oder Siebenblau. Beide sind toll, da sie konsequent auf Öko achten.

Meterwerk ist mir aktuell am sympathischsten. Es gibt einen Laden in Augsburg. Der Shop führt auch die großartigen Schnittmuster von minikrea aus Dänemark. Baby- und Kinderkleidung zum Verlieben!

Siebenblau war vor vielen Jahren der erste Anbieter mit Bio-Stoffen, den ich entdeckt habe. Es gibt eine breite Palette an Waren, auch hübsche Spitzenbänder, erscheint mir aber etwas teurer. Es gibt einen Laden in Berlin (Prenzlauer Berg natürlich, gentrification case?). Siebenblau selbst ist GOTS-zertifiziert.

Auch bei Lillestoff habe ich schon langlebigen, strapazierfähigen, schönen Öko-Stoff gekauft. Ein Teil des Sortiments ist nicht GOTS-zertifiziert, angeblich „trotzdem aber nachhaltig produziert“. Das ist ziemlich nichtssagend und führt dazu, dass ich Lillestoff nur eingeschränkt weiterempfehlen möchte. Grund: Es ist verlockend, gleich noch von diesem oder jenem hübschen, aber leider nicht GOTS-zertifizierten Stoff mitzubestellen, wenn man ohnehin schon bestellt.

Nach Herzenslust stöbern und vor allem direkt anfassen kann ich Öko-Stoffe inzwischen hier in Stuttgart bei Stoff-Ideen in der Sophienstraße. Ein ziemlich großer Stoffladen, ganz klassisch mit -leider- konventionell produzierter Ware. Mittendrin, wie eine Insel für mich, ein Regaltisch mit einer tollen Auswahl an unterschiedlichen Stoffen von C. Pauli, neben Jersey und Standard-Webware auch Bündchenstoffe und Frottee.

Verwende keine Stoffe mit Elasthan und anderen Kunstfasern auf Erdöl-Basis

Ausgediente Textilien gebe ich am liebsten in den Kompost im Garten. Der beste Müll ist der, aus dem die Regenwürmer und Mikroorganismen frische, gute Erde machen, finde ich. Baumwollstoffe und Schurwollprodukte sind für diese Kreislaufwirtschaft prädestiniert.

Vorausgesetzt, es ist keine Kunstfaser auf Mineralölbasis enthalten. Wenn du die auf den Kompost gibst, produzierst du dir deine eigene Mikroplastik-verseuchte Erde. Muss nicht sein.

Mehr dazu, welche Textilfasern ich in meinen Kleiderschrank lasse und warum erfährst du hier.

Verwende Baumwollgarn statt des Polyester-Standardfadens

Plastikfrei beim Nähgarn? Geht! Das Garn Scanfil bio ist aus 100% Bio-Baumwolle, GOTS-zertifiziert und -als zusätzliches Schmankerl- auf eine Spule aus Holz statt Plastik gewickelt. Leider ist die Homepage des niederländischen Herstellers Forbitex super alt, Infos zum Garn findet man in deutschen Händler-Webshops.

Scanfil bio ist etwas weniger reißfest als Polyester-Nähgarn. Wer mit der Overlock näht, sollte keinen Unterschied merken. Ich bekomme mit normaler Nähmaschine und Zwillingsnadel oder Zick-Zack-Stich eine dehnbare Naht auch mit diesem Garn sehr gut hin.

Vorteilhaft ist bei Scanfil bio außerdem, dass du alle Reste und irgendwann auch das Kleidungsstück bedenkenlos auf den Kompost geben kannst. Bei Polyestergarn hättest du dir so Plastik in die wertvolle Gartenerde geholt.

Wähle deine Werkzeuge mit Bedacht

Überlege gut, ob und welche Nähmaschine du dir zulegst. Muss es unbedingt eine eigene, neue Overlock sein? In vielen Haushalten stehen Nähmaschinen und Overlocks im Dornröschenschlaf im Schrank. Hör dich um, bestimmt findest du Freunde oder Freundesfreunde, die dir ihre Maschine für eine Weile leihen. So kannst du testen, was dir taugt, und vermeidest Fehlkäufe.

Welche Werkzeuge nutzt du wirklich gerne? Welche nerven dich? Finde es heraus, BEVOR du kaufst!

Früher war alles besser, also: Re-Use

Zu den Werkzeugen zählen auch Nadeln, Stoffschere, Maßband, Lineale etc. All das gibt‘s heute für relativ wenig Geld zu kaufen. Leider ist vieles davon so kurzlebig wie der Preis klein ist. Das meiste Neue steckt erst mal in einer Plastik-Umverpackung zum Wegwerfen. Und wer stellt diese ganzen Sachen überhaupt her? Unter welchen Arbeitsbedingungen?

Darum: Hat nicht die Oma noch eine Best-Quality-Stoffschere aus der guten, alten Zeit, die sie nicht mehr braucht? Oder findet sich gar ein Stoff-Schätzchen auf Tante Helgas Dachboden?

Re-use-n, Wiederverwenden ist angesagt. Und macht gerade beim Nähen furchtbar Sinn, denn früher war die Qualität der Dinge tatsächlich oft besser als heute.

Ich bin sicher: Dein Werkzeug ist bereits ganz in deiner Nähe. Du musst es nur aufspüren. Viel Erfolg dabei!

Das leckerste DIY Brot ever: Brot backen für Sauerteig-Anfänger

Roggenbrot & andere Brote backen aus Sauerteig

Selbermachen fördert das Bewusstsein über die Dinge.

  • Wer einen Landwirt beim Bestellen der Felder beobachtet,
  • wer dem Imker bei der Arbeit am Bienenvolk über die Schulter schaut,
  • wer mit den Kids ein Baumhaus zimmert,
  • wer versucht, selbst Gemüse im Garten anzubauen –

Der weiß, wie wertvoll all die Dinge sind, die uns zur Verfügung stehen. Unterschiedlichste Sachen auszuprobieren und in mein und unser Leben zu integrieren, das tut mir gut. Einer der Orte, an denen ich meine Neugier stille, ist die Küche.

Immer wieder habe ich in den letzten Jahren Brot gebacken. Manche sind besser gelungen, manche schlechter. Bis es nun endlich rund läuft:

Selbst gemachtes Brot
aus Mehl, Wasser und Salz.

Sonst nix.

Wie dir das ebenfalls gelingt, liest du hier.
Viel Freude beim Ausprobieren!

  1. Sauerteig basics
  2. Das Starter-Glas im Kühlschrank
  3. Brot backen
  4. weiterführende Empfehlung

Suchst du weitere DIY-Anleitungen für ein nachhaltiges Leben?

Sauerteig basics

Sauerteig selbst ziehen

Im Vorhinein habe ich mir einen Sauerteig gezogen. Sauerteig ist eine Symbiose von Hefen und Milchsäurebakterien. Durch sie kommen Triebstärke und Geschmack zustande.

Mein Fazit nach einem Experiment mit unterschiedlichen Ansätzen: Zieh dir nach dieser Anleitung von Stefanie einen eigenen Sauerteig. Das dauert vier Tage. Du benötigst nur Roggenvollkornmehl, Wasser und ein Gefäß.

Temperatur-Optimum 25 Grad

Der Sauerteig passt sich an die Umgebungstemperatur an: Je wärmer es der Sauerteig hat, desto aktiver sind die Hefen, die für die Triebstärke zuständig sind. Je kühler, desto mehr rückt der typische Sauerteiggeschmack in den Vordergrund, den die Milchsäurebakterien bestimmen. Als goldene Mitte kannst du 25 Grad ansetzen. Alles darüber (bis 28, 30 Grad) ist für den Sauerteig “warm”, alles darunter “kalt”.

Hast du ein Thermometer? Auch ein Bade- oder analoges Fieberthermometer geht. Es lohnt sich nämlich, ein Mal die eigene Wohnung zu durchforsten: Gibt’s ein eher warmes Örtchen irgendwo? Bei uns ist das auf dem Aquarium. Hier sind es tagsüber 24 bis 25 Grad, perfekt für den Sauerteig.

Behelfen kannst du dir, wenn der Teig bei Raumtemperatur nicht richtig aufgeht, indem du im Backofen nur das Licht anschältst und die Tür geschlossen lässt. Zieht zwar Strom, aber um dem Sauerteig auf die Sprünge zu helfen, darf das schon mal sein, finde ich. Thermometer beilegen und immer wieder checken!

Spar dir den Hefe-Zusatz

Man muss beim Backen keine extra Hefe zusetzen, weder frische Hefe aus dem Kühlregal, noch Trockenhefe aus dem Beutelchen. Super, oder? Damit spart man einerseits Geld, andererseits bleibt kein Verpackungsmüll übrig.

Das Starter-Glas im Kühlschrank

In unserem Kühlschrank steht ein bauchiges Weckglas mit lose aufgelegtem Glasdeckel, in dem der Sauerteig ruht und auf seinen nächsten Einsatz wartet.

Ich entnehme pro Back-Session 20 Gramm. Daraus backe ich zwei Brote zu je zirka 700 Gramm.

Etwa ein Mal im Monat werden die fleißigen Helferchen im Glas, die tollen Hefen und Bakterien, gefüttert:

  1. Zu gleichen Teilen alten Sauerteig, Roggenvollkornmehl und Wasser mischen, zum Beispiel 100g Teig + 100g Mehl + 100g Wasser.
  2. Alles in ein frisches, sauberes Glas geben.
  3. Das Gemisch an einem warmen Ort (25 bis 30 Grad) stehen lassen, bis das Volumen deutlich zugenommen hat. Es kann gut und gerne das doppelte Volumen oder mehr werden.
  4. Wenn der Sauerteig seinen Wachstumshöhepunkt erreicht hat und bevor er in sich zusammenfällt, wandert das Glas wieder in den Kühlschrank. Das ist nach rund vier Stunden der Fall, je nach Temperatur und persönlicher Befindlichkeit deines klebrigen Kollegen.

Brot backen

Sauerteigbrot zu backen, das funktioniert nur mit Liebe, wie ich von Stefanie gelernt habe. Für mich bedeutet das: Ich schenke dem Teig die Aufmerksamkeit, die er braucht. Das hat etwas Meditatives und bringt mir Ruhe. Probiere es aus – Wie geht es dir damit?

Ich beginne abends, vor einem unverplanten Vormittag, also meist freitags oder samstags. Das funktioniert auch, wenn abends noch Programm ist, denn der erste Schritt ist kurz.

Einstimmung: der Ansatz am Abend

Abends gebe ich

  • 200g Mehl
  • 200g Wasser
  • 20g Sauerteig

in eine Rührschüssel. Mit einem Teelöffel verrühre ich alles einige Sekunden, bis der Teig keine Klümpchen mehr enthält. Die Schüssel stelle ich mit Deckel aufs Aquarium (abends ~24 Grad, nachts kühler).

Welches Mehl verwenden?

Uns schmeckt eine Mischung aus halb Roggenvollkorn- und halb 1050er-Weizenmehl sehr gut. Ich achte darauf, immer einen Anteil Roggenvollkorn im Teig zu haben (mindestens ein Viertel). Mit dem Rest variiere ich.

1/2-stündiger Rhythmus am Vormittag

Nach dem Frühstück – was bei uns am Wochenende zu ganz unterschiedlichen Zeiten stattfindet 😉 – beginnen 2,5 intensivere Stunden.

In der Rührschüssel werden erst einmal folgende Zutaten vermischt:

  • Ansatz vom Abend
  • 800g Mehl (Mischung wie oben)
  • 450g Wasser

* 1/2 Stunde Pause *

20 Gramm Salz zugeben. Fünf Minuten kneten. Das trainiert die Handmuskeln. Der Teig ist noch sehr klebrig und zäh. Keine Sorge, das wird besser. Ich achte darauf, auch das am Rand klebende Material mitzukneten, indem ich es immer wieder zur Mitte hin streiche.

* 1/2 Stunde Pause *

Jetzt wird gefaltet. Mit einer Teigkarte, einem handgroßen, kartenförmigen, stabilen Teigschaber, stürze ich den Teig auf die bemehlte Arbeitsplatte. Ich ziehe ihn mit bemehlten Händen auseinander. Dann falte ich ihn von unten zur Mitte, von oben zur Mitte, von links zur Mitte, von rechts zur Mitte. Zurück in die Schüssel, Deckel drauf, fertig.

* 1/2 Stunde Pause *

Jetzt wird wieder gefaltet.

* 1/2 Stunde Pause *

Und nochmal falten.

* 1/2 Stunde Pause *

Ruhen – backen – essen

Jetzt ist es fast geschafft. Den Teig in zwei Portionen teilen. Beide Portionen separat ein letztes Mal falten. In zwei separate, bemehlte Schalen legen und abdecken.

Nach 2 Stunden eine flache Schale mit Wasser in den Backofen stellen, Blech rein, Ofen vorheizen auf 225 Grad.

Wenn die Temperatur erreicht ist: Heißes Blech aus dem Ofen holen, Mehl darauf streuen (Backpapier ist nicht notwendig), beide Teiglaibe nebeneinander mit etwas Abstand auf das Blech stürzen. Mit einer Teigkarte klappt das sehr gut. Die Oberfläche der Laibe einschneiden.

Wichtig: Jetzt nicht mehr kneten, sonst zerstörst du die in den letzten beiden Stunden entstandene Struktur, die deine Brote fluffig macht.

Das Blech möglichst schnell wieder in den Ofen schieben. Der Ofen heizt nun nach, um wieder auf 225 Grad zu kommen. Wenn die Temperatur erreicht ist, runterschalten auf 200 Grad, Tür geschlossen halten. Backzeit insgesamt 45 Minuten – Die Zeit läuft, sobald das Blech im Ofen ist.

Uuuund, hat’s geklappt?
Wie schmecken deine Brote?

Ich bin gespannt auf deinen Erfahrungsbericht!

Weiterführende Empfehlung

 Hefe und mehr: Lieblingsbrote selbstgebacken Brot backen: Ein Kurs für AnfängerWenn dir das Backen Spaß macht, empfehle ich dir die tolle Internetseite Hefe und mehr von Stefanie oder ihre Bücher Hefe und mehr: Lieblingsbrote selbst gebacken* oder Brot backen – Ein Kurs für Anfänger*.

Als ursprüngliches Rezept habe ich Brotbacken für Anfänger XIV: Das erste Sauerteigbrot verwendet und es dann immer mehr an unseren Geschmack, unseren Alltag und meine Routine angepasst.

Viel Freude beim Experimentieren, gutes Gelingen und bon appétit!

Eure Kerstin

 

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* Dies ist ein Affiliate Link für einen meiner Meinung nach empfehlenswerten Shop oder Artikel. Ich schreibe meine Texte unabhängig und frei aufgrund meiner persönlichen Erfahrung. Nur an wirklich passenden Stellen setze ich einen solchen Link. Dabei achte ich sehr darauf, dass Produkt- und Unternehmensqualität meinen Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht wird. Für dich hat ein Klick keine Auswirkungen. Für mich springt evtl. eine kleine Entlohnung für meine Arbeit raus, eine goldene Nase verdiene ich mir nicht. Kennst du buch7.de, den Buchhandel mit der sozialen Note? Das ist DIE Alternative. Ganz nebenbei unterstützt du mit deinen Einkäufen soziale und ökologische Projekte.

Die 5 nachhaltigsten Geschenkideen für Weihnachten

Du bist auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für deine Lieben? Lass dich inspirieren von diesen Vorschlägen für mehr Nachhaltigkeit unterm Christbaum.

Nichts schenken – nach Absprache

Schenken ist etwas Schönes. Schenken tut der Seele gut – sowohl beim Schenkenden als auch beim Beschenkten. Beschenkt zu werden ist spannend und fühlt sich durchaus wunderbar an.

Die Schenkerei kann aber auch zu viel werden:

  • Wenn das ungeschriebene Gesetz gilt, dass jede/r jeder/jedem etwas zu schenken hat.
  • Wenn man kurz vor Heiligabend noch immer ohne passende Idee für Person XY dasteht.
  • Wenn vor lauter “Ich muss noch Dies besorgen und Jenes vorbereiten” die Weihnachtszeit nicht ruhig und gemütlich sein kann, sondern hektisch und stressig wird.

Überlege dir daher, wen du wirklich beschenken möchtest.

Gehe die Liste an Personen durch, für die du nach guten Ideen suchst. Was würde passieren, wenn du dem Großteil dieser Leute vorschlägst, dass ihr euch dieses Jahr nichts zu Weihnachten schenkt?

Möglicherweise geht es auch deinem Gegenüber so wie dir – einfach keine passende Geschenkidee im Kopf.  Schenkt euch die gegenseitige Erleichterung, dass ihr euch einfach nichts schenkt.

  • Ihr profitiert beide durch weniger Vorweihnachtsstress.
  • Nebenbei ladet ihr euch keine Konsum-Ausgaben auf euer Ökobilanz-Konto,
  • ihr benötigt weder Zeit noch Energie (Kraftstoff) für Fahrten zum Laden oder für Online-Bestellungen, und
  • es fällt kein Verpackungsmüll an (Jää, plastikfrei!).

Minimalismus kann durchaus befreien, auch wenn es manchmal schwer fällt.

Sich gemeinsame Zeit schenken

Mit dem vorigen Schritt hat sich die Liste der zu Beschenkenden möglicherweise schon drastisch reduziert. Glückwunsch!

Bestimmt ist dir aufgefallen, dass sich bei einigen Personen die Idee vom Nichts-Schenken einfach falsch anfühlt. Denn du magst diese Menschen so gerne! Leider fehlt dir die perfekte (Sachen-)Geschenkidee oder möchtest du keine Dinge verschenken?

Schlage diesen Freunden oder Familienmitgliedern vor, dass ihr euch in diesem Jahr keine Sachgeschenke macht, sondern Zeit miteinander verbringt. Wie wäre es, sich einfach auf einen Glühwein am Weihnachtsmarkt zu verabreden? Oder zum gemeinsamen Plätzchenbacken zuhause? Oder auf einen Waldspaziergang?

Was uns bei dieser Gruppe von Menschen oft fehlt, ist gemeinsam verbrachte Zeit.

Nutzen wir die Besinnlichkeit der Dezembertage, um uns auf die Lieben zu besinnen: Wir wünschen uns eine gute Zeit mit ihnen, also nehmen wir sie uns! Den Shopping- und Vorbereitungs-Rush lassen wir in diesem Fall einfach mal aus.

Gemeinsam verbrachte Zeit lässt sich auch als Geschenk am Heiligabend verpacken. Wenn du also keine “Wir schenken uns keine Sachen”-Absprache im Vorhinein treffen willst, schaue bei Zeit statt Zeug vorbei und lass dich inspirieren. Dann stehst du nicht mit leeren Händen da, sondern kannst dein Bedürfnis nach Schenken befriedigen.

Wichteln: ein richtig tolles Geschenk für eine Person

Seit einigen Jahren wird in unserer Familie gewichtelt. Sprich: Irgendwann im Herbst schreiben wir unsere Namen auf Zettelchen und jede/r darf einen Zettel ziehen. Mit dabei sind die Uroma, die Großeltern, zwei Eltern-Pärchen und ein Single-Bruder, dazu inzwischen sogar die beiden ältesten Töchter mit neun und acht Jahren. Das macht zehn Personen.

Mit dieser Entscheidung haben wir uns Weihnachten zurückerobert: Es ist schön, sich die Zeit zu nehmen, über ein richtig tolles Geschenk nachzudenken. Was kommt wohl gut an? Oder vielmehr geht es darum, sich die Zeit für einen Menschen zu nehmen. Was beschäftigt die Person aktuell? Braucht er oder sie Unterstützung bei Irgendetwas? Womit kann ich ihm oder ihr etwas Gutes tun? Was wäre witzig, was bereitet Freude?

Der gute, alte Geschenkgutschein

Ich bin unsicher: Sind Gutscheine aus der Mode gekommen? Weil sie allzu oft verfallen? Weil ein ToDo dranhängt?

Bei akuter Ideenlosigkeit halte ich den Geschenkgutschein für ein super Format – Wenn man auf die ersten beiden Vorschläge (s.o.) nicht zurückgreifen möchte. Denn:

  • Du wählst aus, für welchen Zweck oder bei welcher Firma der Gutschein gültig ist. Vom Brunch im Bio-Restaurant bis zum Einkauf im Öko-Klamotten-Onlineshop ist Vieles denkbar, was auch Menschen gefällt, die bisher kaum auf nachhaltigen Konsum Wert legten und eher konventionell unterwegs sind. Überrasche sie positiv!
  • Es muss nichts produziert, transportiert und verpackt werden, das dem Beschenkten möglicherweise gar nicht gefällt. Damit vermeidet man sowohl Müll und überflüssigen Energieverbrauch als auch schlechte Laune.

Wie wäre es mit einem Gutschein bei ArmedAngels* für öko und faire Kleidung? Wir kaufen hier selbst gerne ein.

Oder du regst die Freundin, die noch immer den alten Atomstrom-Tarif nutzt, aber doch irgendwie “öko” ist, zum Wechsel auf echt grünen Strom an? Ökostrom von Greenpeace Energy* ist eine saubere Sache. Der Grundpreis von 8,90€ pro Monat mal X lässt sich toll als Gutschein darstellen. Geschenk-Bonus: Du übernimmst soweit möglich den Papierkram?

Clevere Kombinationen

Zu Weihnachten gehört ein ordentliches Päckchen in Geschenkpapier mit Schleife, Bändel und Namensschildchen! Findest du das auch? Dann verbinde das klassische Auspacken mit dem Schenken gemeinsamer Zeit oder schau dir die konkreten Buch- und Sachideen weiter unten an.

Vorteil einer cleveren Kombi ist, dass es ein Geschenk zum Anfassen und Auspacken gibt, du also nicht mit leeren Händen dastehst. Du kannst hochwertige Produkte auswählen und auch bei der Geschenkverpackung auf Nachhaltigkeit achten. Ein wichtiger Teil des Geschenks kommt erst noch – nämlich in Form der gemeinsamen Zeit. Beispiel gefällig?

Deine Schwester träumt vom Minimalisieren und Leichterwerden, kommt im Familienalltag aber nicht in die Pötte. Schenke ihr

  1. das momentan so gehypte Buch Magic Cleaning* von der Japanerin Marie Kondo (Jäi, auspacken!),
  2. ein großes Glas ihrer Lieblingssüßigkeiten (bio! und Jäi, nochmal auspacken!) als Nervennahrung für
  3. einen gemeinsamen Ausmist-Tag (Datum direkt vereinbaren).

Geschenke solcher Art sind natürlich keine Kleinigkeit. Achte darauf, dich selbst nicht zu überfordern, sonst fällt das ganze Projekt möglicherweise ins Wasser. Wie oben beschrieben ist das Schenken gemeinsamer Zeit vor allem für die Personen geeignet, die dir wirklich, wirklich wichtig sind.

Bücher, Sachen, Kleinigkeiten aus der Nachhaltigkeitsecke

Neben den erwähnten Ideen beim Thema Der gute, alte Geschenkgutschein hier eine kleine Auswahl an konkreten Sachgeschenken:

Als Geschenk für werdende oder frisch gebackene Eltern empfehle ich wärmstens Artgerecht – Das andere Baby-Buch* von Nicola Schmidt. Ein Werk, das nicht nur Hintergründe erklärt, sondern für Gelassenheit sorgt. Warum nachhaltig? Weil es beispiesweise darin bestärkt, sich der sonst üblichen Materialschlacht zu entziehen – Baby und Eltern brauchen für ihr Glück wirklich nicht viele Dinge! Hätte ich mich für die Schwangerschaft mit, Geburt und erstes Lebensjahr von unserer zweiten Tochter für ein einziges Buch entscheiden müssen, wäre es ziemlich sicher dieses hier geworden.

Eine Bambus-Zahnbürste (gibt’s in Unverpacktläden, manchen Bioläden und bei dm) und ein Döschen selbstgemachter Kurkuma-Zahnpasta zum Beispiel für den dynamischen Junggesellen, der mit leichtem Gepäck reist und sonst nix braucht.

Alle reden von Bienen und Honig, aber nur wenige gucken genau hin. Bienen zu halten an sich ist nicht per se nachhaltig! Bildet euch eure Meinung über “gute” Bienenhaltung bei der Imkerei Summtgart und verschenkt ein Honig-Abo oder ein kleines Schnupper-Päckchen.

Für Kids im Kleinkindalter: Der Affenzahn Kinderrucksack* aus Bio-Baumwolle. Warum nachhaltig? Weil zum Beispiel auf den Plantagen für Bio-Baumwolle keine Pestizide ausgebracht werden. Robuste Verarbeitung, Reflektor-Augen, süßes Design. Wir haben diesen Rucksack Ende 2016 verschenkt an die kleine Nichte. Sie nutzt den Monster-Freund oft und gerne, darum empfehle ich ihn euch mit Freude weiter.

Die Vesperdose LunchBots aus Edelstahl* (nicht nur) fürs Schulkind. Wir haben lange ausprobiert, welche Dose unserer Großen für den Schulalltag am besten taugt. Mit dieser hier sind wir im Herbst 2016 endlich fündig geworden und seitdem super zufrieden. Warum nachhaltig? Die Dose ist super robust, daher kann man von einer sehr langen Nutzungsdauer ausgehen.

Das Buch Besser leben ohne Plastik* für motivierte Ausprobierer und Weltverbesserer. Eignet sich auch toll als clevere Kombi – einfach reinblättern, inspirieren lassen, zusammen umsetzen.


weitere Tipps

Von meiner guten Freundin Fanny: “ Darf ich ergänzen? Spenden statt schenken. Es gibt viele Organisationen, die eine Geschenkurkunde ausstellen, so dass man sogar trotzdem was in der Hand hat. z.B. https://www.regenwald.org/spende/urkunden oder auch bei Ärzte ohne Grenzen.” Eine gute Idee, denn viele von uns Erwachsenen finden ja, dass sie alles haben, was sie brauchen. Probiert’s aus und informiert euer Umfeld darüber, dass ihr euch statt Geschenke über eine Spende an Organisation XY freuen würdet. Vielleicht zieht direkt jemand mit und ihr schenkt euch gegenseitig eine Spende an eine bestimmte Organisation? Fanny hat bereits zwei mögliche Organisationen genannt. Hier eine dritte: Mein Freund bat dieses Jahr zum Geburtstag um eine Spende an die aus Myanmar nach Bangladesh Flüchtenden, und zwar über das Bündnis deutscher Hilfsorganisationen.

Was sind deine Weihnachtsgeschenke-Highlights der letzten Jahre? Wie nachhaltig darf’s deiner Meinung nach denn sein am Fest der Liebe?

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Winterliche Grüße,
eure Kerstin

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Foto: „christmas holly fir tree decoration“ von Markus Spiske, CC BY 2.0

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* Dies ist ein Affiliate Link für einen meiner Meinung nach empfehlenswerten Shop oder Artikel. Ich schreibe meine Texte unabhängig und frei aufgrund meiner persönlichen Erfahrung. Nur an wirklich passenden Stellen setze ich einen solchen Link. Dabei achte ich sehr darauf, dass Produkt- und Unternehmensqualität meinen Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht wird. Für dich hat ein Klick keine Auswirkungen. Für mich springt evtl. eine kleine Entlohnung für meine Arbeit raus, eine goldene Nase verdiene ich mir nicht. Kennst du buch7.de, den Buchhandel mit der sozialen Note? Das ist DIE Alternative zu Amazon. Ganz nebenbei unterstützt du mit deinen Einkäufen soziale und ökologische Projekte.

Tauschtisch – Befrei dich von Sachen, freu dich über Neues

Tauschtisch - Befrei dich von Sachen, freu dich über Neues

Ich bin großer Fan von

  • Dingen in Nutzung statt im Dornröschenschlaf,
  • dem positiven Gefühl, für mich überflüssigen Kram freizulassen,
  • der Freude, wenn jemand etwas anfangen kann mit den von mir aussortierten Dingen.

Abseits des klassischen Konsums

Vor einigen Jahren hatte ich mit einer Freundin einen Straßenflohmarkt in der und für die Nachbarschaft initiiert und umgesetzt. Da wurde mir so richtig bewusst, wieviele Dinge es allein in unserer direkten Umgebung in den einzelnen Haushalten gab. Welche Mengen an Material hier genutzt wurden oder -nur- im Dornröschenschlaf schlummerten.

Obwohl wir keinen riesigen Haushalt haben, gab es auch hier in den letzten Jahren unzählige Gegenstände, die unsere vier Wände verlassen durften. Diverse Möglichkeiten habe ich ausprobiert zum Verkaufen und Verschenken oder Spenden von Dingen. Nicht alle davon haben den Test bestanden: Inzwischen habe ich mehrfach erlebt, dass es ganz schön anstrengend sein kann zu versuchen, Dinge zu verkaufen. Es ist ein enormer Zeitaufwand, online Gegenstände anzubieten, zu betreuen, Anfragen zu beantworten, nach gelungenem Verkauf zu versenden oder abholen zu lassen.

Daher verschenke ich sehr gern.

Spanien – Tauschmärkte entstanden in der Krise

Als Spanien vor einigen Jahren in der Krise steckte, war ich fasziniert und begeistert von den alternativen Wegen, die clevere Köpfe aus der Not heraus entwickelten. Es entstanden Tauschmärkte.

Geld braucht man hier nicht. Man tauscht untereinander Besitztümer aus. “Der Tauschmarkt bietet den Bewohner/innen von Poble Sec die Möglichkeit, nicht mehr Benötigtes zu entsorgen, ohne Müll zu produzieren und Neues zu bekommen, ohne Geld ausgeben zu müssen. Gleichzeitig bietet er die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und fördert den Zusammenhalt im Stadtviertel”, berichtete Karin de Miguel Wessendorf (Heinrich-Böll-Stiftung) Anfang 2013.

Dieser Film steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-NC-ND, Thurnfilm / Heinrich-Böll-Stiftung.

Befrei dich von Sachen

Ich bin sicher: Jeder hat Dinge zuhause, die irgendwie “übrig” sind. Die Regale belagern. Die im Weg herumstehen. Die man eigentlich gar nicht braucht. Bei denen es eine Freude wäre, sie weiterzugeben.

Wie sieht das bei dir aus?

Freu dich über Neues

Was für den Einen wichtig ist, interessiert den Anderen möglicherweise überhaupt nicht. Was Eine täglich benutzt, hat die Andere kaum in der Hand.

Wir leben unterschiedlich, benutzen unterschiedliche Dinge unterschiedlich gerne und unterschiedlich häufig. Daher:

Wie wäre es, wenn wir einfach zusammentragen, was der/die Einzelne nicht (mehr) benötigt und gebrauchstüchtig ist?

Tauschtisch - Befrei dich von Sachen, freu dich über Neues

Legen wir all das auf einen Tisch.
Verteilen wir um.

Jede/r bringt 10 Teile und nimmt wieder 10 Teile mit.

Bist du dabei?

Die erste Runde startet am Dienstag, 19. September 2017, 18 bis 19 Uhr in Stuttgart. Ortsangabe und weitere Infos findest du hier.

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So wirst du deinen Kram los: 13 Alternativen zur Mülltonne

Dinge zu verschenken vor dem Haus

Der Minimalismus greift um sich – die neue Leichtigkeit. Hat’s dich auch erwischt? Wer ausmistet, gibt schlummernde Ressourcen frei. Ein ultra wichtiger Schritt auf dem Weg in ein nachhaltiges Leben.

Seit über einem Jahr arbeite ich an der Idee, unseren Haushalt auf Lieblingsdinge und wirklich Notwendiges zu reduzieren.

Zwar bin ich nicht zur Hardcore-Minimalistin geworden und habe mich auch nicht von 90 Prozent meiner Besitztümer getrennt. Aber:

Wie frei und licht unsere Wohnung und das Gartenhaus sein können, verblüfft mich immer wieder aufs Neue.

Sich von Besitztümern zu befreien heißt, sie zu entsorgen, sich zu ent-sorgen, sich der Sorge um sie zu entledigen. Gleich nach dem Ausmisten stellt sich jedoch eine neue Frage:

Wohin mit dem ganzen Zeug?

Kram loszuwerden ist nachhaltig, weil du Ressourcen freigibst. Wohin damit? 13 Wege.
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Wegschmeissen vs. weitergeben

Wegschmeißen ist einem ja oft zu schade, auch wenn Ausmist-Guru Marie Kondo in ihrem Bestseller Magic Cleaning* dafür plädiert.

Gut so! Denn Vieles kann -von anderen Menschen, in anderen Haushalten- weiter genutzt werden. Das bedeutet mehr Nachhaltigkeit sowohl im eigenen Leben als auch im Leben des Weiternutzers.

Die Nachfrage nach neu produzierten Gegenständen sinkt, wir sparen uns die dafür notwendige Energie und Ressourcen.

Es fällt kein Müll an und es muss keine Energie dafür aufgebracht werden.

Wie bringe ich nun meine Sachen an den Mann/ an die Frau? Hilfreich sind folgende Fragen vorab:

  • Will ich verschenken oder verkaufen?
  • Welchen Aufwand möchte ich betreiben?
  • Möchte ich bzw. ist es mir möglich, die Dinge irgendwo hin zu bringen?
  • Innerhalb welcher Zeit möchte ich den Kram loswerden? Setze ich mir eine Frist?

Mein großer Favorit ist das Vor’s-Haus-Stellen mit einem Schildchen “zu verschenken” dabei.

Welche unterschiedlichen Möglichkeiten ich getestet oder entdeckt habe, findest du nachfolgend:


Dinge verschenken

“zu verschenken” vor’s Haus

Das ist wohl die einfachste Lösung. Hier in der Stadt funktioniert das wunderbar. Wir erleichtern uns gerne auf diese Art, weil’s so schnell geht. Sachen vor dem Haus bereitstellen, “zu verschenken”-Zettelchen dazu, fertig.

Wichtig: Keinen Ramsch-Laden draus entstehen lassen, Übriges (inkl. Zettel) nach einem Tag wegräumen.

Dinge zu verschenken vor dem Haus
Ein paar Dinge zu verschenken vor dem Haus. Bis auf den Kalender hinten links und zwei Kleinigkeiten wurde alles von Passanten mitgenommen. Quasi keine Arbeit, fast alles in neuen Händen: Mission erfüllt.

Ein gewisser Passantenstrom ist natürlich Voraussetzung, damit diese Variante funktioniert. In der Stadt ist das normalerweise kein Problem.

“Free your Stuff”-Gruppen online

Über Facebook-Gruppen wie “Free your stuff Stuttgart oder “Fairteiler Stuttgart” geht’s auch super easy, alles Erdenkliche loszuwerden (sogar eine angebrochene Packung Stevia-Süßungszusatz hat jemand bei mir abgeholt).

Foto machen, in der Gruppe posten, auf Abholung warten, fertig.

Tipp: Nicht immer wieder Einzelnes einstellen, sondern auf einen Schlag Vieles. Abholzeiten bündeln! Sonst bist du ständig am Texten und Abwarten, wann wer zum Abholen kommt, das kann schnell nerven.

Fairkauf

Secondhand-Kaufhäuser gibt es in größeren Städten meist mehrere. Es gibt unterschiedliche Bezeichnungen, in Stuttgart-Feuerbach gibt’s zum Beispiel den Fairkauf. Man findet diese “Kaufhäuser” über die Betreiber, häufig Caritas oder Diakonie.

Man spendet die Ware ans Kaufhaus, dort wird alles gesichtet, ggf. aufbereitet, und für wenig Geld weiterverkauft.

Es handelt sich häufig um Sozialunternehmen, bei denen Menschen angestellt werden, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine oder kaum Chancen haben.

Vorteil 1: Es wird alles Mögliche angenommen, man kann also auch unsortierte Kartons mit noch brauchbaren Sachen abgeben.

Größere Mengen an Sachen kann man häufig sogar abholen lassen.

Achtung: Sachen abgeben kann man während der Öffnungszeiten. Der Fairkauf in Stuttgart hat allerdings SAMSTAGS geschlossen. Sachen einfach abstellen sollte man nicht.

Einrichtungen für Obdachlose

Spenden kann man auch an Einrichtungen für Obdachlose. Die Wärmestube der eva in Stuttgart-Mitte ist ein Beispiel, auch unter “Suppenküchen” wird man online fündig.

Tipp: Einfach mal anrufen, was benötigt wird.

Einrichtungen und Freundeskreise für Flüchtlinge

Wie beim Punkt zuvor: Am besten online Anlaufstelle finden und nachfragen, was aktuell gebraucht wird. Meist gibt’s gerade von der einen Sache genug (vielleicht Sommerkleidung), dafür fehlen von einer anderen Sache sehr viele (vielleicht warme Schuhe).

Als Beispiel für Stuttgart hier der Link zum Freundeskreis Flüchtlinge Stuttgart-West. Gibt’s auch in vielen anderen Städten und Stadtteilen.


Dinge verkaufen

Eine super Sache wäre das, wenn man für die aussortierten Dinge nicht nur Leichtigkeit und Freiheit dazugewinnen, sondern auch Geld verdienen könnte.

Mit vielen Gegenständen funktioniert das auch.

Sei aber gewarnt: Oft ist es ganz schön aufwändig, Sachen zu verkaufen! Das Anbieten von Ware (ver)braucht Energie und Zeit – vom Einstellen möglichst guter Bilder im Internet bis zum Füße-in-den-Bauch-Stehen auf echten Flohmärkten.

Überlege dir gut, ob du darauf Lust hast oder deine Zeit nicht mit anderen Dingen füllst. Vielleicht entdeckst du jedoch eine neue Lieblingsbeschäftigung, wer weiß. Beispielsweise Flohmärkte als Events haben durchaus ihren Reiz!

Wöchentliche Flohmärkte

Immer wieder anvisiert, niemals im Großen umgesetzt: die Idee, an einem einzigen Tag alles Aussortierte auf einen Flohmarkt zu bringen und möglichst viel davon zu verscheppern.

In Stuttgart gibt es wöchentlich den Markt am Karlsplatz. Man erhält morgens vom Marktwart einen Platz zugeteilt. Online findet man als Interessierte/r ein entsprechendes Formular. Bezahlt wird per Laufmeter Stand.

Flohmarkt-Events:
Frühjahr/ Herbst

Eine Freundin macht regelmäßig sehr gute Erfahrungen beim Frühjahrs- bzw. Herbstmarkt – will heißen: Sie bekommt große Mengen an Aussortiertem in relativ kurzer Zeit verkauft.

Als Verkäufer muss man im Vorhinein Tickets buchen. Der Andrang ist wohl recht groß, Tickets gibt es schon mit 2,5 Monaten Vorlauf. Laut meiner Bekannten ist die Kauf-Freude der Besucher super.

Vorteil: Ich entscheide mich frühzeitig zur Teilnahme, buche das Verkäufer-Ticket für meinen Stand, und dann ist der Termin einfach fix. Es gibt kein “Ach, diese Woche ist doch irgendwie ungeschickt, gehen wir einfach nächste oder übernächste Woche.”

Flohmarkt-Events:
für Kinder- & Familiensachen

Kindergärten, Schulen, Vereine etc. veranstalten immer mal wieder Flohmärkte speziell für Kinder- und Familiensachen.

Angebot beim Kinderflohmarkt
Angebot beim Flohmarkt der Schule: Auch von der Decke aus verkauft sich’s gut!

Ein bisschen Glück braucht’s sicherlich, aber auch ein Sachen-Verkauf per Decke kann den Besitz erleichtern.

Wie bei allen Begegnungen mit Menschen ist auch hier hilfreich: Blickkontakt und freundliche Miene  🙂

Flohmarkt online:
Facebook

Auf Facebook gibt’s ja Gruppen für alles Mögliche. Suche dir möglichst große Gruppen für Allgemeines, beispielsweise “Flohmarkt Stuttgart”.

Achte darauf, dass die Gruppen aktiv sind – Du erkennst das am Datum der letzten Beiträge.

Empfehlen kann ich themenspezifische Gruppen, denn hier sind die Personen zu finden, die deinen Kram zu schätzen wissen. Hierzu gehören beispielsweise die kleineren Nischengruppen “Öko-Kleidung Flohmarkt für Damen” oder “Stoffwindelflohmarkt D/Ö/CH”.

eBay Kleinanzeigen

Ein Allrounder der Online-Flohmarkt-Plattformen. Von der Regentonne über Stoffwindeln bis zur Flotten Lotte habe ich hier schon Diverses erstanden.

Verkäufe funktionieren mal besser, mal schlechter. Am besten einfach ausprobieren, der Aufwand ist nicht sehr groß.

Als Smartphone-App verfügbar, so klappt das Erstellen von Anzeigen mit Fotos super leicht.

Pluspunkt: Bei Käufen wurde ich oft im näheren Umkreis fündig, sodass ich Dinge direkt abholen konnte. Bei Verkäufen war das auch schon der Fall, allerdings eher bei größeren Dingen wie einem Fahrradanhänger zum Kindertransport.

kleiderkreisel.de

Mit Smartphone machbar, da du per Handy geknipste Fotos aussortierter Kleidungsstücke über die App direkt in einer Anzeige hochladen kannst.

Ansprechende Fotos sind wichtig!

Für Kleidung sind hier erfahrungsgemäß viele Konsumentinnen unterwegs. Die Plattform ist sehr nutzerfreundlich: Man kann nach Größen, Farben etc. filtern.

Inzwischen nervig für mich und darum deaktiviert, eine Zeit lang jedoch gerne von mir genutzt: die Tausch-Möglichkeit.

mamikreisel.de

Partner-Plattform zu Kleiderkreisel.

Empfehlenswert ist es, auf gute Fotos zu achten. Der Standard der Produktpräsentationen scheint mir höher als bei eBay-Kleinanzeigen. Gleichzeitig sind die angesetzten Preise etwas höher, ist mir aufgefallen.

momox.de

Beim Abstapeln von Büchern, CDs, DVDs ist Momox vermutlich die schnellste Verkaufsvariante. Gleichzeitig vermutlich auch die am wenigsten ertragreiche. Für viele Medien bekommt man lediglich Centbeträge.

Vorteil: In kurzer Zeit befreist du dich von Büchern stapelweise dank Smartphone-App. Damit scannst du den Barcode deiner Bücher und bekommst direkt angezeigt, welchen Preis dir Momox dafür zahlt.

Du packst alles in einen oder mehrere Kartons und schickst sie versandkostenfrei an Momox.

Nachteil ohne Smartphone: Das Eintippen der ISBN wäre mir zu zeitfressend, wenn ich an die wenigen Cent pro Buch denke. Dann lieber zu verschenken vor’s Haus.

Momox ist ein Recommercer im großen Stil – Es kauft Bücher und Anderes auf und verkauft dann weiter.

Es ist ebenfalls möglich, Kleidung zu verkaufen. Mir ist der Aufwand dafür jedoch zu groß.


Marie Kondo: Magic Cleanding. Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändertEine wirklich wertvolle Hilfe auf dem Weg in ein ballastfreieres Leben ist mir das Buch Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert*. Gerne empfehle ich es daher weiter.

Wie wirst du deinen Kram los?
Welcher Weg ist dein Favorit?
Würdest du etwas ergänzen?

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Sonnige Grüße,
Kerstin

___
* Dies ist ein Affiliate Link für einen meiner Meinung nach empfehlenswerten Shop oder Artikel. Ich schreibe meine Texte unabhängig und frei aufgrund meiner persönlichen Erfahrung. Nur an wirklich passenden Stellen setze ich einen solchen Link. Dabei achte ich sehr darauf, dass Produkt- und Unternehmensqualität meinen Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht wird. Für dich hat ein Klick keine Auswirkungen. Für mich springt evtl. eine kleine Entlohnung für meine Arbeit raus, eine goldene Nase verdiene ich mir nicht. Kennst du buch7.de, den Buchhandel mit der sozialen Note? Das ist DIE Alternative zu Amazon. Ganz nebenbei unterstützt du mit deinen Einkäufen soziale und ökologische Projekte.

Je höher das Einkommen, desto schlechter die Ökobilanz

Geld regiert die Welt?

Schon irgendwie ernüchternd, oder? Wenn du wissen willst, wie gut oder schlecht deine Ökobilanz ist, genügt ein Blick auf die persönliche Einkommensaufstellung. Im Detail ist’s natürlich nicht ganz so easy, aber statistisch gesehen fährt unsere Gesellschaft diese Schiene im Moment. Die entsprechende Studie veröffentlichte das Umweltbundesamt (UBA) Mitte 2016.

Mein Haus, mein Auto, meine Flugreisen: Die ‘Big Points’

Für die Ökobilanz besonders bedeutend sind die Bereiche Mobilität und Wohnen. Die ‘Big Points’ sind die Wohnung, das Auto und die Häufigkeit der Flugzeugnutzung.

Bäm!

Einerseits ist es natürlich schön zu wissen, an welchen Stellschrauben man drehen kann, um einen großen Effekt zu erzielen – in unserem Fall eine geringere Ökobilanz. Andererseits kann genau das Anpacken lieb gewonnener Gewohnheiten und Besitztümer ganz schön schwierig werden! Wollen wir’s wirklich wissen?

Schillernde Ausnahmen: Gutverdiener mit geringer Ökobilanz

Ein erfreuliches Ergebnis liefert die Studie gleich mit, und zeigt einen Weg auf, auch bei gutem Einkommen die Ökobilanz deutlich zu verbessern. Wie das geht? Schauen wir genauer hin:

“Ein großes Potenzial, Klima und Ressourcen zu schonen, liegt in Maßnahmen wie energetischer Sanierung in Gebäuden und Quartieren, dem Kauf von Autos mit geringem CO2-Wert, Car-Sharing oder einem geringeren Fleischkonsum. Aber auch mit Investitionen in erneuerbare Energien und freiwilligen Kompensationszahlungen für Fernflüge können Verbraucherinnen und Verbraucher tonnenweise CO2 einsparen.”

Achtung, Sprung in der Ökobilanz nach Altersgruppen

Markant ist der Unterschied in der Ökobilanz zwischen der Gruppe der jungen Erwachsenen (18 bis 29 Jahre) und der Gruppe der 30- bis 49-Jährigen. Bei der Formung und Festlegung des eigenen Lebensstils im Lauf der frühen Erwachsenenphase gibt es demnach nochmals besonderes Potenzial: Hier können wir folgenreich beeinflussen, in welche Richtung sich unsere Ökobilanz später entwickelt.


Foto: Titelbild “20er” von Michael Mueller, CC BY 2.0

Nachhaltigkeit berechnen: Was wiegt DEIN ökologischer Rucksack?

jählicher Verbrauch an Rohstoffen, im Vergleich: Durchschnitt der Nutzer, mein eigener, Zielwert 2030

Welche Ressourcen verbrauche ich? Wie schwer bzw. wie groß ist mein ökologischer Rucksack? Finde es heraus mithilfe des Online-Rechners “Mein ökologischer Rucksack” des Wuppertal-Instituts. Ich habe den Rechner getestet – Hier mein Nutzerbericht.

Der “Rucksack” besteht aus den Bereichen

  • Wohnen
  • Konsum
  • Ernährung
  • Freizeit
  • Mobilität
  • Urlaub

und zeigt auf, in welchen Bereichen mein Ressourcenbedarf wie hoch ist.

Gerechnet wird in Tonnen, jedoch nicht in Tonnen CO2 (!) wie beim Modell des ökologischen Fußabdrucks. Die Einheit “Tonne” basiert hier auf der benötigten Menge Rohstoffe. Dazu zählen mineralische Rohstoffe wie Metallerze, Erdöl, Kohle; außerdem Biomasse wie Holz und Lebensmittel; ergänzend Erde, Gestein; unberücksichtigt bleibt Wasser.

Der Gedanke ist: “Der ökologische Rucksack ist ein grundlegendes Maß für die Höhe der Umweltbelastung, die mit einem Produkt oder Lebensstil einhergeht.” Je mehr Ressourcen entnommen werden, desto höher nicht nur der Ressourcenverbrauch an sich, sondern desto größer auch die Emissionen.

Mir gefällt an diesem Rechenkonzept, dass eine sehr große Spanne berücksichtigt wird: von der Entnahme der Rohstoffe, über Verarbeitung, Transporte und Nutzung, bis hin zur Entsorgung. Diese (ziemlich) ganzheitliche Sicht auf die Dinge und Dienstleistungen ist nicht nur plausibel zum Verständnis und zur Berechnung von Nachhaltigkeit, sondern -wie ich finde- schlichtweg notwendig.

Nachhaltiger Zielwert 2030

Interessant ist nach Abschluss der rund zehnminütigen Fragerunde einerseits der Vergleich mit dem Durchschnitt aller bisherigen Teilnehmer: 40 Tonnen.

Andererseits (und besonders für die Frage der Nachhaltigkeit im eigenen Leben wichtig) der Vergleich mit dem Soll-Wert, dem sogenannten “nachhaltigen Zielwert 2030”: 17 Tonnen.

Und wo liegen wir selbst nun?
Ganz schön spannend!

Mein Ergebnis: Beim ersten Durchgang Anfang 2017 liege ich bei 11,9 Tonnen. Beim zweiten Durchgang Mitte 2017 bei 9,5 Tonnen. Geändert hat sich insbesondere, dass in unserem Haushalt nun vier statt drei Personen leben.

Faustregeln für einen kleinen ökologischen Rucksack

Bereits durch die gestellten Fragen und möglichen Antworten bekommt man einen guten Überblick, worauf es ankommt auf dem Weg zum schlanken ökologischen Rucksack. Konkrete Anregungen liefert der Rechner nach Abschluss der Fragerunde.

Folgende Aspekte möchte ich mir merken:

Bereich WOHNEN

  • Je kleiner die Wohnfläche pro Person, desto geringer der Ressourcenverbrauch.
  • Ökostrom nutzen, denn dieser “ist fünf Mal ressourceneffizienter als der konventionelle Strommix”.

Bereich KONSUM

  • Die Nutzungs- und Lebensdauer der Dinge, die man besitzt, möglichst groß halten.
  • Bei Anschaffungen lieber doppelt nachdenken: Verkleinert den ökologischen Rucksack und schont den Geldbeutel.

Bereich ERNÄHRUNG

  • Möglichst regional, saisonal, bio.
  • Möglichst viele pflanzliche, wenig tierische Produkte.
  • Leitungswasser trinken.

Bereich FREIZEIT

  • Je kleiner die benötigte Infrastruktur fürs eigene Hobby, desto geringer der Ressourcenverbrauch. Beispiel für geringen Verbrauch: Joggen im Wald. Beispiel für hohen Verbrauch: Golfspielen, Skifahren.

Bereich MOBILITÄT

  • Die täglichen Wege möglichst kurz halten.
  • Vor allem Fahrrad und Bahn nutzen.
  • Wenn Auto, dann Kleinwagen, denn die benötigen verhältnismäßig wenig Sprit und sind in der Herstellung ressourceneffizienter als andere Wagen.
  • Elektroautos momentan nur mit Ökostrom sinnvoll.

Bereich URLAUB

  • Möglichst kurze Anfahrtswege zum Reiseziel. Das kann man erreichen, indem man bei weiten Anfahrtswegen auf mehrere Kurztrips pro Jahr verzichtet und lieber gleich länger bleibt, dafür seltener fährt. Oder sich eben Urlaubsziele in nicht allzu weiter Entfernung sucht.
  • Je weniger luxuriös die Unterkunft, desto weniger Ressourcenverbrauch.

Das Konzept der 6 R’s

Zum Abschluss präsentiert mir der Ressourcenrechner eine weitere Handreichung oder Inspiration für meinen Alltag. Kurz und knackig, außerdem etwas abstrakter als die oben genannten Faustregeln:

  • Rethink
  • Refuse
  • Reduce
  • Re-Use
  • Repair
  • Recycle

Klare Empfehlung an dich, den Rechner zum eigenen ökologischen Rucksack zu testen. Viel Freude beim Ausprobieren und Anregen-Lassen!

Für dich zusammengestellt habe ich hier weitere Tools, mit denen du herausfinden kannst, wie nachhaltig dein Lebensstil ist.

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Alle Zitate von ressourcen-rechner.de, Zugriff vom 07.06.2017

Ein Händchen Müll pro Woche

gepresste Müllballen

“Geiler Scheiß!” – Klappe, die Dritte.

Simons Mülltonnen hungern. Interessiert, bewusst und kontinuierlich beschäftigt er sich damit, wie er möglichst müllfrei leben kann. Das aktuell brandheiße Thema “plastikfrei” ist dabei ein wichtiger Unterpunkt. Als Einkäufer im Unverpackt-Laden in Würzburg ist Simon in einem Film-Beitrag von BR24 zu sehen. Wer ihn kontaktieren möchte, kann das per Facebook tun.

Vielen Dank für das nachfolgende Interview, Simon!

Worum geht’s?

Ich bin begeisterter und konsequenter Müllvermeider. Das heißt, ich verzichte auf Einwegverpackungen jeglicher Art und mir liegt es am Herzen, insgesamt Ressourcen in jeglicher Hinsicht zu schonen. Mit Müll ist in erster Linie Rest- und Plastikmüll gemeint. Papier, Glas und Metall können recycelt werden, sollten jedoch trotzdem auf ein Minimum reduziert werden und wenn möglich weiter benutzt werden. Plastik und Restmüll hingegen nicht. Plastik hat nach der Verwertung niemals die gleiche Qualität wie vorher. Zudem kommt, dass mehr Plastikmüll verbrannt wird, als dass er wiederverwertet wird. Auf diesen Lebensstil hat mich Shia Su mit ihrem Blog www.wastelandrebel.com gebracht. Bevor ich diesen Blog entdeckt habe, war mir gar nicht so sehr bewusst, wie viel Müll auch ich produziere. Obwohl ich schon ziemlich konsequent Biolebensmittel eingekauft habe, fiel da vor allem viel Plastikmüll an.

Warum ist das für dich so großartig?

Für mich ist die Müllvermeidung ein großartiger Lebensstil, weil ich den Erfolg direkt bei mir zu Hause sehe. Mittlerweile bin ich so weit, dass ich höchstens eine Hand voll Restmüll die Woche und noch weniger Plastikmüll produziere! Das macht Laune und motiviert mich total! Es macht mir auch einfach Spaß, mit allen mir verfügbaren Mitteln Müll zu vermeiden. Bei manchen Gebieten gleicht das teilweise einer sportlichen Herausforderung und erfordert auch einiges an Disziplin und Organisationstalent, muss ich zugeben. Oft werden durch Aktionen meinerseits meine Mitmenschen zum Nachdenken und Umdenken angeregt, sodass ich schon viele kleine Schritte durch meine Gedankenanstöße in meinem Umfeld erfahren durfte. Das motiviert mich wiederum wieder, immer weiter zu machen mit meinem utopischen Ziel, null Müll zu produzieren.

Warum ist’s nachhaltig? Warum ist’s großartig für die Welt, für andere Menschen?

Jedem sollte es logisch erscheinen, dass Müll ein Umweltproblem darstellt. Man gehe nur mal in die Natur und schaue sich dort um. In den allermeisten Fällen sieht man Plastikmüll, der Jahrhunderte braucht, um sich in der Natur abzubauen und dabei in immer kleinere Teile, sogenanntes Mikroplastik zerfällt und somit letztendlich in unserer Nahrungskette angelangt. Zudem gibt der Plastikmüll in dieser Zeit andauernd Schadstoffe in die Umwelt ab. Nicht nur die Vermüllung ist ein Problem, sondern auch der hohe Energieaufwand, der für Einwegverpackungen anfällt, die danach wieder aufwendig verbrannt oder weiterverwertet werden müssen. Manche Leute sagen, dass sie ja nicht für die Vermüllung des Planeten verantwortlich seien, da sie ja nichts in die Natur schmeißen. Jedoch kennt sicherlich jeder von uns das Bild, wenn draußen ein Sturm wütet und sich der Plastikmüll der zerfetzten gelben Säcke in den Straßen verteilt und weggeweht wird, oder?


Foto: Profilbild von Simon, Titelbild “Müll in Paketform” von Thomas Kohler, CC BY 2.0

Merken

Wie du sparsam Wäsche wäschst

weiße Handtücher

Wie schaffen wir es, nachhaltig und sparsam unsere Textilien sauber zu halten?

Aus dem Motto “Reduce, reuse (re-use), recycle” leite ich für mich die ersten beiden Punkte ab, die sich inzwischen bewährt haben und mir in Fleisch und Blut übergegangen sind:

REDUCE – Lieblingskleidung statt vollgestopfter Kleiderschrank

Im Frühjahr 2016 hat es mich gepackt: Der Inhalt meines Kleiderschranks nervte mich so sehr, dass ich alle Bekleidung auf einen Berg stapelte und durchsortierte. Jedes Teil nahm ich in die Hand, fühlte kurz hin und wusste dann, ob das Stück bleiben durfte oder meinen Schrank verlassen sollte. Ziel: Die Kleidung, die ich besitze, trage ich gern, den Kleiderschrank öffne ich gern, Altlasten sind weg. Es hat funktioniert, juppi!, und hatte einen unerwarteten Nebeneffekt: Der Wäschekorb füllt sich langsamer!

Vermutlich liegt es daran, dass es kaum mehr Kleidungsstücke gibt, die ich nur halb-gerne trage. Diese sind früher recht schnell im Wäschekorb gelandet, auch wenn sie eigentlich nochmal hätten getragen werden können. Ein Jahr ist das Ausmisten her und ich merke, dass es immer wieder Kleidungsstücke gibt, die weg dürfen. Hier am Ball zu bleiben ist einfach, wenn ich es nicht zu lange vor mir herschiebe.

REDUCE, REUSE – Wäscheberg reduzieren

Möglichst klein soll der Wäscheberg bleiben. Ich bin bemüht, den Wäschedurchlauf “tragen – waschen – trocknen” auf ein Minimum zu reduzieren. Dabei hilft mir – neben dem großen Aussortieren im letzten Jahr – insbesondere das abendliche Aufhängen der getragenen Teile auf Kleiderbügel. Seit ich mir das angewöhnt habe, kann ich viele Kleidungsstücke wesentlich häufiger tragen als früher. Könnte ich die Kleidung zum Auslüften nachts sogar nach draußen hängen, wäre der Effekt vermutlich noch größer. Probier’s aus, es funktioniert super!

Waschmittel öko

Das Waschen selbst: Wir verwenden – war ja klar! – Waschmittel von Öko-Herstellern. Beliebt sind hier Baukastensysteme, um die einzelnen Bestandteile je nach Situation und Bedarf dosieren zu können.

  • Erst mal gibt es das Waschpulver selbst, je nach Verschmutzungsgrad der Wäsche kann man mehr oder weniger verwenden. Es ist KEIN Vollwaschmittel. Beispiel: “Klar Color-Waschmittel EcoSensitiv”
  • Das Waschpulver funktioniert am besten bei weichem Wasser. Um möglichst wenig Waschmittel verwenden zu müssen, gibt man also einen Wasserenthärter dazu. Beispiel: “Klar Enthärter EcoSensitive”
    Im Vorhinein sucht man sich 1x raus, welche Wasserhärte zuhause aus der Leitung kommt. Unser Stadtteil wird mit Bodenseewasser versorgt und hat eine Gesamthärte von 8,9°dH. Das ist weder hart, noch weich. Es macht also Sinn, etwas Enthärter zuzugeben.
  • Bei weißer Wäsche kommt ein bleichender Baustein dazu. Mit diesem kann man auch sehr verschmutzte Wäsche vorbehandeln, beispielsweise über Nacht einweichen. Beispiel: “Klar Fleckensalz EcoSensitive”
  • Sonstige Regeln: Möglichst keine nur halb vollen Waschmaschinen starten. Gewaschen wird bei uns vor allem am Freitag und Samstag, so kann sich über die Werktage genug ansammeln, um die Maschine voll zu bekommen. Und – großer Vorteil – wir müssen nicht werktags auch noch ständig ans Waschen denken.
    Die Maschine nicht vollstopfen; Oben sollte noch etwas Luft sein, damit die Wäsche durch mechanische Reinigung – also Bewegung und gegenseitiges Berühren der Teile – sauber wird und nicht eingepresst in der Trommel liegt.

Gelegentlich waschen wir mit Kastanien, vielleicht auch spannend für dich? Das ist natürlich eine sehr sparsame und nachhaltige Art zu waschen. Kastanien liegen im Herbst nur ein paar Schritte von unserer Haustür entfernt zu Hauf herum. Das enthaltene Saponin macht man sich zunutze, indem man fünf bis zehn Kastanien viertelt, in ein Glas gibt und mit Wasser auffüllt. Nach einigen Stunden ist das Wasser milchig geworden und man gießt es in das Waschmittelfach der Waschmaschine. Die eingeweichten Kastanien gebe ich in einem grobmaschigen Beutelchen mit in die Trommel (nicht bei Weißwäsche). Die Wäsche wird erstaunlich sauber. Einfach mal ausprobieren!

Einkochen in Überfluss-Zeiten

Gemüse, als Eintopf eingekocht

Einen großen Teil des Gemüses, das wir konsumieren, bekommen wir wöchentlich über eine Solidarische Landwirtschaft. Eine bestimmte Menge Gemüse ist also einfach immer “da” und möchte verarbeitet werden. Das ist gut, denn so konsumieren wir tatsächlich mehr Gemüse, als müssten wir es nach Bedarf einzeln im Laden kaufen.

Andererseits gibt es Phasen, da kommen wir nur schwer hinterher. Sinnvoll ist dann natürlich das Anlegen von Vorräten. Wenn auch nur in kleinem Umfang, so haben wir dennoch immer wieder Gemüse haltbar gemacht. Einfrieren geht nicht, denn die Tiefkühle haben wir mangels Nutzung und aus Energiespargründen vor einigen Jahren rausgeschmissen.

Eine weitere Methode zum Haltbarmachen ist das Einkochen. An Tagen, wo die Zeit zum Kochen fehlt, ist das super: Statt einer Konservendose öffnen wir ein Einweckglas, erhitzen den Inhalt und haben ein fertiges Essen auf dem Tisch.

Wichtig ist beim Einkochen aber, sich an einige Grundregeln zu halten, um keine Probleme mit sich öffnenden Gläsern und verdorbenem Glasinhalt zu bekommen. Wärmstens empfehle ich euch die facebook-Gruppe* “Einkochen wie zu Omas Zeiten“. In den zur Verfügung gestellten Dateien findet man alles, was man zum richtigen, also sicheren Einkochen wissen muss, inklusive diverser Rezepte für herzhafte Speisen mit und ohne Fleisch, Kuchen, Brot etc.

Das Beitragsbild hier zeigt einen eingemachten Gemüse-Eintopf. Aus den Infos in oben genannter Gruppe kannst du dir Anleitungen für eigene Vorräte zusammentragen. Viel Freude beim Ausprobieren!

Und was hat das nun mit Nachhaltigkeit zu tun?

Nachhaltig wäre das Einkochen meiner Meinung nach nicht, wenn man sich überwiegend von Eingekochtem ernährt – Zu hoch ist der Energieverbrauch bei der Haltbarmachung, zu groß das Risiko von Nährstoffverlusten. Nachhaltig ist es aber dann, wenn ich durch gelegentlichen Verzehr von Eingemachtem an anderer Stelle keinen Schaden anrichte:

  • Ich spare mir Verpackungsmüll von Fertigprodukten, sei es die Konservendose Ravioli, die Tiefkühlpizza oder die Instant-Packung mit chinesischer Nudelsuppe.
  • Ich spare mir den Einkauf, den Verpackungsmüll, das Unterstützen konventionell erzeugter Produkte und die oft ungesunden Inhaltsstoffe von Auf-die-Hand-Snacks, sei es das Tomate-Mozzarella-Wrap aus der Cafeteria, der Burger vom Mäckes, der Obstsalat-to-Go vom Imbissstand oder das belegte Brötchen vom Industriebäcker.

Natürlich: Hier und da ein Snack auf die Hand, wenn’s lecker schmeckt und gut tut, darf das gerne mal sein! Schön ist es aber, Entscheidungsfreiheit zu haben. Ich KANN auch zuhause, und entscheide mich oft gerne dafür.

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* Hinweis der Admins: Die Dateien, Rezepte und Anleitungen stehen allen Interessierten zur Verfügung, jedoch nicht zur kommerziellen Nutzung.