So wird dein Kleiderschrank nachhaltig

Es wird Zeit: Mach deinen Kleiderschrank nachhaltig. Entscheide dich jetzt für eine Garderobe, die du liebst und die okay ist für die (Um)Welt.

Du gewinnst dadurch Zufriedenheit und ein gutes Gewissen, spürst ein Glücksgefühl beim täglichen Ankleiden, und verbesserst nebenbei deine Ökobilanz.

Jedoch, sei gewarnt, das funktioniert nicht über Nacht. Los geht’s in vier Schritten:

  1. Ausmisten
  2. Besinnen
  3. Garderobe ergänzen
  4. Garderobe klar halten

Und warum verbessert das Ganze nun meine Ökobilanz?

Viel Spaß beim Weiterentwickeln deines Kleiderschranks!

Ausmisten

Gib Ressourcen frei. Kleidung, Schuhe und Accessoires, die du nicht oder nicht gern benutzt, könnten anderswo ein sinnvolleres Dasein finden. Ich meine:

  1. Kleidung ist viel zu schade, als dass sie ungenutzt in Schränken oder an Garderoben im Dornröschenschlaf versteckt sein sollte.
  2. Unsere Wohnräume sind viel zu schade, als dass wir sie mit Dingen blockieren sollten, die wir entweder nicht mögen oder einfach nicht nutzen.

Am besten hilft ein Befreiungsschlag à la Kondo* : Alle Kleidungsstücke zusammentragen (ALLE!) und einzeln in die Hand nehmen. Stück für Stück. Dabei wirst du spüren, was los ist mit jedem Einzelteil. Das Eine bleibt, das Andere möchte anderswo eine neue Nutzung finden, das Nächste wird vielleicht entsorgt.

Bei mir sah das so aus – und auf dem Foto ist noch längst nicht alles zu sehen…

Mir half beim Aussortieren vor allem der Gedanke, dass ich auf dem Weg bin zu einer Garderobe, die mich glücklich macht  🙂

  • Weg mit allem, was negativ assoziiert ist.
  • Weg mit allem, was dir maximal ein Schulterzucken entlockt – Es sei denn, es ist die letzte noch übrige lange Hose.

Sonderfall: Kleidungsstücke, die du nicht trägst, an denen aber wunderschöne Erinnerungen hängen. Und die deshalb einfach (noch) nicht weg können. Gibt’s die bei dir auch? Im Kleiderschrank haben diese Teile -finde ich- nichts zu suchen. Ich habe meine daher in eine separate, kleine Erinnerungskiste gepackt.

Ideen, wie du deine aussortierten Teile los wirst, ohne damit den Restmüll zu belasten, findest du in meinem Beitrag So wirst du deinen Kram los: 13 Alternativen zur Mülltonne.

Besinnen

Durchsortiert? Super, herzlichen Glückwunsch!!

Das Wiedereinräumen deines Schranks fällt dir jetzt sicher leicht. Genieße die Klarheit in vollen Zügen – yes.

Das ist wichtig, um die Klarheit auch in Zukunft aufrecht erhalten zu können. Beim nächsten Durchstöbern des Secondhand-Stores, des öko Versand-Katalogs oder des OnlineShops mit öko-fairer Kleidung sollte in deinem Gehirn von ganz allein ein PopUp-Fenster erscheinen mit deiner frisch überarbeiteten, sich leicht anfühlenden Kleidungsauswahl.

Vielleicht nutzt du die Gelegenheit und schaust dir etwas genauer an, was du nun noch besitzt.

  • Welche Farben sind da?
  • Ist die Auswahl eher monochrom, bunt, gemustert?
  • Welche Stoffarten siehst und fühlst du?
  • Welcher Style ist zu erkennen?

Und ganz wichtig: Fehlt etwas? Muss die Auswahl vervollständigt werden? Möchtest du dich in eine bestimmte Richtung entwickeln (abgesehen vom Aspekt “öko & fair”)?

Vielleicht bringt dir die Beschäftigung mit der momentan ziemlich gehypten Capsule Wardrobe für deine zukünftige Garderobe noch einige tolle, neue Gedanken. Empfehlen kann ich dafür un-fancy.com, von hier stammt auch folgendes Zitat:

What is a capsule? […] It’s a mini wardrobe made up of really versatile pieces that you LOVE to wear.

Ehrlich gesagt, ist meiner Erfahrung nach mit dem Aussortieren schon das Allermeiste geschafft.

Garderobe ergänzen

Nach dem Ausmisten und Besinnen kommt er ganz bestimmt irgendwann wieder, der Punkt, an dem du dir neue Kleidungsstücke ins Haus holen möchtest. Ich schreibe nicht einfach “kaufen möchtest”, denn das begrenzt deine Möglichkeiten auf ein nicht-okayes Maß.

NICHT NEU

Gibt es Kleidung, die anderswo Schränke verstopft, aber für dich perfekt wäre? Über SecondHand-Läden, Tausch-Veranstaltungen mit Freunden oder öffentlich, über Kleiderkreisel, entsprechende Facebook-Gruppen oder oder oder hast du gute Chancen fündig zu werden. Und gibst als Bonus weniger Geld aus als bei einem Neu-Kauf.

Gehe den Weg rückwärts: Wie bist du deine nicht mehr benötigten Kleidungsstücke losgeworden? Hast du vielleicht Familie oder Freunde beschenkt? Über eBay-Kleinanzeigen oder über einen SecondHand-Laden in deiner Stadt verkauft? Finde weitere Ideen im Artikel So wirst du deinen Kram los.

Veranstalte deine eigene Tauschparty mit Freunden mit ähnlicher Konfektionsgröße. Vorteil: Viele deiner Freunde bewegen sich in einem ähnlichen “Milieu” wie du selbst, sodass auch die Art der Kleidung nicht allzuweit auseinanderliegt. Hippie, Business, SuperChic – Jedem das Seine.

Sei kreativ! Da draußen schlummern Unmengen an ungenutzter Kleidung. Vielen Leuten geht es ähnlich wie dir. Man muss nur irgendwie zusammenfinden. “Vorhandene Potenziale nutzen” – Eine Weisheit, die mir in der Permakultur vor vielen Jahren erstmals begegnete.

NEU

Achte beim Einkauf neuer Kleidung auf anerkannte Zertifizierung. Mir ist das GOTS-Siegel am liebsten. Baumwolle sollte im Etikett mit kbA (kontrolliert biologischer Anbau) und Schurwolle mit kbT (kontrolliert biologische Tierhaltung) gekennzeichnet sein.

Viele Kleidungsstücke sind ganz oder teilweise synthetisch. Auch in der Kleidungsbranche spielt Plastik eine große Rolle! Und oft merkt man’s erst beim Blick auf das Etikett.

Das Problem:

  • Einerseits verlieren die Kleidungsstücke bei jedem Waschgang feinste Fasern, die mit dem Abwasser in die Welt gelangen und sich fröhlich überall hin verteilen.
  • Andererseits müssen die Kleidungsstücke irgendwann entsorgt werden. Was geschieht dann mit dem Plastik?

Wie toll wäre es, ausrangierte Kleidung guten Gewissens einfach auf den Kompost werfen zu können?

Ganz besonders nervig finde ich Mischfasern. Die gute, alte Stricksocke von Oma zum Beispiel: mit Liebe gefertigt aus Sockenwolle. Ja, Wolle. Nur leider verbirgt sich dahinter meist eine Mischung aus Schafswolle und einer Synthetikfaser auf Erdölbasis, wie Polyester oder Polyamid. Was geschieht damit, wenn die Socken irgendwann durch sind?

Reine Ansagen sind mir da lieber: Omas Socken aus reiner Schafswolle zum Beispiel – natürlich kbT. Und jetzt zurück zum Thema – Wie du deinen Kleiderschrank nachhaltig machst.

Bezugsquellen und Hersteller von Kleidung, die ich aus eigener Erfahrung kenne und empfehlen kann, trage ich laufend in meinen Empfehlungen + Ressourcen zusammen.

Online findet man inzwischen sehr viel Öko-Ware.

Wem die Online-Bestellerei auf die Nerven geht und lieber direkt anfasst und anprobiert, was man später am Leib trägt, findet in der eigenen oder nächstgrößeren Stadt möglicherweise entsprechende Läden.

Neben den Läden mit Nur-Öko-Sortiment gibt es auch viele Läden, deren Sortiment zumindest teilweise aus ökozertifizierter Ware besteht. Diese findet man, indem man online nach Herstellern von Öko-Kleidung sucht, die einem gefällt, und dort telefonisch oder per Mail anfragt, wo in der Nähe des eigenen Wohnorts deren Kleidung zu kaufen ist.

Abschließend kompakt zusammengefasst:

  • Etikett prüfen: Steht da kbA oder kbT und das GOTS-Zeichen?
  • Ist das Kleidungsstück langlebig?
  • Vermeide synthetische Gewebe auf Erdölbasis.
  • Vermeide Mischgewebe mit Synthetikanteil.
  • Mach dich auf die Suche nach Anbietern, die Klamotten DEINES Styles “in öko” anbieten.

Weitere Hinweise findest du in meinem Artikel Wie du dich gegen die elenden Zustände in der Textilien-Branche wehrst und in Empfehlungen + Ressourcen.

Garderobe klar halten

Es ist einfacher, wenige Dinge gut zu pflegen, als viele gleichzeitig.

Blick in den Kleiderschrank
Bei mir sieht es derweil so aus: Im Schrank eine Reihe wie auf dem Foto, schwarze Socken lose, eine Box mit Strumpfhosen, Leggins, warmen Socken, separat Unterwäsche. Auf Kleiderbügeln an einer frei hängenden Stange außerdem Jacken, einige Oberteile und aktuell genutzte, aber noch nicht waschreife Kleidungsstücke.

Der Besitz von nur wenigen Dingen verhindert, dass man den Überblick verliert. Es verhindert außerdem, dass sich beim Einen Ressourcen anstauen, die beim Anderen besser oder überhaupt genutzt werden könnten.

Bleib im Fluss: Lass los, was du nicht brauchst.
Für einen klaren Blick auf das wirklich Wichtige.

Marie Kondo: Magic Cleanding. Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändertMir war und ist Marie Kondos Buch* eine sehr große Hilfe. Ganz besonders die wiederkehrende Frage: Macht mich das glücklich? Wenn nicht, kann’s weg. Wie radikal man das am Ende durchzieht, ist vermutlich eine Frage der Persönlichkeit und Lebenssituation. Ich bin gespannt auf deine Erfahrung!

Und warum verbessert das Ganze nun meine Ökobilanz?

  • Du hast schlafende Ressourcen wieder in Umlauf gebracht, indem du dich von nicht mehr genutzten oder ungeliebten Kleidungsstücken getrennt hast.
  • Du kurbelst mit dem Neukauf von ökozertifizierten Kleidungsstücken eine Art der Landwirtschaft an, die zu vertreten ist: pestizidfrei, tierfreundlicher, sozialer etc.
  • Du kaufst gezielter ein und vermeidest damit unnötige Warenproduktion, indem du an der Stellschraube Nachfrage/Angebot drehst.

Wie gehst du mit dem Thema nachhaltiger Kleiderschrank um? Was sind deine Erfahrungen? Kommentiere gerne deine Tipps!

Sonnige Grüße,
eure Kerstin

 

Entscheide dich jetzt für eine Garderobe, die du liebst und die okay ist für die (Um)Welt. LANA - Laboratorium für Nachhaltigkeit
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* Dies ist ein Affiliate Link für einen meiner Meinung nach empfehlenswerten Shop oder Artikel. Ich schreibe meine Texte unabhängig und frei aufgrund meiner persönlichen Erfahrung. Nur an wirklich passenden Stellen setze ich einen solchen Link. Dabei achte ich sehr darauf, dass Produkt- und Unternehmensqualität meinen Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht wird. Für dich hat ein Klick keine Auswirkungen. Für mich springt evtl. eine kleine Entlohnung für meine Arbeit raus, eine goldene Nase verdiene ich mir nicht. Kennst du buch7.de, den Buchhandel mit der sozialen Note? Das ist DIE Alternative zu Amazon. Ganz nebenbei unterstützt du mit deinen Einkäufen soziale und ökologische Projekte.

Kompostierfähiges Spültuch selbst häkeln

Sisal, Häkelnadel, fast fertiger Spüllappen

Im Garten nutze ich gelegentlich Sisal, Schnur aus Naturfaser. Vorteil ist, dass diese einfach verrotten kann und ich mich nicht extra um die Entsorgung kümmern muss, wenn nicht mehr benötigt. Sisalschnur ist etwas rau beim Anfassen.

Warum nicht genau diese Eigenschaften – raue Oberfläche, Naturfaser, Kompostierbarkeit – für andere Zwecke nutzen? Für ein Spültuch sind das doch super Voraussetzungen. Überlegt. Umgesetzt.

Häkelnadel rausgezogen, zwanzig Minuten gehäkelt, fertig!

Das Tuch ist zirka 15 x 15 Zentimeter groß. Bei den ersten Spüleinsätzen färbte das Material etwas aus, was beim Geschirrspülen für mich jedoch keinen Nachteil bedeutete. Inzwischen war das Tuch mehrfach in der Waschmaschine, funktioniert nach wie vor top und ersetzt in unserem Haushalt die weit verbreiteten Spülschwämme aus – meist gelbem – Kunststoff.

Das Spültuch in Kombination mit dem selbst angesetzten Orangenreiniger aus nur 2 Zutaten lässt sich z.B. der Herd super reinigen.

Du kannst nicht häkeln? Kein Problem!

Häkel-Anfänger finden beispielsweise auf youtube viele gute (Topflappen-)Anleitungen. Oder, noch besser, einfach mal die Oma fragen! Eine Freundin strickt sich ihre Spültücher, das klappt genau so gut.

 

Kompostierbares Spültuch selbst häkeln - DIY öko Küche
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Bienenwachstücher selbermachen [mit Video-Anleitung]

Bienenwachstücher selbermachen

Du möchtest dich von Frischhaltefolie und Alufolie verabschieden? Plastikfrei ist dir wichtig? Käse kaufst du lieber stückweise unverpackt als eingeschweißt in Plastik? Du suchst eine wiederverwendbare Verpackung?

Probiere es mit Bienenwachstüchern.

Sie helfen dir, Plastik‐ und Alufolie step by step aus der Küche zu verbannen. Ob Einschlaghülle für Hartkäse und Vesperbrot, Abdeckung für angebrochene Lebensmittel, oder Haube für Mahlzeiten‐Reste.

Du kannst Bienenwachstücher aus wenigen Materialien einfach selbst herstellen:

  • Stoff aus Baumwolle, möglichst kbA, oder andere Stoffreste
  • Bienenwachs, möglichst in Demeter-Qualität

 

Bienenwachstuch DIY – nachhaltig leben
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Warum Demeter-Bienenwachs?

Bei echtem Bienenwachs aus Demeter zertifizierten Imkereien kannst du sicher sein, dass die Qualität stimmt. Demeter-Produkte sind generell bio, man spricht von biologisch-dynamischem Anbau. Das reine Naturwachs ist rückstandsfrei und wird regelmäßig kontrolliert. Da es ein Naturprodukt ist, sind natürliche Farbvariationen möglich. Sie können auf dem Tuch sichtbar werden – Charakter-Wachs eben.

Ich verwende ausschließlich Wachs aus einer biologisch‐dynamisch arbeitenden Imkerei hier vor Ort.

Warum verwende ich kein anderes Wachs?

Bei sonstigem Bio-Wachs kann es sich um Importware handeln, die mit wenig Rücksicht aus Bienenvölkern im Ausland geerntet wird. Konventionelles Bienenwachs kann Rückstände enthalten, die zumindest ich nicht in der Nähe unserer Lebensmittel haben möchte. Generell gibt es (noch?) keine Richtlinie, dass Produkte mit der Kennzeichnung „Bienenwachs“ auch zu 100% aus Bienenwachs bestehen müssen. Das muss man wissen. Aus diesem Grund würde ich nicht einfach irgendeine „Bienenwachs“-Kerze zerkleinern und daraus ein Wachstuch machen.

Ansonsten: Frag Imker in deiner Nähe nach Wachsausschuss. Vergewissere dich aber, dass sie ihre Völker nicht “mit Chemie” behandelt haben.

Und warum kbA-Baumwollstoff?

„kbA“ steht für „kontrolliert biologischer Anbau“ – Stoffe mit dieser Zertifizierung sind schadstofffrei. Sie stammen aus Baumwollplantagen, die ohne Pestizide, Chemiedünger und Entlaubungsmittel geführt werden. Viele Hersteller von kbA-Stoffen legen Wert auf faire und sichere Arbeitsbedingungen der an der Produktion beteiligten Menschen.

DIY Bienenwachstuch Video-Anleitung

In unserem Video zeigen wir dir, wie du diese nachhaltige Alternative zu Alu- und Frischhaltefolie schnell und einfach selbst herstellen kannst. Viel Spaß dabei!

 

Tipps zur Handhabung

Das Tuch kannst du jederzeit auf die gewünschte Größe und Form zuschneiden. Die Ränder müssen nicht versäumt werden, da das Wachs die Fasern fixiert.

In deinem individuellen Haushalt wirst du sicher clevere Einsatzmöglichkeiten für dein neues Tuch finden. Beachte, dass Wachs Gerüche annehmen kann. Wir haben daher z.B. ein reines “Käse‐Tuch”.

Mit Wasser und bei Bedarf etwas Spülmittel kannst du die Oberfläche deines Tuchs reinigen. Ein Jungbrunnen für dein Tuch ist ein Aufenthalt im Backofen bei 50 bis 60°C für wenige Minuten. Im Anschluss sieht es aus wie neu!


Viel Spaß beim Ausprobieren und Nutzen der fertigen Wachstücher! Hier findest du mehr Do-it-yourself-Anleitungen für ein nachhaltiges Leben. Zum Thema Plastikfrei kann ich das Buch Besser leben ohne Plastik* aus eigener Erfahrung sehr empfehlen.

Hat dir die Anleitung geholfen? Hast du Fragen?
Hinterlasse uns einen Kommentar hier unterhalb!

 

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Öko Möbel – Einrichtung mit Bedacht auswählen

Schon mal einen Tisch von innen gesehen?

Ich jedenfalls war – trotz einschlägigem Studium – überrascht, als mir kürzlich unterwegs eins dieser seit einigen Jahren weit verbreiteten Beistell-Tischchen begegnete. Sicher kennst du sie von Freunden oder Verwandten oder besitzt selbst eins.

Dieses eine jedenfalls stand auf dem Gehweg, im Regen, ein etwas trauriger Anblick, offensichtlich war es des Hauses verwiesen.

Typisch für unsere Zeit?

Unsere Haushaltsausstattung ist an Schnelllebigkeit unübertroffen, historisch betrachtet. Wir besitzen eine große Anzahl an Dingen, gleichzeitig ist der Durchlauf enorm. Ihren weltweiten Erfolg – immerhin 28,7 Mrd. Euro Umsatz und 147.000 Mitarbeiter im Jahr 2014 – hat sich der Gründer DER schwedischen Möbelhauskette Mitte des letzten Jahrhunderts vielleicht erträumt, sicherlich nicht erwartet. Wir karren Möbel (und Anderes) wagenweise aus den Einkaufshäusern, und das nicht etwa nur bei größeren Umzügen, sondern alle paar Monate. Verrückt, nicht?

Aus welchen Beweggründen auch immer wir unseren Möbelbestand verändern: Was raus aus der Bude wandert, muss ja irgendwo hin. Gut, wenn es vorerst neue Nutzer unserer nicht mehr gebrauchten Möbel gibt. Was aber kommt dann?

Nachhaltig ist, Dinge möglichst lange bei möglichst gleich bleibender Qualität in Nutzung zu haben. So wird wenig Material und Energie zur Neuherstellung benötigt. Gleichzeitig entsteht kein Abfall, der mangels Recyclingfähigkeit auf einer Deponie landet – oder im Meer, oder in einer Verbrennungsanlage, oder wo auch immer. Damit erst gar kein Abfall entstehen und ein Gegenstand als nachhaltig bezeichnet werden kann, ist die Materialwahl von großer Bedeutung. Reines Holz lässt sich verbrennen. Metall weiterverarbeiten. Ein Kunststoff, “veredelt” z.B. mit Holz zu einem Holzverbundstoff, landet üblicherweise im Restmüll.

1. möglichst lange in Nutzung: Fehlanzeige.

Zurück zu unserem Beistell-Tisch: Im Bestfall hat es ein paar Jährchen auf dem Buckel. Schätzungsweise genügen meine beiden Hände, um die Lebensdauer dieses Möbels in Jahren zu zählen. Möglicherweise genügen auch drei Finger. Ist das nun “lange”?

2. Möglichst gleich bleibende Qualität: nope!

Wie das Tischchen gegen Ende der Nutzungsdauer aussah, ist schwer zu sagen. Das Qualitätsniveau kann jedenfalls dann gehalten werden, wenn der Gegenstand reparier-/ sanierbar ist. Abgedellte Kanten bei Holzfurnier lassen sich kaum wieder herstellen. Eine verkratzte Furnier-Oberfläche muss ersetzt werden, denn Abschleifen wie bei einer massiven Holzoberfläche zerstört die Optik und – im Falle dieses Tischchens – eventuell sogar die Stabilität, da die Deckplatte sehr dünn ist. Reparieren/ Sanieren wird definitiv schwierig.

3. Wahl des Materials

Woraus besteht unser Tischchen? Den größten Anteil haben Holz-Verbundstoffe, in diesem Fall Spanplatten. Sie enthalten neben Holz ein Klebemittel, auch andere Stoffe können enthalten sein. Spanplatten dürfen nicht in Öfen verfeuert werden, sondern müssen “klassisch entsorgt” werden, landen also auf dem Müll. Allein das Tischplatten-Innere aus Karton kann recycelt werden. Eine klägliche Ausbeute an weiter verwendbarem Material, wie ich finde.

Was meint ihr dazu?
Welche Möbel brauchen wir wirklich?
Welche nutzen wir gern?

Mir ist in den letzten Jahren bewusst geworden, dass ich am liebsten “echte” Oberflächen anfasse, also beispielsweise massives Holz, ob rauh oder glatt, aber auch Keramik, Glas, Metall. Bei Möbeln distanziert sich mein Gefühl immer mehr von Verbundstoffen mit Kunststoff. Sie fühlen sich für mich nicht gut an, sind so unauthentisch, nicht kalt und nicht warm, daher verzichte ich gerne auf derlei Möbel.

Welche Möbel nutzt ihr?
Wie fühlen sich eure Lieblingsmöbelstücke an?
Mit welchen Materialien umgebt ihr euch gerne und fühlt euch wohl?

Ich bin gespannt und freue mich auf eure Antworten!

Eure Kerstin

 

öko Möbel – Wie du dein Interior auswählst
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