Wie du mit Flugreisen umgehst

Liebe Ani,

von Herzen weiß ich dich zu schätzen für deine offene Art und dein Streben nach Ausgeglichenheit und Zufriedenheit. Du bist der Welt zugewandt, das ist großartig!

Als Reisende lernst du die Welt kennen, hast hier und da neue Plätze für dich gefunden.

Du hast dir fremde Orte zur Heimat gemacht.

Deine Erfahrung wirkt sich auf dein Umfeld aus:

Plötzlich sind die klassisch-konservativen Großeltern mit einem Quasi-Schwiegersohn nicht-abendländischer Herkunft konfrontiert (Oh my god!). Ihrer Enkeltochter zu Liebe fühlen sie sich in der Pflicht, über den eigentlich präzise polierten Tellerrand zu schauen. Sind die Fremden vielleicht doch nicht so fremd?

Plötzlich gibt’s live news per Facebook aus dem politisch aufgeladenen Istanbul, direkt vom Taksim Square aus der Menschenmenge, die Familie und Freunde zuhause in Good Old Germany eben noch durch die Glotze flimmern sahen. Neue Erkenntnisse für uns hier, denn dein persönliches Von-vor-Ort-Berichten liefert wertvolle Informationen, die die Kurznews nicht bieten oder vielleicht sogar falsch darstellen.

Plötzlich sehe ich selbst klarer, wie ich mir die erste Zeit mit Baby wünsche. Denn du hast mich nochmal ganz neu zum Nachdenken angeregt, durch deine Erzählungen von persönlich Erlebtem in zwei anderen Kulturkreisen.

Du stiftest Identität und bereicherst dein Umfeld durch deine weltoffene Art.

Das ist unglaublich wertvoll. Ich danke dir sehr dafür!

Gleichzeitig weiß ich um deinen inneren Konflikt, wenn es um das Transportmittel deiner Wahl geht: das Flugzeug. Es ermöglicht dir deine oft kurzen, manchmal längeren Auszeiten anderswo.

Du äußertest deine Gedanken, als dir der Artikel Warum dein Flug billiger ist als der Zug zum Flughafen begegnete. Du bist dir bewusst:

Für mich ist das ganze Thema ein sehr persönliches Dilemma, weil für mich das (weite) Reisen ganz fester Bestandteil vom Leben ist.”

Du zehrst ungemein von diesen immer wiederkehrenden Auszeiten aus dem Alltag, das weiß ich. Gleichzeitig nagt ein schlechtes Gewissen. Dir ist klar: Fliegen ist schlecht fürs Karma. Fliegen schadet dem Klima.

Jeder weiß, wie Karsten Smid (Greenpeace-Klimaexperte) hier beschreibt,

“dass das Flugzeug eines der klimaschädlichsten Verkehrsmittel überhaupt ist. Schon jetzt trägt allein der Flugverkehr auf der ganzen Welt zu rund neun Prozent der klimaschädlichen Gase bei. Und die schädliche Wirkung wird als dreimal so hoch eingeschätzt, weil der Ausstoß in so hohen Schichten der Atmosphäre stattfindet.”

Kann da was weg von? Weniger fliegen – die unsexiest idea ever…

Gerne würde ich von dir wissen: Welches sind dir die wertvollsten Ortswechsel, Reisen und Kurztrips, die du bisher erlebt hast? Sind alle Flugreisen so wertvoll, dass du dich später überhaupt und – wenn ja – von Herzen gerne daran zurückerinnern wirst?

“Wir behalten nur die Dinge, die uns glücklich machen.”

Ausmist-Guru Marie Kondo leitet dazu an, allen Besitz zu scannen. Was mich nicht glücklich macht, darf gehen. Ziel ist, frei zu sein von allem, was belastet. Was passiert, wenn du das auf deine Reisen anwendest?

Vielleicht würde dir statt des zweiwöchigen Yoga-Retreats in Indien auch ein Yoga-Retreat in Italien taugen, den du mit dem Nachtzug erreichen kannst?

Vielleicht lässt sich die Hochzeit des guten Freundes mit einem Retreat verbinden, den du dir eigentlich erst ein paar Wochen später gegönnt hättest?

Oder macht dich gar das Fliegen selbst glücklich?

Wenn schon, denn schon: Flugmeilen kompensieren

Das Mindeste, was man als Flugreisende/r tun sollte, ist die Beteiligung am modernen Ablasshandel. Auch Greenpeace verweist auf einen solchen Anbieter, nämlich atmosfair. Die von dir an atmosfair überwiesenen Groschen werden eingesetzt für verschiedene Klimaschutzprojekte. Die Kompensationszahlung ist nebenbei auch noch steuerlich absetzbar.

Klingt nicht schlecht? Dann nix wie los,
kompensiere deine bisher gemachten Flüge!

Bevorteilung des Flugverkehrs auflösen

Das Problem ist aber ein anderes: Dass so viel geflogen wird, liegt unter anderem an den Spottpreisen, zu denen wir Flugtickets kaufen können. Die Spottpreise wiederum kommen durch die nicht vorhandene Kerosin-Steuer zustande. Smid von Greenpeace erklärt hierzu im Interview Reise ins gute Gewissen:

“Im Gegensatz zu Benzin und Diesel ist Flugbenzin von der Steuer befreit – das ist eine ungerechte Subvention des Flugverkehrs.”

Außerdem müsse “der Luftverkehr in das europäische Emissionshandelssystem integriert werden. Alle Fluglinien müssten dann zahlen und besonders klimaschädliche müssten – wie die Industrie – Emissions-Zertifikate dazukaufen.”

Der Umweltschutzverband NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.) formulierte hierzu folgende Forderungen im Artikel Abgabe auf Flugbenzin dringend erforderlich:

“Nach Auffassung des NABU ist zum Schutz des Klimas die Einführung einer Kerosinsteuer, die Berechnung der Ökosteuer sowie die Aufhebung der Umsatzsteuerbefreiung im grenzüberschreitenden Flugverkehr erforderlich.”

Ja, und damit sind wir gaaaanz weit weg gekommen von deinem persönlichen Dilemma – Stimmt’s, liebe Ani? Nicht mal eine Petition kann ich dir nennen, bei der du unterschreiben könntest für ein besseres Gewissen.

Bleibt also alles beim Alten? Wirst du deine Flugreisen kompensieren?

Vielleicht nimmst du mich ja mal mit zu einem Yoga-Retreat? Gerne auch im guten, alten Schwarzwald – Vielleicht kann “vor der Tür” auch “weit genug weg” sein.

Hugs!

Deine Kerstin

Familien-Bike statt Auto

Katharina mit ihrem Lastenrad: Kinder und Gepäck dabei.

„Geiler Scheiß!“ – Klappe, die Vierte.

Katharina fährt Fahrrad. Nicht irgendeins, nein. Sondern eines, das bestens geeignet ist für das Stadtleben in Stuttgart mit Kids: Katharina fährt ein Lastenrad mit Familienaufbau.

Inzwischen blickt sie auf vier Jahre Erfahrung zurück.

Danke, Katharina, für das Interview!

Worum geht’s?

Seit mehr als vier Jahren fahren wir täglich mindestens 20 Kilometer mit unserem Rapid, ein Lastenrad der Firma Radkutsche. Es wird in Mössingen bei Tübingen hergestellt. Das zweirädrige Lastenrad ist 2,40 Meter lang, aber nicht besonders breit. So haben wir zwar einen größeren Wenderadius, kommen aber trotzdem durch all die Lücken, durch die jedes andere Fahrrad kommt. Unser „Lasti“ kann bis zu 200 Kilogramm tragen. Wir transportieren meist unsere beiden Mädchen (zwei und vier Jahre alt), die dazugehörigen Transportmittel wie Laufräder, Roller und Kinderfahrrad, Wechselklamotten, Decken und unsere Einkäufe. Dafür haben wir eine Kiste aus Aluminium, eine Bank und ein Verdeck auf die Ladefläche geschraubt. Das Verdeck schützt vor Wind und Regen, im Sommer haben wir ein Sonnensegel eingebaut, das durch Klettverschlüsse größer und kleiner gemacht werden kann und auch „Cabriofahrten“ sind an heißen Tagen möglich. Weil es in Stuttgart viele Berge gibt, haben wir elektrische Unterstützung.

Warum ist das für dich so großartig?

Als Mein Mann vor vielen Jahren mit der Idee auf mich zukam, konnte ich mir kaum vorstellen, jeden Tag damit durch Stuttgart zu fahren. Erst recht nicht mit Kindern. Heute kann ich mir ein Leben ohne unser Rapid nicht mehr vorstellen. Und das sind die wichtigsten Gründe dafür (mir würden noch viele weitere einfallen):

  1. Ich bin mit dem Rapid trotz des vielen Gepäcks das mich mit Kindern immer begleitet, wahnsinnig flexibel. Ich fahre überall hin. Direkt auf den Spielplatz, direkt auf den Markt, direkt vor den Supermarkt und direkt vor die Haustüre. Ohne lange Parkplatzsuche und ohne lange Schlepperei.
  2. Ich bin mit meinen Kindern draußen, ich erlebe gemeinsam mit ihnen die Jahreszeiten und ich kann ihnen beibringen, dass es in einer Stadt andere Transportmittel gibt, neben PKW und U- und S-Bahn.
  3. Ich komme meist schneller von A nach B, als mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Das liegt daran, dass ich nicht erst zur Haltestelle oder zum Parkplatz laufen muss, sondern von Haustür zu Haustür fahren kann. Dass ich Schleichwege oder durch Parks fahre, während Autos meist kompliziertere Wege in Kauf nehmen müssen. Ich stehe nicht im Stau und, was in Stuttgart meist die wesentliche Zeitersparnis ist, ich muss keinen Parkplatz suchen.
  4. Wir sparen Geld. Auch wenn die Anschaffungskosten eines Lastenrads erstmal hoch erscheinen (unseres hat alles in allem etwa 5.000 Euro gekostet), wir brauchen kein eigenes Auto, sparen Parkgebühren und die Reparaturkosten halten sich in Grenzen. Wenn wir ab und zu ein Auto brauchen, dann mieten wir uns eins beim Carsharing stadtmobil. Das ist neben der Kostenersparnis auch praktisch, weil wir die Größe des Autos an den jeweiligen Verwendungszweck anpassen können.
  5. Mit unserem Lastenrad bleiben wir flexibel und können es an unsere aktuelle Lebenssituation anpassen. Als unsere Kinder Babys waren, haben wir eine Maxicosi-Halterung eingebaut und konnten sie so transportieren. Wenn wir uns irgendwann für Kind Nummer drei und vier entscheiden würden, dann könnten wir eine zweite Bank mit Gurten einbauen. Und wenn die Kinder zu groß geworden sind, bauen wir die Kiste ab und nutzen die Ladefläche für Getränkekisten, Sofas, Kühlschränke, Zelte, Isomatten, Schlafsäcke, Brennholz oder was es sonst eben so zu transportieren gibt.
  6. Lastenradfahren macht Spaß. Nach etwa zehn Kilometern Fahrpraxis fühlt es sich schon wie das Normalste der Welt an. Die Kinder lieben es seit der ersten Fahrt. Ich habe sie immer im Blick während wir durch die Stadt ziehen und ich kann mich mit ihnen unterhalten.

Warum ist’s nachhaltig? Warum ist’s großartig für die Welt, für andere Menschen?

Lastenräder zeigen, dass es gerade in Städten Alternativen zum Auto gibt. Ich würde sogar einen Schritt weitergehen und behaupten, sie sind einer der wesentlichen Schlüssel für eine nachhaltige und moderne Stadtplanung. Obwohl Stuttgarter Radfahrerinnen und Radfahrer bisher noch mit wenig Raum auskommen müssen, freue ich mich jeden Tag darüber, mehr und mehr Menschen mit einem Lastenrad zu begegnen.

Ich finde Lastenradfahren und insgesamt Fahrradfahren aber nicht nur aus Umweltaspekten nachhaltig. Radfahrerinnen und Radfahrer begegnen sich unmittelbar und nehmen sich direkt wahr. Sie können anders miteinander kommunizieren, als beispielsweise Autofahrer das können. Sie trennt keine Autohülle. Radfahrende können sich in die Augen schauen, miteinander reden und gehen meiner Meinung nach anders, achtsamer und respektvoller miteinander um, als Autofahrende das oft tun. Dazu kommt, dass sie nicht im Stau stehen und das Frustrationspotenzial so geringer ist, denke ich. Ich habe es jedenfalls noch nie erlebt, dass sich Radler anschreien, sich den Stinkefinger zeigen oder anderweitig ausfällig werden.

Lastenradfahren ist auch deshalb nachhaltig, weil ich ein anderes Raumgefühl, eine andere Beziehung zur Natur habe. Meine Kinder und ich, wir erleben, dass jede Jahreszeit anders klingt, riecht und sich unterschiedlich anfühlt. Wir begrüßen jeden Morgen die Enten im Park, sehen, wie sich die Farbe der Bäume verändert, sagen den Eichhörnchen hallo und freuen uns, wenn wir im Schlossgarten einen Hasen sehen. Und das mitten in der Großstadt. Das macht mich glücklich.

Übrigens, in Stuttgart konnten wir dank gutem Licht, kuscheligen Wolldecken für die Kinder und der richtigen Kleidung im vergangenen Jahr nur an fünf Tagen nicht mit dem Fahrrad fahren. Dann waren die Straßen durch Schnee und Eis zu gefährlich.

Zum Abschluss ein Tipp von Katharina: Die Stadt Stuttgart fördert seit Kurzem die Anschaffung von Lastenrädern mit bis zu 4.000 Euro.


Fotos: Profil- und Titelbild von Katharina

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Je höher das Einkommen, desto schlechter die Ökobilanz

Geld regiert die Welt?

Schon irgendwie ernüchternd, oder? Wenn du wissen willst, wie gut oder schlecht deine Ökobilanz ist, genügt ein Blick auf die persönliche Einkommensaufstellung. Im Detail ist’s natürlich nicht ganz so easy, aber statistisch gesehen fährt unsere Gesellschaft diese Schiene im Moment. Die entsprechende Studie veröffentlichte das Umweltbundesamt (UBA) Mitte 2016.

Mein Haus, mein Auto, meine Flugreisen: Die ‘Big Points’

Für die Ökobilanz besonders bedeutend sind die Bereiche Mobilität und Wohnen. Die ‘Big Points’ sind die Wohnung, das Auto und die Häufigkeit der Flugzeugnutzung.

Bäm!

Einerseits ist es natürlich schön zu wissen, an welchen Stellschrauben man drehen kann, um einen großen Effekt zu erzielen – in unserem Fall eine geringere Ökobilanz. Andererseits kann genau das Anpacken lieb gewonnener Gewohnheiten und Besitztümer ganz schön schwierig werden! Wollen wir’s wirklich wissen?

Schillernde Ausnahmen: Gutverdiener mit geringer Ökobilanz

Ein erfreuliches Ergebnis liefert die Studie gleich mit, und zeigt einen Weg auf, auch bei gutem Einkommen die Ökobilanz deutlich zu verbessern. Wie das geht? Schauen wir genauer hin:

“Ein großes Potenzial, Klima und Ressourcen zu schonen, liegt in Maßnahmen wie energetischer Sanierung in Gebäuden und Quartieren, dem Kauf von Autos mit geringem CO2-Wert, Car-Sharing oder einem geringeren Fleischkonsum. Aber auch mit Investitionen in erneuerbare Energien und freiwilligen Kompensationszahlungen für Fernflüge können Verbraucherinnen und Verbraucher tonnenweise CO2 einsparen.”

Achtung, Sprung in der Ökobilanz nach Altersgruppen

Markant ist der Unterschied in der Ökobilanz zwischen der Gruppe der jungen Erwachsenen (18 bis 29 Jahre) und der Gruppe der 30- bis 49-Jährigen. Bei der Formung und Festlegung des eigenen Lebensstils im Lauf der frühen Erwachsenenphase gibt es demnach nochmals besonderes Potenzial: Hier können wir folgenreich beeinflussen, in welche Richtung sich unsere Ökobilanz später entwickelt.


Foto: Titelbild “20er” von Michael Mueller, CC BY 2.0

Nachhaltigkeit berechnen: Was wiegt DEIN ökologischer Rucksack?

jählicher Verbrauch an Rohstoffen, im Vergleich: Durchschnitt der Nutzer, mein eigener, Zielwert 2030

Welche Ressourcen verbrauche ich? Wie schwer bzw. wie groß ist mein ökologischer Rucksack? Finde es heraus mithilfe des Online-Rechners “Mein ökologischer Rucksack” des Wuppertal-Instituts. Ich habe den Rechner getestet – Hier mein Nutzerbericht.

Der “Rucksack” besteht aus den Bereichen

  • Wohnen
  • Konsum
  • Ernährung
  • Freizeit
  • Mobilität
  • Urlaub

und zeigt auf, in welchen Bereichen mein Ressourcenbedarf wie hoch ist.

Gerechnet wird in Tonnen, jedoch nicht in Tonnen CO2 (!) wie beim Modell des ökologischen Fußabdrucks. Die Einheit “Tonne” basiert hier auf der benötigten Menge Rohstoffe. Dazu zählen mineralische Rohstoffe wie Metallerze, Erdöl, Kohle; außerdem Biomasse wie Holz und Lebensmittel; ergänzend Erde, Gestein; unberücksichtigt bleibt Wasser.

Der Gedanke ist: “Der ökologische Rucksack ist ein grundlegendes Maß für die Höhe der Umweltbelastung, die mit einem Produkt oder Lebensstil einhergeht.” Je mehr Ressourcen entnommen werden, desto höher nicht nur der Ressourcenverbrauch an sich, sondern desto größer auch die Emissionen.

Mir gefällt an diesem Rechenkonzept, dass eine sehr große Spanne berücksichtigt wird: von der Entnahme der Rohstoffe, über Verarbeitung, Transporte und Nutzung, bis hin zur Entsorgung. Diese (ziemlich) ganzheitliche Sicht auf die Dinge und Dienstleistungen ist nicht nur plausibel zum Verständnis und zur Berechnung von Nachhaltigkeit, sondern -wie ich finde- schlichtweg notwendig.

Nachhaltiger Zielwert 2030

Interessant ist nach Abschluss der rund zehnminütigen Fragerunde einerseits der Vergleich mit dem Durchschnitt aller bisherigen Teilnehmer: 40 Tonnen.

Andererseits (und besonders für die Frage der Nachhaltigkeit im eigenen Leben wichtig) der Vergleich mit dem Soll-Wert, dem sogenannten “nachhaltigen Zielwert 2030”: 17 Tonnen.

Und wo liegen wir selbst nun?
Ganz schön spannend!

Mein Ergebnis: Beim ersten Durchgang Anfang 2017 liege ich bei 11,9 Tonnen. Beim zweiten Durchgang Mitte 2017 bei 9,5 Tonnen. Geändert hat sich insbesondere, dass in unserem Haushalt nun vier statt drei Personen leben.

Faustregeln für einen kleinen ökologischen Rucksack

Bereits durch die gestellten Fragen und möglichen Antworten bekommt man einen guten Überblick, worauf es ankommt auf dem Weg zum schlanken ökologischen Rucksack. Konkrete Anregungen liefert der Rechner nach Abschluss der Fragerunde.

Folgende Aspekte möchte ich mir merken:

Bereich WOHNEN

  • Je kleiner die Wohnfläche pro Person, desto geringer der Ressourcenverbrauch.
  • Ökostrom nutzen, denn dieser “ist fünf Mal ressourceneffizienter als der konventionelle Strommix”.

Bereich KONSUM

  • Die Nutzungs- und Lebensdauer der Dinge, die man besitzt, möglichst groß halten.
  • Bei Anschaffungen lieber doppelt nachdenken: Verkleinert den ökologischen Rucksack und schont den Geldbeutel.

Bereich ERNÄHRUNG

  • Möglichst regional, saisonal, bio.
  • Möglichst viele pflanzliche, wenig tierische Produkte.
  • Leitungswasser trinken.

Bereich FREIZEIT

  • Je kleiner die benötigte Infrastruktur fürs eigene Hobby, desto geringer der Ressourcenverbrauch. Beispiel für geringen Verbrauch: Joggen im Wald. Beispiel für hohen Verbrauch: Golfspielen, Skifahren.

Bereich MOBILITÄT

  • Die täglichen Wege möglichst kurz halten.
  • Vor allem Fahrrad und Bahn nutzen.
  • Wenn Auto, dann Kleinwagen, denn die benötigen verhältnismäßig wenig Sprit und sind in der Herstellung ressourceneffizienter als andere Wagen.
  • Elektroautos momentan nur mit Ökostrom sinnvoll.

Bereich URLAUB

  • Möglichst kurze Anfahrtswege zum Reiseziel. Das kann man erreichen, indem man bei weiten Anfahrtswegen auf mehrere Kurztrips pro Jahr verzichtet und lieber gleich länger bleibt, dafür seltener fährt. Oder sich eben Urlaubsziele in nicht allzu weiter Entfernung sucht.
  • Je weniger luxuriös die Unterkunft, desto weniger Ressourcenverbrauch.

Das Konzept der 6 R’s

Zum Abschluss präsentiert mir der Ressourcenrechner eine weitere Handreichung oder Inspiration für meinen Alltag. Kurz und knackig, außerdem etwas abstrakter als die oben genannten Faustregeln:

  • Rethink
  • Refuse
  • Reduce
  • Re-Use
  • Repair
  • Recycle

Klare Empfehlung an dich, den Rechner zum eigenen ökologischen Rucksack zu testen. Viel Freude beim Ausprobieren und Anregen-Lassen!

Für dich zusammengestellt habe ich hier weitere Tools, mit denen du herausfinden kannst, wie nachhaltig dein Lebensstil ist.

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Alle Zitate von ressourcen-rechner.de, Zugriff vom 07.06.2017

Fahrräder aus Bambus

“Geiler Scheiß!” – Klappe, die Erste.

bambusbikes-svenSven entwickelt und baut Fahrräder aus Bambus. Gemeinsam mit David gründete er in Karlsruhe die Bambus-Fahrrad-Manufaktur Gaia Bikes. Mehrere Gaia-Räder – darunter eins der allerersten Bambus Full Suspension MTB – sind inzwischen im Einsatz und lassen Biker-Herzen höher schlagen. Sven steckt an mit seiner großen Leidenschaft für diese Art der Fortbewegung. Wir freuen uns, im Interview mit ihm mehr über seine Passion und Innovation erfahren zu haben.

Let’s get addicted!

Worum geht’s?

Eigentlich ist es ziemlich simpel! Wir bauen Fahrradrahmen aus dem unglaublich schnell wachsenden Material Bambus –  bis zu 30 Zentimeter wächst die Pflanze an einem einzigen Tag. Die Idee des Bambus-Fahrrads an sich ist nicht neu: Das erste Bambusrad wurde schon 1894 der Öffentlichkeit präsentiert.

Was uns ausmacht? Wir haben den Anspruch, einerseits technisch sehr hochwertige, andererseits ökologische, nachhaltige Rahmen zu bauen. So nutzen wir beispielsweise Bambus aus der Region und machen einen großen Bogen um die im Rahmenbau üblicherweise genutzten, sehr schädlichen Materialien.

Warum ist das für dich so großartig?

Naja, Fahrräder sind an sich ja schon wirklich großartig. Sie lassen uns schnell von A nach B kommen, bereiten sehr viel Fahrspaß, egal ob im Wald oder in der Stadt, bringen unsere müde gewordenen Körper mal wieder in Bewegung und ersparen uns auch noch sehr oft ein stinkendes Auto – von welchen es sowieso schon genug gibt.

Wenn man sich darüber hinaus von den energetisch sehr aufwändig herzustellenden Metallen immer weiter distanzieren kann und damit eine wirklich einzigartige Optik und Fahrdynamik schafft, gibt es für mich keinen Grund, dieses Potenzial nicht zu nutzen.

Mein Herz schlägt höher, wenn ich Menschen begegne, die von unserer Idee begeistert sind und uns unterstützen möchten. Daran erkenne ich immer wieder, dass es gut ist dran zu bleiben, und das gibt uns enorm viel Kraft. Deshalb DANKE an alle, die uns unterstützen!

Warum ist’s nachhaltig? Warum ist’s großartig für die Welt, für andere Menschen?

In meinen Augen werden viel zu viele Produkte gebaut, die eine vorgegebene Lebensdauer haben. Das Handwerk verabschiedet sich (durch Massenprodukte) immer mehr. Und vor allem fehlt mir oft die Liebe zum Detail.

Es geht auch anders: In etwa fünf Tagen wächst an einer Pflanze das Material für ein Gaia-Bambusrad. Dazu kommt unsere Materialauswahl für die Bindungen, Verklebungen die wir immer weiter in Richtung Umweltverträglichkeit entwickeln.


Fotos von Gaia-Bikes

Volles Auto reduziert ökologischen Fußabdruck

Hin und wieder scheint es mir unumgänglich, das Auto für eine längere Strecke zu nutzen. Ein Arbeitstermin, 125 Kilometer entfernt. 110 Kilometer zu einem Training. Familienbesuch in 100 Kilometer Entfernung.

Am ökologischsten wäre sicherlich, diese ganzen Strecken einfach wegzuminimalisieren. Aber: Mir liegt etwas an diesen Dingen, Terminen, Veranstaltungen. Sie bereichern mein Leben. Sie bringen mir Freude und/oder Weiterentwicklung. Das Ein oder Andere steht also einfach an.

Grundlage “Ökologischer Fußabdruck”
Der ökologische Fußabdruck ist die (theoretisch berechnete) Fläche auf der Erde, die ein Mensch benötigt. Die Größe der Fläche hängt ab von Ernährung, Wohnsituation, Mobilitätsweise und -strecke, etc. Gerechnet wird in “globalen Hektar” oder “globalen Quadratmetern” (1 gha = 10 000 gm²).

Pro Erdenbürger stehen rund 1,7 gha zur Verfügung, jedoch “als zukunftsfähig wären [..] etwa 1 gha pro Erdbewohner anzunehmen” (footprint.at). Aha. Mit dieser Zahl kann ich nicht sehr viel anfangen. Was heißt das für mich? Was haben wir in Deutschland durchschnittlich für einen Fußabdruck?

Bringen wir das Ganze in Relation.

Fußabdruck in Deutschland
Für Deutschland gilt: “Wenn alle Menschen so leben würden wie wir, bräuchten wir 2,6 Erden, denn der deutsche Fußabdruck liegt bei etwa 5 Hektar.” (footprint-deutschland.de)

Fußabdruck & Mobilität
Allein durch unser Mobilitätsverhalten verbrauchen wir durchschnittlich schon 0,78 gha. Dazu zählen unsere Reisen, Wochenend- und Alltagsfahrten, per Flugzeug, Auto, Bus und Bahn.

Ganz schön viel! Glücklicherweise weiß ich jetzt schon, dass es bei mir nicht ganz so viel sein kann, denn: Auf die 0,78 gha kommt man mit rund 8.700 Auto- und 6.700 Flug-Kilometern pro Jahr. Die Flug-Kilometer pro Jahr erreiche ich bei Weitem nicht, wenn ich meine bisherigen Flugreisen auf meine Lebensjahre verteile.

Ein möglichst volles Auto
Dass eine der größten Pkw-Sünden heutzutage die 1-Personen-Fahrten sind, ist uns allen klar. Wenn ich also Auto fahre, sollte es möglichst voll sein, denn beim Autofahren darf “der Footprint [..] durch die Anzahl der Mitfahrenden geteilt werden” (footprint.at). Super!

Mitfahrer finden
Easy klappt das – da spreche ich aus eigener Erfahrung – beispielsweise über die Plattform BlaBlaCar. Als Fahrer stelle ich die nächsten Fahrten ein, als Mitfahrer kann ich nach angebotenen Strecken suchen oder mich automatisch benachrichtigen lassen, wenn für eine bestimmte Strecke eine neue Fahrt eingestellt wird.

BlaBlaCar habe ich bisher sowohl als Mitfahrerin als auch als Fahrerin genutzt. In fast allen Fällen waren es super aufgeschlossene Menschen, mit denen ich im Auto saß. Oft kamen spannende Gespräche zustande, manchmal lehnten wir uns einfach stumm zurück. Alles ok.

Inzwischen spreche ich mit meinen MitfahrerInnen ab, dass sie möglichst nah an die Strecke kommen, die ich ohnehin fahre. So können wir zuverlässiger die vereinbarten Zeiten einhalten, wenn mehrere Personen an unterschiedlichen Orten ein-/aussteigen. Außerdem verplempere ich weniger Zeit und Treibstoff, das ist gut. In letzter Zeit waren wir zwischen zwei und fünf Auto-Insassen.

Fußabdruck teilen
Angenommen, ich fahre in einem Monat

400 km zu Trainings,
500 km zu Arbeitsterminen,
100 km zu Familie & Freunden,

das macht 1.000 km pro Monat oder 12.000 km pro Jahr.

Ein Online-Fußabdruck-Rechner gibt meinen Fußabdruck für diese Fahrten auf 0,58 gha an. Fahre ich alleine, geht’s natürlich allein auf mein Konto. Fahren wir zu mehrt, dürfen wir uns den Fußabdruck teilen.

Bei durchschnittlich drei Insassen im Auto habe ich nur noch rund 0,19 gha auf meinem Konto zu verbuchen – Das ist eine ordentliche Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks.

Ihr seht: Es ist durchaus einen Gedanken wert, die Sitze des Autos zu füllen. Wie handhabt ihr das?

 


Deinen ökologischen Fußabdruck kannst du berechnen unter footprint-deutschland.de oder mein-fussabdruck.at

Titel-Foto von Marina del Castell, The blue hour, CC-BY 2.0