Nicole von Biotopica Farm verrät uns ihr Rezept für fruchtbaren Boden

Nicole führt als Selbstversorgerin für sich, ihre Familie und die zur Farm gehörenden Tiere einen Permakultur-Hof. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilt sie auf ihrem lesenswerten Blog Biotopica Farm.

Darüber, wie man den eigenen Boden fruchtbar macht und hält, weiß sie genau Bescheid. Es ist kein Wissen um kurzfristige Erfolge wie in der konventionellen Landwirtschaft und teilweise auch in durchschnittsdeutschen Gärten. Ihr geht es darum, das gute Leben im Boden langfristig zu fördern.

Lest selbst, lernt und lasst euch inspirieren!
Liebe Nicole, Danke für das Interview!

Wie beschreibst du deine Mission, die du mit deinem Blog verfolgst?

Für mich ist es wichtig den Menschen Mut zu geben in die Selbstversorgung zu gehen. Man braucht nicht viel Geld, um einen Bauernhof aufzubauen. Man braucht nur viel Geld, um einen Bauernhof innerhalb weniger Monate aufzubauen.

Wir haben als arme Studenten angefangen und sind alles langsam angegangen. Wir haben unsere Ställe aus recycelten Materialien gebaut, wir haben Saatgut gesammelt und Ableger von Pflanzen gemacht. Wir wurden nur kreativer wenn uns die Mittel gefehlt haben. Man braucht noch nicht einmal ein Grundstück zu kaufen, um einen Selbstversorger-Hof zu erschaffen, auch wir mieten günstig unseren Hof und das reicht uns.

Die meisten Menschen unterschätzen, wie viel Geld man sparen kann, wenn man seine Lebensmittel selber produziert und mit den richtigen Techniken braucht es auch nicht viel Zeit oder einen großen Arbeitsaufwand. Als Mutter von zwei Kleinkindern kann ich nicht viel im Garten schaffen, deshalb versuche ich Lösungen zu finden, die es mir erlauben mit wenig Arbeitsaufwand und Zeit ein Leben auf dem Land zu ermöglichen.

Zeit, Geld und Arbeit im Garten zu sparen sind die Hauptthemen auf meinem Blog, vermischt mit einem guten Schuss Motivation, persönlicher Erfahrung und der Liebe zur Natürlichkeit.

Was macht dich, deinen Garten und deinen Blog aus?

Ich denke, eine Besonderheit ist wohl, dass meine Tiere mit mir zusammenarbeiten und unsere gesamte Farm in einen Ort der Fülle verwandeln. Bei uns hat jedes Tier seine Aufgabe.

Die Hühner dämmen die Verbreitung von Schnecken, Zecken und anderen Insekten ein, während sie die Weide von unseren Ziegen und Schafen belüften. Die Gänse halten unseren Rasen kurz und sind gute Wächter. Die Wachteln sind ideal um das Gewächshaus von übermäßigen Insektenbefall zu schützen, denn sie essen keine Nachtschattengewächse, die dort wachsen. Unsere Hühner, Gänse und unser Hund bewegen sich frei auf unseren Hof.

Unser Hund schützt die Tiere vor Füchse, Raubvögel und Mader, aber auch Wölfe im umliegenden Wald schreckt er ab. Die Ziegen und Schafe kommen bei uns zum Einsatz, wenn Flächen vollkommen von der Natur überwuchert wurden. Sie fressen den Übertrieb ab, damit neue Vegetation wieder Platz gegeben wird. Diese tierischen Arbeiten verbinden wir nebenbei noch mit der Aufzucht von seltenen Nutztierrassen. Leider fehlt uns noch ein Schweine-Pärchen, das den Boden umgräbt, aber alles zu seiner Zeit.

Unsere Tiere haben ihre Aufgaben und ich denke, dass eine Aufgabe zu haben sehr erfüllend für ein Lebewesen ist. Dass der Mist von unseren Tieren der ideale Dünger für die Beete ist, brauche ich wohl kaum noch zu erwähnen.

Bei uns greift alles ineinander und ergibt einen Sinn, das ist das Besondere unseres Bauernhofes, welches ich gerne vielen Menschen nahelegen möchte.

Was ist dein Geheimrezept für fruchtbaren Boden?

Mein Geheimrezept besteht aus mehreren Zutaten und ihrem Zusammenspiel im Boden. Ich liste euch diese Komponenten einfachheitshalber mal auf, damit man den Überblick bewahrt. Ein fruchtbarer Boden entsteht durch mehr Geben als Nehmen. Gib dem Boden mehr, als dass du ihm entnimmst, aber bitte nur rein natürliche Materialien.

Kompost

Reichlich Grünmaterialien, wie Küchenabfälle, Rasenschnitt, Pflanzenmaterial, Totholz und Laub wird zu Kompost zersetzt und findet seinen Platz auf unsere Beete. Für das Wenden des Kompostes, damit dieser gut belüftet wird, sind unsere Hühner zuständig.

Mist

Auf einem Bauernhof fällt reichlich Mist an. Unsere Tiere sind der Schlüssel zu gesunden Pflanzen. Ohne sie wäre eine Selbstversorgung mit Obst und Gemüse nicht möglich.

Organismen

Ich bemühe mich den Boden feucht, aber nicht nass zu halten um ein günstiges Milieu für Wurzelwachstum und Regenwürmer zu erschaffen. Mit einer konstanten Decke von Mulchmaterialien, wie Heu, Stroh, Rasenschnitt oder Pflanzenabfälle schütze ich den Boden vor Wasserverlust und erspare uns das ständige Gießen im Sommer.

Pilze

Lassen sich unmittelbar nach sehr feuchten 18-21 Grad warmen Tagen blicken. Das Myzel ist ein Informationsbeschleuniger für Pflanzen und Bäume untereinander und somit auch an ihrem Wachstum beteiligt. Ein gesundes Ökosystem benötigt Pilze.

Mikroorganismen

Wir lockern den Boden nur minimal damit nicht zu viele Mikroorganismen in der Erde von Sonnenlicht, Wind- und Wettereinflüssen zersetzt werden. Pflanzen brauchen die Vielfalt in ihrer Lebensumgebung, denn jede Pflanze ist unterschiedlich und nimmt sich das aus dem Boden, was sie benötigt.
Dieses Jahr werden wir auch EM’s, sogenannte Effektive Mikroorganismen für die Bodenverbesserung verwenden. Zusammen mit Beigaben von Brennnesseljauche und Wurmkompost setzen wir auf natürlichen und selber herzustellenden Düngemittel. Da wir auf eine Farm gezogen sind, die vorher landwirtschaftlich genutzt wurde, bringen wir so viele gute Organismen wie nur möglich in den ausgelaugten Boden, damit dieser zu einem Schlaraffenland für unsere Pflanzen werden kann.

Und ganz konkret: Welche drei Aspekte im Bezug auf den Umgang mit dem Boden sind für dich die wichtigsten?

1. Gehe mit dem Boden um, als ob er ein eigenständiger Organismus wäre der fühlt und erlebt.

Der Erdboden ist die Haut der Erde. Wenn du ihn alljährlich mit aggressiven Gerätschaften bearbeitest, wird er seine Fruchtbarkeit verlieren und austrocknen. Wir bearbeiten den Boden nur minimal oder graben ihn gar nicht um. Charles Dowding, ein fabelhafter englischer Gemüsegärtner, erzielt mit der No-Dig, Nicht- Umgrabe-Methode, außergewöhnliche Ergebnisse und diese Methode verwenden wir auch auf unserer Farm. Das Gemüse wucherte nur so, obwohl man sich das Umgraben erspart hat. Auch bei der Bodenbearbeitung ist weniger oft mehr.

2. Gib ihm nur das, was ihm gut tut

Für mich sind das ausschließlich natürliche Stoffe, die ihren Ursprung auch wieder in natürliche Stoffe haben. Zum Beispiel zählt der Dung einer Kuh, die mit genmanipulierten Futtermittel gefüttert wurde nicht dazu, denn die Giftstoffe, die die Kuh ausscheidet gehen direkt in die Erde und verunreinigen diese. Wir achten genau darauf, dass unsere Tiere nur selbst angebautes Futter oder biozertifizierte Futtermittel erhalten. Alle Kreisläufe sind verbunden, das sollte man sich immer vor Augen haben.

3. Arbeite für den Boden, nicht gegen ihn.

Du wirst ihm niemals das zurückgeben können, was er dir schenkt und in Zukunft an Nahrung schenken wird. Damit die Nährstoffe nicht völlig von den Pflanzen absorbiert werden, gebe ich massenhaft Grünmaterial, Kompost oder abgelagerten Mist zur Unterstützung dazu. Ein Boden sollte niemals kahl und unbedeckt sein, dadurch wird er für die Wettereinflüsse zu anfällig und trocknet aus. Ich versuche immer mehr zu geben, als dass ich nehme. Verdorrte Pflanzen bringe ich in den Boden wieder ein oder ersetze abgeerntete Pflanzen mit anderen Grünmaterialien. Orientiere dich an einen unberührten Wald, dort fegt niemand das Laub weg, sondern es wird auf natürliche Weise zersetzt.

Lernen von Eden: Geheimrezept für einen fruchtbaren Boden

paradiesischer Garten in der Pfalz, mit Bienen, Erntemöglichkeiten, Lebensraum

Nehmen wir an, Gott schuf das Paradies ohne Glyphosat, RoundUp und Blaukorn. Wie sah das aus? Anhand von Gartenbeispielen möchte ich herausfinden, wie wir Menschen durch Bodenpflege und durch den Umgang mit dem Boden im Allgemeinen ein Paradies ohne Gift schaffen können.

DorotheaDorothea Johns Garten liegt am Fuße des Pfälzer Waldes, in der sogenannten “Toskana Deutschlands”. Hier regnet es vergleichsweise wenig, der Boden ist sandig, die Sonne brezelt vom Himmel. Trotzdem -Oder gerade deshalb?- gelingt es Dorothea einen ertragreichen Garten zu führen.

“Wir ernten auch Zitronen, Feigen, Pfirsiche und Kiwis. Letztes Jahr haben wir 2.100 Kiwis von einer einzigen Pflanze geernet”, beschreibt sie. “Der Garten, das ist mein kleines, eigenes Paradies!”

Den Garten hat ihre Familie vor acht Jahren übernommen. Inzwischen bewirtschaftet ihn die 20-Jährige hauptsächlich selbst.

Dorotheas Geheimrezept für einen fruchtbaren Boden

Welche drei Aspekte im Bezug auf den Umgang mit dem Boden sind für Dorothea die wichtigsten?

1.   “Keine Brache. Der Boden ist immer mit Pflanzen bedeckt, denn er muss vor Sonne, Wind und Erosion geschützt sein, damit keine Desertifikation [s.u.] entstehen kann.”
2.   “Hinzufügen von Kompost, da dadurch der Boden das Wasser besser speichern kann. Durch unseren Kompost aus der eigenen Kompostmiete wird der Boden etwas schwerer und fruchtbarer.”
3.   “Kein ständiges Umgraben des Bodens, da auch hierdurch Desertifikation stattfindet.”

Desertifikation beschreibt die “Verschlechterung des Bodens in relativ trockenen Gebieten, die durch unterschiedliche Faktoren einschließlich Klimawandel und menschliche Aktivitäten herbeigeführt wird” (wikipedia.de, abgerufen am 23.07.2017).

Den Boden bedeckt halten. Kompost zugeben. Nicht oder nur selten umgraben. Drei Regeln, die fruchten!

Als ich Dorotheas Garten kennenlernen durfte, fühlte ich mich wie im Paradies: Verschiedenste Pflanzen blühten, es gab reichlich reifes Obst, Gemüse und Kräuter. Unterschiedliche Bereiche sorgen für Vielfalt in Mikroklima, Licht, Bewuchs durch Nutz- und Wildpflanzen sowie Belebung durch verschiedenartigstes Getier.

Auch unsere Babytochter Carlotta genoss sichtlich die Ruhe, das Vogelgezwitscher, das Bienensummen und die Atmosphäre insgesamt.

Es war großartig zu sehen und zu spüren, wie lebendig und friedlich ein Garten sein kann.

Danke, liebe Dorothea, für dieses inspirierende Garten-Beispiel!

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Karton-Mulch: So schützt du kurzfristig offenes Erdreich

Erde, Karton, Gartenwerkzeug, Pflanze

An einem Samstag Mitte März haben wir einen Hang im Garten modelliert – DANKE an alle Beteiligten für die schöne Aktion! Entstanden sind drei Terrassen und einige Treppenstufen. Die Terrassen haben für’s Gärtnern einige Vorteile gegenüber dem bisherigen Hang:

  • gute Zugänglichkeit der Beete
  • kein Abrutschen von Material, z.B. Mulch
  • langsames Versickern von Wasser, also bessere (Regen)Wassernutzung

Herausforderung: Nackte Erde nach Bearbeitung der Oberfläche

Wie es nach den Erdbewegungen aussah, könnt ihr euch sicher vorstellen:
Blanke Erde – für das Bodenleben eine Katastrophe.

  • Zum Schutz der Bodenlebewesen,
    die auf eine konstant feuchte Umgebung angewiesen sind, und
  • zum Schutz vor Erosion,
    die an diesem Hang vor allem durch Sonneneinstrahlung und andauernde Auf-/ Abwinde geschieht,

haben wir die offene Erdoberfläche kurzfristig mit Karton belegt. Einige Steine und Äste beschweren den Karton, sodass er an Ort und Stelle liegen bleibt.

Mulch: Schutz und Nahrung fürs Bodenleben

Das Belegen mit Karton ist eine Variante des Mulchens. Es geht schnell und man muss keine riesigen Mengen Material beschaffen, wie es bei anderen Mulch-Varianten der Fall ist. Mittelfristig werden wir auf Mulch aus einer Häcksel-Laub-Schnittgut-Mischung umsteigen, da diese gleich als “Nahrung” für die Bodenlebewesen dient.

Auf das fein säuberliche Aussortieren des alten Hangbewuchses (vor allem Gräser) haben wir verzichtet. Ob sich hier und da ein altes Pflänzchen seinen Weg durch das tief umgegrabene Erdreich und den Karton-Mulch bahnt, warten wir gespannt ab und arbeiten bei Bedarf etwas nach. Vorteil des belassenen Grün-Materials: Es ernährt die Bodenlebewesen, da es reich an Kohlenstoff ist.

Weiter benötigen die Bodenlebewesen Stickstoff: Diesen haben wir in Form von Hornspänen gleich mit in die Erde eingearbeitet. Unter der Kartonschicht können die Helferlein also fleißig weiterarbeiten: Es ist feucht und Nahrung ist vorhanden.

Bepflanzung – los geht’s mit den Mehrjährigen

Nach und nach werden nun Pflanzen eingesetzt, zunächst vor allem mehrjährige, um eine Grundstruktur der Terrassen festzulegen. Hierzu zählen Beerensträucher, zwei kleine Kirschbäumchen und Kräuter-Stauden.

Sind diese Pflanzen ausgewachsen, spenden sie Schatten und helfen dabei, die vorhandenen Auf- und Abwinde etwas zu brechen. Somit dienen sie einerseits dem Schutz vor Erosion, andererseits wünschen wir uns natürlich einen Ertrag. Wir werden sehen, wie sich das System entwickelt, und ggf. Anpassungen vornehmen, z.B. Windschutz in Form eines separaten Weidezauns.

 

Regionale Superfoods – Gesundes wächst auch um die Ecke

Natürlich, gesund ernähren wollen wir uns ja alle. Gerne habe ich hin und wieder auch schon eines der gerade so trendigen “Superfoods” gekauft. Jedoch: Es fühlt sich einfach nicht perfekt an, diese von weit her importierten Lebensmittel zu konsumieren.

  • Die CO2-Bilanz dieser Waren ist katastrophal, also schlecht für meinen ökologischen Fußabdruck.
  • Ich kenne nicht die Umstände, unter welchen diese Lebensmittel hergestellt werden, auch wenn ich darauf achte, dass es bio und fair gehandelt ist. Geht es den Produzenten gut? Wer erntet die Produkte? Was befand sich an den Produktionsstätten, bevor dort die Superfoods angebaut wurden? Schade ich durch mein Kaufverhalten vielleicht sogar?
  • Die Schadstoffbelastung kann sehr hoch sein, beispielsweise bei konventionellen Goji-Beeren aus China.
  • Superfoods sind in der Regel in kleinen Einheiten in Plastik verpackt.
  • Sie sind oft ziemlich teuer.

Was jedoch ist die Alternative?

Generell auf eine gesunde Ernährung achten

Sicherlich ist erst mal sehr wichtig, sich generell gesund zu ernähren, siehe hierzu beispielsweise den Artikel zu Clean Eating. Sich ein bisschen Superfood über’s Fastfood zu streuen, das wird der Gesundheit nicht wesentlich dienen.

Regionale Superfoods aus Bio-Anbau

Lebensmittel, die sich durch einen besonders hohen Gehalt an bestimmten Nährstoffen auszeichnen, die unserer Gesundheit besonders förderlich sind, interessieren mich natürlich. Folgende REGIONALE Superfoods sind mir bei meiner Recherche begegnet:

  • Brokkoli und andere Kohlarten, s. TEDxTalk “The DNA whisperer” von Tom Malterre
  • Leinsamen, auch als Öl (Omega-3-Fettsäuren, Alpha-Linolensäuren)
  • Hanfsamen (Eisen, Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren)
  • Sprossen aus der eigenen Küche
  • Goji-Beeren aus eigenem Anbau
  • Heidelbeeren, Johannisbeeren, Sanddorn, Hagebutte
  • Brennnessel-Grün und -Samen

Punkten können diese Lebensmittel, weil  sie während der Saison für uns ultra frisch erhältlich sind. Aus dem eigenen Garten oder Balkon, aus dem Hofladen des lokalen Bio-Landwirts, vom Markt, vielleicht sogar wild wachsend. Betrachtet man das Thema “Superfoods” auf diese Weise, verlieren die momentan so trendigen Produkte an Attraktivität, denn:

“Frisch” schlägt “haltbar gemacht”,
“regional” schlägt “von weit her importiert”.

Bon’appetit!


Foto: „Brennnessel in Blüte“ von Lutz Blohm, CC BY-SA 2.0

Lebendiges Erdreich: 2017 – Das Jahr des Bodens

Mein Blick hat sich verändert, wenn ich im Garten bin oder an ihn denke.

Was man auf den ersten Blick sieht, ist vor allem Vegetation, bewachsene Oberfläche. Spannend für mich und oft wenig beachtet ist das DARUNTER.

Die unterirdischen Strukturen der Pflanzen, verzweigte Wurzelsysteme, Partnerschaften zwischen Pflanzen, Pilzen, Bakterien (Im Dunkeln ist bekanntlich gut Munkeln.), Bodenleben, Fruchtbarkeit, Humusaufbau – Wie spannend!

In unserem kleineren Gärtchen führen wir zwei Komposthaufen und Mulchen regelmäßig. Im Frühjahr 2015 kam ein weiteres Stückchen Land hinzu: über 700qm, Streuobst und Wiesen, teils verbuscht und wild, mittendrin eine Art Wengerter Hüttchen mit Terrasse, Hanglage mit einigen etwas flacheren Zonen. Ein Traum! Eingriffe folgen langsam, behutsam, nach Beobachtung und Nachdenken, auch nach Lust und spontaner Motivation.

Im Jahr 2017 möchte ich mich dem Boden widmen. Einerseits noch besser kennenlernen, was unser Status Quo ist. Andererseits konkret anpacken und bestehende Strukturen so verändern, dass das Bodenleben gestärkt wird. Mittelfristiges Ziel ist es, aus diesem Stückchen Land auch Ernteerträge zu erzielen – angemessen, in Maßen, behutsam, “Slow Gardening” sozusagen.

Sich um den Boden kümmern – Wie geht das?

  • Unbedeckter Boden wird durch Sonne, Wind und Wetter negativ strapaziert. > mulchen, Bewuchs fördern, Dauerkulturen anlegen, Zwischensaat schon vor der nächsten Ernte ausbringen
  • Boden mit Mikroorganismen impfen, das Bodenleben ankurbeln. > Kompost dünn verteilen
  • Bodenlebewesen benötigen gleichbleibend Feuchtigkeit, um nicht abzusterben. > mulchen, ggf. wässern
  • Bodenlebewesen benötigen Nahrung. > organisches Material als Futter anbieten
  • Bodenlebewesen brauchen Stickstoff (N) und Kohlenstoff (C) für Wachstum und Leben. > auf ausgewogenes “Futter”material achten, zB reinen Strohmulch durch Hornspäne ergänzen

In unsere persönliche Situation passen massivere Maßnahmen wie Umgraben derweil nicht. Bereiche, die wir mittelfristig intensiver für Kulturen nutzen wollen, werden daher geschnitten, mit Karton bedeckt, diesen wiederum belegen wir mit gehäckseltem Schnittgut, Laub etc. Nach einigen Monaten, evtl. auch erst im Folgejahr, schneide ich Löcher in die Pappe und setze Beerenbüsche, vielleicht Obstbäumchen, vorgezogene Kräuter oder andere Dauerbepflanzungen, von denen später geerntet werden kann. Karton und Belag darauf schützen den Boden vor Verwitterung, bieten den Bodenlebewesen Schutz und lassen diese in Ruhe ihre Arbeit machen.

Mitte März starteten wir eine Terrassierungsaktion, bei der wir die danach offene Erdoberfläche kurzfristig durch Karton-Mulch schützten.

Welches sind eure Schritte, Tipps und Tricks, um für einen gesunden Boden zu sorgen? Wie hegt und pflegt ihr eure mitgärtnernden, kleinen, unterirdischen Freunde?

Inspiration findet man bei erfolgreichen Gärtnern: Dorothea hat mir ihr Geheimrezept für einen fruchtbaren Boden verraten.

Alle Artikel zum Thema gibt’s unter Lebendiges Erdreich.

Ich freue mich auf eure Kommentare! 

Eure Kerstin

Urlaubs-Aprikosen: Wie man eine Obst-Schwemme bewältigt

Unser doch recht spontaner Provence-Trip ist vorüber. Neben Erinnerungen an eine schöne, entspannte, sonnige Zeit dort bleiben uns:

Zwei Holzkisten leckerer, selbst geernteter Bio-Aprikosen  🙂

Die Challenge besteht darin, die Früchte aufzuessen oder zu verarbeiten, bevor sie schlecht werden und wir sie auf den Kompost geben müssen. Zwar würden sie auch dort einen Zweck erfüllen – immerhin wird irgendwann Erde daraus -, aber besser gefällt mir natürlich das Konsumieren!

Zum Aufessen sind es zu viele, daher ging’s gestern ans Verarbeiten. Entstanden sind mehrere Gläser Aprikosen-Mus, ein Glas getrocknete Früchte, eine Schale roher Aprikosen im Kühlschrank zum Naschen, einige Gläser Brombeer-Aprikosen-Smoothie und bei Pia ein Aprikosen-Streusel-Kuchen.

Getrocknete Aprikosen

Von den frischen Aprikosen sowohl die Steine als auch die nicht so guten Stellen entfernen.

Die Fruchthälften in eine Schale tauchen, in der 1/2 Liter warmes Wasser und drei Esslöffel Zitronensaft vermischt wurden. Durch die Säure bleibt den Früchten ihre typische Farbe besser erhalten, sie werden nicht so schnell braun.

Lose auf Backblechen oder -gittern verteilen. Ich hatte drei Bleche gleichzeitig im Ofen. Bei 100 Grad oder weniger verbringen die Früchte nun einige Stunden im Backofen. Ganz schön energieintensiv! Zwischendurch habe ich die Ofentür kurz geöffnet, um die feuchte Luft entweichen zu lassen.

 

Aprikosen-Mus

Aprikosen entsteinen und schlechte Stellen entfernen, bis zwei Kilogramm zusammengekommen sind. Mit etwas Wasser in einem Topf aufkochen, Deckel drauf, bei niedriger Temperatur 15 Minuten dünsten.

In einem zweiten Topf etwas kaltes(!) Wasser mit 60 Gramm Konfitura verrühren, bis keine Klumpen mehr sichtbar sind. Zucker zugeben. Menge? Ich habe 350 Gramm Zucker verwendet, das Mus ist uns nun zum Einfach-So-Essen allerdings etwas zu süß. Beim nächsten Mal würde ich auf 200 bis 250 Gramm reduzieren.

Die gedünsteten Aprikosen inklusive Flüssigkeit durch eine Flotte Lotte drehen, als Auffangbehälter direkt den Topf mit dem Wasser-Konfitura-Zucker-Gemisch verwenden.

Unter Rühren aufkochen, einige Minuten bei schwacher Hitze köcheln lassen, möglichst heiß abfüllen und die Gläser schnell verschließen.

Nach dem Abkühlen können bei den Weck-Gläsern die Clips entfernt werden, da die Deckel durch den im Glas entstandenen Unterdruck festgehalten werden. Sollte ein Deckel lose sein, ist das Glas nicht für’s Vorratsregal geeignet, sondern zum Direkt-Verzehr 😉

Twist-Off-Gläser stellt man nach dem Heiß-Einfüllen für ein paar Minuten auf den Kopf. Dann wieder umdrehen und abkühlen lassen. Dabei sollte sich der Deckel nach unten Einziehen. Tut er das nicht, sondern bleibt eine Wölbung nach außen stehen, darf das entsprechende Glas ebenfalls nicht in den Vorrat, sondern kann direkt verspeist werden.

 

Aprikosen-Kuchen

Verrät uns Pia das Rezept für ihren leckeren Streusel-Apikosen-Kuchen?

 

Aprikosen-Brombeer-Smoothie

Im eigenen Garten gibt’s gerade Brombeeren zu ernten. Was steht euch an Früchten zur Verfügung? Auch auf Spaziergängen kann man allerhand finden und ernten, an frei wachsenden Hecken zum Beispiel, Frei-Ernte-Möglichkeiten in deiner Nähe findest du unter mundraub.org.

Wir geben Brombeeren, Aprikosen und Wasser in ein Gefäß, pürieren ein Mal kräftig durch, und fertig ist das leckere Getränk. Gesund ist es außerdem, denn dem Körper werden die enthaltenen Nährstoffe bereits in stark zerkleinerter Form angeboten. Die Verdauung und Aufnahme funktioniert so ziemlich leicht. Vor allem Wenig-Kauer dürften von dieser Zubereitungsvariante profitieren 😉

 

… und der Nasch-Rest

Roh schmecken die Früchte natürlich super lecker, daher wurden nicht alle verarbeitet. Bon’app!

Gartenwildnis – Was blüht Ende Juni?

Eine Runde durch unser wildes Gärtchen gedreht, mit der Frage:
Was blüht hier Ende Juni? Kennen wir uns, Pflänzchen?

Von der Anzahl der Fotos bin ich selbst beeindruckt, da ich vielmehr das Gefühl hatte, dass alles “nur grün” ist. Auf einigen Blüten saßen oder arbeiteten diverse Insekten, wie ihr auf den Bildern seht. Ich freue mich, mir selbst und euch nun den aktuellen Blütenbestand zeigen zu können. Lernen wir was!

Seid ihr einverstanden mit den Bestimmungen?